Zwei Konkurrenten wollten ein bekanntes Unternehmen aus den Niederlanden übernehmen – doch der Vorstand lehnt einstimmig ab. Die Aktie schießt am Mittwoch trotzdem um 21 Prozent nach oben, denn die Börse wittert ein Wettbieten – und einen Short-Squeeze.

Ein unerwartetes Übernahmeangebot hat die Aktie von AkzoNobel am Mittwoch in die Höhe katapultiert. Die Papiere des niederländischen Farb- und Beschichtungsherstellers, der unter anderem für seine Wandfarben der Marke Dulux bekannt ist, sprangen zeitweise um rund 21 Prozent in die Höhe. Zuvor war bekannt geworden, dass das Unternehmen ein gemeinsames Barangebot von Nippon Paint Holdings und Sherwin-Williams im Wert von 73 Euro je Aktie zurückgewiesen hat.

Der Vorstand von AkzoNobel lehnte das Angebot nach eigenen Angaben einstimmig ab. Es komme dem tatsächlichen Unternehmenswert und den langfristigen Perspektiven „bei Weitem nicht nahe", hieß es in einer Stellungnahme. Zudem biete es „unzureichende Deal-Sicherheit" hinsichtlich der geplanten Aufspaltung des Unternehmens. Damit seien die Interessen der Aktionäre „nicht ausreichend geschützt".

Akzo Nobel (WKN: A2PB32)

Short-Squeeze befeuert den Kurssprung

Dass der Kurs der Aktie trotz der Ablehnung so stark anzog, hat einen besonderen Grund: Wie die Barclays-Analystin Katie Richards erklärte, trug ein sogenannter Short-Squeeze maßgeblich zur Kursdynamik bei. Dabei werden Spekulanten, die zuvor mit Leerverkäufen auf fallende Kurse gesetzt hatten, durch steigende Notierungen zum Kauf gezwungen, um ihre Positionen einzudecken – was den Kursanstieg zusätzlich verstärkt. Richards zufolge hatten Marktteilnehmer zuletzt sogar verstärkt auf fallende Kurse des Unternehmens gesetzt, das an der Börse am Dienstag noch rund 10,8 Milliarden Euro wert war.

Der Kurs von AkzoNobel befindet sich seit 2021 auf Talfahrt und hat sich seitdem zeitweise halbiert. Die Niederländer selbst hatten zuletzt auf eine Fusion mit Axalta Coating Systems aus den USA gesetzt, was den Kurs der Akzo-Papiere aber nicht beflügeln konnte.

Die hohe Short-Quote aber rächt sich nun: Mit bis zu 61,38 Euro je Aktie näherte sich AkzoNobel am Mittwoch dem oberen Ende der Zweijahresspanne des Aktienkurses, die von 46 bis rund 65 Euro reicht. Damit egalisierten die Niederländer die Kursdelle der vergangenen Monate. Im März hatte die Aktie noch ein Sechsjahrestief markiert.

Angebot unter EBITDA-Vergleichswerten

Das abgelehnte Angebot von 73 Euro je Aktie lag zwar deutlich über dem aktuellen Kursniveau und stellte gemessen am Kursrückgang seit März einen „ordentlichen Aufschlag" dar, wie Analystin Richards einräumt. Gemessen am operativen Ergebnis (EBITDA) liege die Bewertung aber unter vergleichbaren Transaktionen im Farbenbereich. Das stütze die Ablehnung durch den Vorstand, bemerkt die Analystin laut dpa.

Der Plan von Nippon Paint und Sherwin-Williams sah offenbar vor, AkzoNobel zu übernehmen und anschließend aufzuspalten: Nippon Paint hätte den Kern übernommen, während drei Geschäftsbereiche an den US-Konzern Sherwin-Williams abgegeben worden wären. Analystin Richards hält eine solche vollständige Übernahme grundsätzlich für „kapitalintensiv und strategisch komplex“. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass nur ein solches Gebot als Alternative zur von AkzoNobel geplanten Axalta-Fusion infrage käme. Das Interesse von Nippon Paint überrasche sie nicht: Die Japaner hatten bereits 2017 Interesse an Axalta signalisiert.

AkzoNobel hält an Axalta-Fusion fest

Der Vorstand von AkzoNobel empfiehlt seinen Aktionären weiterhin einstimmig die bereits im November vereinbarte Fusion mit dem US-Autolackspezialisten Axalta. Das Angebot von Nippon Paint und Sherwin-Williams sei diesem Zusammenschluss „nicht überlegen“, so das Unternehmen. Auch die Aktie von Axalta profitierte am Mittwoch vom Übernahmepoker: Der Kurs des US-Konzerns legte im vorbörslichen Handel in New York um mehr als sieben Prozent zu. Sherwin-Williams-Papiere notierten dort ein Prozent höher.

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Häufige Fragen zum Thema

Was macht AkzoNobel?

AkzoNobel ist ein weltweit führendes Industrieunternehmen mit Sitz in den Niederlanden, das Farben, Lacke und Hochleistungsbeschichtungen herstellt. Der Konzern beliefert sowohl Endverbraucher, etwa mit Farben der Marke "Dulux", als auch Industriekunden, vor allem in der Automobil- und Luftfahrtbranche. Die Produktpalette umfasst neben Farben auch Produkte zum Schutz und zur Veredelung von Oberflächen.

Warum ist AkzoNobel ein Übernahmekandidat?

Trotz einiger operativer Probleme in den vergangenen Jahren weist das Unternehmen einen hohen Cashflow auf und besitzt etablierte globale Marken wie Dulux, International, Sikkens und Interpon, die in margenstarken Segmenten wie Baufarben, Autolacken und industriellen Beschichtungen führend sind.

Ist AkzoNobel ein Dividendenaktie?

Ja. Das Unternehemn zahlt regelmäßig ein Dividende und wies aktuell (vor dem Kurssprung) eine attraktive Dividendenrendite von 3,91 Prozent auf.