55 Prozent Plus in weniger als drei Börsentagen. Doch hinter der Rally der SpaceX-Aktie stecken weniger Fortschritte im operativen Geschäft als eine seltene Kombination aus Aktienknappheit, Indexaufnahmen und einer von Tradern ausgelösten Zusatznachfrage.

Das Unternehmen lässt Raketen starten, betreibt ein globales Satellitennetz und Rechenzentren für eines der größten KI-Modelle im Markt. Doch gleichzeitig hat SpaceX „das Zeug dazu, zur nächsten großen Meme-Aktie der Wall Street zu werden“, warnt der US-Börsensender CNBC. Denn die Aktie ist seit ihrem Börsengang am 12. Juni bereits um rund 55 Prozent über den Ausgabepreis von ursprünglich 135 Dollar gestiegen. 

Nach Ansicht vieler Analysten könnte die Rally sogar noch eine Weile weitergehen. Der Grund dafür liegt jedoch weniger in neuen Prognosen zu den Geschäftszahlen als in einer außergewöhnlichen Marktmechanik rund um die SpaceX-Aktie.

Beim Börsengang brachte das Unternehmen von Elon Musk lediglich 555,6 Millionen Aktien auf den Markt. Das entspricht gerade einmal rund fünf Prozent aller ausstehenden Anteile. Selbst inklusive der üblichen Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) für die Konsortialbanken kommen lediglich weitere 83,3 Millionen Aktien hinzu.

SpaceX (WKN: A42D4F)

Indexfonds müssen kaufen

Ihnen gegenüber steht eine enorme Nachfrage, die dieses Angebot weit übersteigt. Das wusste man vorher – doch SpaceX hat dafür gesorgt, dass diese Nachfrage in den kommenden Wochen in mehreren Stufen weiter steigen wird. Denn die Aktie soll – früher als sonst üblich – in mehrere wichtige Aktienindizes aufgenommen werden; darunter der Nasdaq-100 sowie Indizes von FTSE Russell und MSCI. Für ETFs entsteht dadurch eine Art Kaufzwang: Sie müssen die Aktie erwerben, um die Zusammensetzung der Indizes, die sie abbilden, möglichst exakt nachzubilden.

Das Problem besteht nun darin, dass zu dem Zeitpunkt, an dem diese Fonds reagieren müssen, nur sehr wenige frei handelbare Aktien verfügbar sind. Das treibt den Kurs.

Gleichzeitig versuchen Hedgefonds und andere professionelle Investoren, genau von diesem Effekt zu profitieren. Sie kaufen die Aktie bereits heute in Erwartung der absehbaren Nachfrage durch Indexfonds – um die Aktien dann später zu höheren Kursen an diese passiven Anleger verkaufen zu können.

Market Maker müssen kaufen

Zusätzlicher Kaufdruck entsteht durch den Start des Optionshandels Anfang dieser Woche. Wenn Anleger Kaufoptionen auf Aktien erwerben (Call), müssen auch die Market Maker diese Aktien kaufen, um das Risiko abzusichern, dass der Call aufgeht und der Market Maker wirklich einen Kursgewinn auszahlen muss. Je stärker die Nachfrage nach Call-Optionen steigt, desto mehr Aktien müssen diese Händler erwerben. Dieser als „Gamma-Effekt“ bekannte Mechanismus kann Kursanstiege zusätzlich beschleunigen.

Auch neue, gehebelte ETFs erhöhen die Nachfrage. So startete der US-Emittent Direxion extra einen zweifach gehebelten SpaceX-ETF. Solche Produkte nutzen Kredite, Derivate und weitere Finanzinstrumente, um Kursbewegungen zu verstärken. Und auch das erzeugt am Ende eine zusätzliche Nachfrage nach SpaceX-Aktien und treibt deren Kurs.  

Zu wenig Papiere im Markt

Verschärft wird dieser Kurshebel durch die sogenannte Lock-up-Periode. Sie soll normalerweise verhindern, dass Insider ihre Anteile schon kurz nach einem IPO zu Geld machen und das dadurch entstehende Zusatzangebot den Kurs drückt. Im Fall SpaceX wäre der Markt dagegen froh, diesen Puffer zu haben. Doch rund 911 Millionen Insider-Aktien – mehr als das Doppelte des derzeit umgehenden Streubesitzes –, die in der ersten Lock-up-Stufe liegen, dürfen aktuell noch nicht verkauft werden. Die Sperrfrist für diese Aktien endet erst zwei Tage nach der Veröffentlichung der ersten Quartalszahlen von SpaceX, die voraussichtlich Anfang August vorgelegt werden.

Bis dahin bleibt das Angebot künstlich knapp: Die Insider dürfen nicht verkaufen, während viele institutionelle Investoren, die beim Börsengang zum Zug kamen, ihre Positionen ebenfalls halten wollen.

Weiterführende Links

Wetten gegen SpaceX sind sinnlos

Analyst Dan Niles von Niles Investment Management glaubt deshalb, dass es derzeit schwer sei, gegen die Aktie zu wetten. Erst nach der Aufnahme in den Nasdaq-100 und dem Ende der Lock-up-Periode dürften wieder klassische Faktoren wie Bewertung und Gewinnentwicklung stärker in den Fokus rücken, sagte er bei CNBC.

Solange ist die wichtigste Kennzahl für die SpaceX-Aktie nicht der Umsatz oder der Gewinn – sondern schlicht die Anzahl der am Markt umgehenden und verfügbaren Aktien.

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Häufige Fragen zum Thema

Was ist ein "Gamma-Squeeze"?

Ein Gamma Squeeze ist ein starker, sich selbst verstärkender Kursanstieg einer Aktie. Er entsteht, wenn Anleger in kurzer Zeit extrem viele Call-Optionen (Kaufoptionen) kaufen. Denn dann müssen sich Market Maker, die diese Optionen verkaufen, als Gegenreaktion zur Absicherung kontinuierlich mit der zugrundeliegenden Aktie eindecken für den Fall, dass sie den Call auszahlen müssen. Denn für den Stillhalter der Option wäre es zu gefährlich, diese Position einfach ungedeckt weiter ins Geld laufen zu lassen.

Wann müssen ETFs Veränderungen im Index nachbilden?

ETFs, die einen Index physisch abbilden, passen ihre Bestände in der Regel exakt am Tag des offiziellen Inkrafttretens an, an dem der Indexbetreiber die Änderungen vornimmt. Bei synthetisch replizierenden ETFs, die auf sogenannten Swaps basieren, erfolgt diese Anpassung intern rein rechnerisch. dadurch wird hier die Wertentwicklung des neuen Index direkt abgebildet, ohne dass das Portfolio physisch gehandelt werden muss.

Mit welcher Frist werden Veränderungen in einem Börsenindex bekanntgegeben?

Die Indexanbieter wie MSCI, STOXX oder die Deutsche Börse geben die geplanten Änderungen in ihren Indizes meist einige Wochen im Voraus bekannt. Die tatsächliche Portfolioanpassung durch die Fondsgesellschaft erfolgt dann in der Nacht vor oder genau am Tag des offiziellen Wirksamwerdens.

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