Am 12. Juni führte SpaceX das größte IPO der Geschichte durch. Einem Bericht der Financial Times zufolge erhielt das Unternehmen nur einen Tag zuvor das niedrigste Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsrating (ESG-Rating) von MSCI. Das wirft erneut Fragen zu Führungsrisiken und den Nachhaltigkeitsmerkmalen des Unternehmens auf.
Die CCC-Bewertung platzierte SpaceX auf der untersten Stufe der ESG-Skala. Damit erreicht der Konzern denselben Rang wie Russland nach dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022. Laut MSCI liegt SpaceX hinter seiner Branche zurück, da es hohen ESG-Risiken ausgesetzt sei und diese aus Sicht des Anbieters nicht ausreichend managt. Elon Musk bezeichnete eine frühere Bewertung bereits als "Betrug".
So schwach ist die ESG-Bewertung für SpaceX
Mit nur einem von zehn möglichen Punkten und einer "orangenen Flagge" schnitt SpaceX in der Kategorie "Kontroversen" besonders schlecht ab. MSCI vergibt diese Bewertung nur, wenn der Anbieter der Meinung ist, dass das Unternehmen an einer oder mehreren schweren Kontroversen direkt oder indirekt beteiligt ist. "Rote Flaggen", also null von zehn Punkten, gibt es nur dann, wenn das Unternehmen direkt an sehr schweren Kontroversen beteiligt ist. Ein Beispiel hierfür liefert Volkswagen. Das Unternehmen erhielt die schlechteste Bewertung nach Vorwürfen wegen Zwangsarbeit in China. Mittlerweile hat sich Volkswagen allerdings rehabilitiert.
Eine solche Bewertung "ist für Anleger an den öffentlichen Märkten sehr nahe an einer Governance-Horrorstory", sagte Frédéric Ducoulombier vom Climate Institute der Edhec Business School. Im Bereich der Unternehmensführung gab es ebenfalls nur schwache 3,2 von zehn möglichen Punkten. Bedenken hinsichtlich der Aktienstruktur und Einschränkung von Aktionärsrechten, Konzentration der Kontrolle bei Insidern, möglicher Interessenkonflikte sowie fehlender Unabhängigkeit des Verwaltungsrats und mangelnder Vergütungsaufsicht sind Gründe für eine solche Bewertung. Laut Financial Times hat dies zu einer Debatte bei europäischen Vermögensverwaltern geführt, ob SpaceX die Nachhaltigkeits-Offenlegungsvorgaben erfüllt.
"Es wäre für einen seriösen ESG-Datenanbieter oder für einen Fonds, der ein eigenes ESG-Screening anwendet, schwierig, bei SpaceX keine erheblichen Bedenken bezüglich der Unternehmensführung zu erkennen", sagte Ducoulombier. Bereits 2022 sorgte eine ähnliche Bewertung für Ärger bei Elon Musk. Nachdem Tesla aus dem S&P-500-ESG-Index verschwand, bezeichnete Musk ESG als "Betrug".
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SpaceX-Aktie mit Verlusten zum Wochenschluss
ESG-Ratings beeinflussen die Aufnahme in Indizes und den Zugang zu institutionellem Kapital. Ein entsprechend schwaches Profil behindert daher vor allem die Aufnahme in nachhaltig ausgerichtete Fonds.
Für Anleger bleibt aber nicht nur das Rating spannend, sondern auch die Frage, wie sich die Aktie nach dem IPO entwickelt. Der Emissionspreis von 135 US-Dollar ist längst übertroffen und so notierte die Aktie in der vergangenen Woche zeitweise bei rund 225 US-Dollar. Am Donnerstag und Freitag kam jedoch die Ernüchterung. Die Papiere verloren an Wert und schlossen am Freitag bei 185 US-Dollar. Großinvestoren wie Rob Baron und einige andere Experten sehen dennoch enormes Potenzial bei SpaceX. Allerdings gibt es auch Stimmen, wie etwa die Analysten von Morningstar, die mit deutlichen Verlusten rechnen.
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Häufig gestellte Fragen
Warum sind ESG-Ratings für Aktien überhaupt wichtig?
ESG-Ratings beeinflussen oft, ob eine Aktie in nachhaltige Fonds oder institutionelle Portfolios aufgenommen wird. Für Unternehmen kann ein schwaches Rating deshalb den Zugang zu Kapital erschweren oder verteuern.
Welche Rolle spielt die Unternehmensführung bei ESG-Bewertungen?
Die Unternehmensführung ist ein zentraler Teil von ESG, weil sie zeigt, wie ein Unternehmen geführt und kontrolliert wird. Dazu gehören unter anderem Aktionärsrechte, Kontrollstrukturen, Vergütungsregeln und Interessenkonflikte.
Kann ein umstrittenes Unternehmen trotzdem für Anleger interessant sein?
Ja, denn ein schlechtes ESG-Rating sagt nicht automatisch etwas über die operative Stärke oder das Wachstumspotenzial aus. Manche Anleger sehen gerade in kontroversen Unternehmen Chancen, nehmen dafür aber höhere Risiken in Kauf.
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