Der Großaktionär einer deutschen TecDAX-Aktie will seine Beteiligung ausbauen. Im Vorjahr war ein entsprechendes Angebot an die restlichen Aktionäre schon einmal gescheitert. Doch diesmal riecht es nach Squeeze-out.
Der Telekommunikations- und Internetkonzern United Internet will seine Beteiligung an der börsennotierten Tochtergesellschaft 1&1 bis auf 90 Prozent ausbauen. Für den SDAX-Wert bedeutet das mehr Kontrolle durch den Mutterkonzern. Anleger denken sofort an etwas anderes: Zeichnet sich da womöglich ein Squeeze-out ab? Der Kurs jedenfalls steigt schon.
United Internet will eigenen Angaben zufolge bis zu 6 Millionen Aktien über den Markt kaufen, und zwar „interessewahrend“ sowie zu „marktschonenden Konditionen“. Damit vermeidet Ralph Dommermuth den großen Wurf per Übernahmeangebot und geht den schrittweisen Weg, kommentiert „Euro am Sonntag“ in seiner neuesten Ausgabe. Genau das halte die Tür für weitere Spekulationen offen.
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Noch mehr Kontrolle
Stand Mitte Juni hielt United Internet bereits 86,46 Prozent an 1&1. Mit dem neuen Kaufprogramm könnte der Anteil um bis zu 3,4 Prozent steigen. 2025 war ein Teilangebot gescheitert, weil die gebotenen 18,50 Euro je Aktie nicht genug Aktionäre überzeugten.
Jetzt versuche der Konzern offenbar, die Schwelle von 90 Prozent über den Markt zu erreichen, schreibt Euro am Sonntag. Das sei strategisch sauber, weil es weniger Aufsehen erzeuge als ein neuer offizieller Anlauf. Für die Minderheitsaktionäre bleibe aber das deutliche Signal: Der Squeeze-out rücke näher.
Squeeze-out bleibt Thema
Offiziell war ein Squeeze-out vor rund einem Jahr noch kein Thema. Damals wollte United Internet einen Streubesitz von mindestens 10 Prozent erhalten und hatte weder einen Beherrschungs- noch einen Gewinnabführungsvertrag noch ein Delisting geplant. Doch mit jedem weiteren Aufstockungsschritt rückt diese Frage wieder in den Vordergrund.
Besonders interessant sei, dass mit dem Verleger Norman Rentrop noch ein weiterer Investor 4,5 Prozent halte, schreibt Euro am Sonntag. Solche Restpakete könnten bei einer Annäherung an die 90-Prozent-Marke zum Zünglein an der Waage werden. Der Kursanstieg von rund fünf Prozent binnen zwei Tagen zeige jedenfalls, dass der Markt den Schritt als bullisch bewerte.
Wie Anleger sich jetzt verhalten sollten
Für 1&1-Aktionäre ist die Nachricht zweischneidig. Wer die Aktie bisher hielt, weil er auf einen strategischen Befreiungsschlag samt einer darauffolgenden Kursrallyx gehofft hatte, bekommt nun womöglich einen noch mächtigeren Großaktionär vorgesetzt, der eher kontrollieren als Visionen umsetzen will.
Andererseits dürfte das Ankaufprogramm, obwohl es marktschonend erfolgen soll, den 1&1-Kurs weiter antreiben. Und sofern dann irgendwann wirklich ein Squeeze-Out-Prozess beginnt, winken womöglich weitere Aufschläge. Dafür benötigen die Investoren jedoch viel Zeit und Geduld. Die Spekulation kann, muss abr nicht aufgehen. Udn solange äre das Geld in der Aktie geparkt.
Lohnt es dann vielleicht eher, auf die United-Internet-Aktie umzusteigen? Eher nicht, die bietet nämlich derzeit ebenfalls wenig Spektakuläres: Zwar wurden die Prognosen für dieses Jahr sowie 2027 und 2028 bestätigt, doch der Aktie fehlen echte Kurstreiber. Auf die aber hatte BÖRSE ONLINE bei ihrer Empfehlung im Mai gesetzt. Seitdem löste der Titel zwar nicht den damals gesetzten Stoppkurs aus, er bewegte sich aber auch nur wenig nach oben.
Der Beteiligungsausbau bei 1&1 würde Ruhe in die Struktur der Gruppe bringen – aber nicht automatisch neue Fantasie in den Kurs der Konzernmutter.
Häufige Fragen zum Thema
Wie viele 1&1 -Aktien hält United Internet?
Derzeit hält United Internet 86,46 Prozent der fast 176,8 Millionen 1&1-Aktien. Der für die Indexzusammensetzung der Deutschen Börse maßgebliche Streubesitz beträgt 13,43 Prozent, wobei 4,51 Prozent allerdings beim Investor Norman Rentrop liegen.
Wie viel bietet United Internet für 1&1?
Es gibt kein Gebot. United Internet will die 1&1-Aktien sukzessive am Markt zukaufen.
We ist der Chef von 1&1?
Der Chef und Vorstandsvorsitzende (CEO) von 1&1 ist Ralph Dommermuth. Er hat das Unternehmen im Jahr 1988 als Reseller gegründet und ist in Personlaunion auch Chef des Mutterkonzerns United Internet.