Trump steht vor den US-Zwischenwahlen unter Druck. Je nachdem, wer den Kongress kontrolliert, könnten Aktien, Dollar und Anleihen deutlich unterschiedlich reagieren.

US-Präsident Donald Trump muss am 3. November wohl zittern, denn dann stimmen die Amerikanerinnen und Amerikaner über die Neubesetzung aller Sitze im Repräsentantenhaus und über einen Teil der Sitze im Senat ab. Derzeit hält Trumps Partei – die Republikaner – eine knappe Mehrheit in beiden Parlamentskammern. 

Das könnte sich mit den Zwischenwahlen (Midterms) jedoch ändern: Jedes einzelne Mandat könnte angesichts der knappen Mehrheiten darüber entscheiden, wer am Ende die Macht im Kongress hat – und Trumps Zustimmungswerte befinden sich aktuell auf einem Tiefpunkt.

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Warum die Midterms für Trump und die Börse wichtig sind

Michael Hartnett, Stratege bei der Bank of America, hat analysiert, wie sich mögliche Wahlergebnisse der Midterms auf die Finanzmärkte auswirken könnten. Er meint zwar laut der Finanzplattform “Seeking Alpha”, dass die Zwischenwahlen den übergeordneten fiskalpolitischen Kurs in Washington wahrscheinlich nicht verändern werden. Dennoch könnte das Ergebnis bei Aktien, Anleihen und dem Dollar deutlich unterschiedliche Reaktionen auslösen.

In der August-Umfrage unter Fondsmanagern der Bank of America gaben 47 Prozent der Befragten an, das wahrscheinlichste Ergebnis sei ein republikanischer Senat und ein demokratisches Repräsentantenhaus. Weitere 23 Prozent erwarteten einen Sieg der Demokraten in beiden Kammern, während 9 Prozent davon ausgingen, dass die Republikaner die Kontrolle über beide Kammern behalten.

Auf der Plattform Polymarket wurden die Demokraten laut einem “Newsweek”-Bericht mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 89 Prozent für das Repräsentantenhaus gehandelt, die Republikaner mit 12 Prozent. Beim Senat wurden die Demokraten mit 51 Prozent und die Republikaner mit 50 Prozent gehandelt - also eigentlich ein Gleichstand. 

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Weiterführende Links

Midterms: Drei Wahlausgänge, drei mögliche Marktreaktionen

Daraus ergeben sich für Hartnett mehrere Szenarien für die Zwischenwahlergebnisse und mögliche Folgen für die Finanzmärkte: Ein Sieg der Demokraten in beiden Kammern wäre demnach das größte Risk-off-Szenario. Hartnett zufolge könnte dies bis zum Jahresende einen Rückgang der Aktienkurse um mehr als 10 Prozent auslösen, begleitet von einem schwächeren US-Dollar und niedrigeren Anleiherenditen. 

Internationale Aktien dürften sich voraussichtlich besser entwickeln, wobei Europa gegenüber Asien bevorzugt wird. Die bevorzugte Absicherung der Bank of America für dieses Ergebnis besteht in Short-Positionen bei Finanzwerten und beim Dollar.

Ein Sieg der Republikaner in beiden Kammern wäre das stärkste Risk-on-Szenario. Er würde dem KI-Trade „grünes Licht“ geben und den Dollar stützen, da das Thema des US-Exzeptionalismus zurückkehren würde.

Das wahrscheinlichste mittlere Szenario – ein republikanischer Senat und ein demokratisches Repräsentantenhaus – wäre moderat Risk-on. Hartnetts Kurzformel dazu lautet: „Pattsituation = Goldilocks.“ Dabei ist „Goldilocks“ eine Anspielung auf das Märchen Goldlöckchen und die drei Bären. Übertragen auf die Börse bedeutet der Begriff: Eine Situation ist „gerade richtig“ – nicht zu extrem und nicht zu belastend.

Die geteilte Kontrolle könnte aus Marktsicht positiv wirken, weil sie große politische Kurswechsel erschwert. Es gäbe beispielsweise weniger Spielraum für umfangreiche neue Ausgabenprogramme, weitreichende Steueränderungen oder besonders starke regulatorische Eingriffe. Gleichzeitig bliebe die Wahrscheinlichkeit eines abrupten politischen Richtungswechsels begrenzt. Diese relative Stabilität könnte Aktien unterstützen und zu einem moderaten Risk-on-Umfeld führen.

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Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Was macht die Bank of America?

Die Bank of America ist eines der größten Finanzunternehmen der USA. Sie bietet unter anderem Bank- und Vermögensverwaltungsdienstleistungen an und veröffentlicht regelmäßig Analysen zu Wirtschaft, Politik und Finanzmärkten. Im vorliegenden Beitrag stammt die Einschätzung zu den möglichen Marktfolgen der US-Zwischenwahlen vom Bank-of-America-Strategen Michael Hartnett.

Was sind die US-Zwischenwahlen?

Die US-Zwischenwahlen, auf Englisch „Midterms“, finden in der Mitte der vierjährigen Amtszeit des US-Präsidenten statt. Dabei werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der Sitze im Senat neu gewählt. Die Wahlen gelten als wichtiger Stimmungstest für die Regierung, weil sich dadurch die Mehrheiten im US-Kongress ändern können.

Was bedeuten die US-Zwischenwahlen für die Börse?

Die US-Zwischenwahlen könnten je nach Wahlausgang unterschiedliche Reaktionen bei Aktien, Anleihen und dem US-Dollar auslösen. Ein Sieg der Demokraten in beiden Kongresskammern könnte die Aktienmärkte belasten, während ein republikanischer Durchmarsch als Risk-on-Szenario gelten würde. Ein geteilter Kongress könnte die Märkte moderat unterstützen.

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