Während viele Investoren das Ende des KI-Hypes ausrufen, sieht Raoul Pal einen ganz anderen Grund für die Kursverluste. Besonders seine Prognose zur künftigen KI-Nachfrage hat es in sich.

„Ich glaube kein Wort davon.“ Mit diesen scharfen Worten widerspricht Raoul Pal, Gründer und CEO von Real Vision, der weitverbreiteten Auffassung, dass der KI-Boom an den Aktienmärkten bereits vorbei sei. Seiner Einschätzung nach resultiert der aktuelle Crash vieler KI-Aktien nicht aus einer Verschlechterung der fundamentalen Ausgangslage, sondern aus einem rein technischen Effekt. Zudem stellt er eine kaum zu glaubende Prognose auf.

Liquidität als Ursache für den KI-Crash

Der jüngste Rücksetzer bei den Technologiewerten ist nach Ansicht Pals auf eine vorübergehende Verlangsamung der globalen Liquidität zurückzuführen. Auslöser sei der Ölpreisschock infolge des Irankriegs, der den US-Dollar und die kurzfristigen Zinsen nach oben getrieben habe.

„Der Nasdaq weist eine Korrelation von 97 Prozent mit der Liquidität auf. Wenn der Geldfluss nachlässt, sinken auch die Bewertungsmultiplikatoren – unabhängig davon, wie sich die zugrunde liegenden Unternehmen entwickeln“, erklärte er.

Früher oder später werde die Liquidität zwangsläufig zurückkehren. Dann dürften es seiner Einschätzung nach auch die Technologieaktien wieder leichter haben.

„Unendliche Nachfrage“ nach KI

Die fundamentale Ausgangslage bei den KI-Werten ist bei Weitem nicht so negativ, wie es die aktuelle Stimmung am Markt vermuten lässt. Pal verweist beispielsweise darauf, dass Anthropic innerhalb von nur fünfeinhalb Jahren einen annualisierten Umsatz von 46 Milliarden US-Dollar erreicht hat. Er bezeichnete dies als „das schnellste Umsatzwachstum in der Geschichte der Wirtschaft“.

Zum Vergleich: Google benötigte 14 Jahre, um diese Umsatzmarke zu erreichen, Amazon 17 Jahre, Nvidia 30 Jahre und Microsoft sogar 32 Jahre.

Zudem verweist Pal auf das sogenannte Jevons-Paradoxon: Jedes Mal, wenn der Preis für KI um ein Prozent sinkt, entstehen neue Anwendungsmöglichkeiten und die Nutzung nimmt laut Pal überproportional um 2,2 Prozent zu. Damit sei künstliche Intelligenz „das erste Produkt der Geschichte mit unendlicher Nachfrage“.

Einer der Haupttreiber des Wachstums könnte künftig nicht mehr die Nutzung durch Menschen sein, sondern die durch autonome KI-Agenten. Allein KI-Agentenanwendungen verarbeiten über OpenRouter inzwischen 43 Billionen Token pro Woche. Das entspricht einer Ver26fachung innerhalb eines Jahres.

Nach Ansicht von Pal kann es sich deshalb weder ein Unternehmen noch ein Land leisten, seine KI-Investitionen zu verlangsamen, ohne im globalen KI-Wettlauf dauerhaft zurückzufallen.

„Die Intelligenz pro Energieeinheit verdoppelt sich alle vier bis fünf Monate. Wer ein Jahr lang aussetzt, liegt drei Verdopplungen zurück und verfügt damit nur noch über ein Achtel der Intelligenz pro Watt im Vergleich zu denjenigen, die weitergemacht haben“, warnte er. „Diesen Rückstand kann man nicht mehr aufholen. Man ist endgültig aus dem Rennen.“

Fazit

Raoul Pal liefert mit seiner Argumentation einige interessante Gründe, warum der KI-Boom noch lange nicht am Ende sein muss. Besonders die steigende Effizienz und die damit einhergehenden fallenden Tokenpreise dürften die Nachfrage nach KI in den kommenden Jahren weiter kräftig antreiben. Auch unabhängige Studien bestätigen grundsätzlich diesen Zusammenhang, wenngleich die konkreten Wachstumsraten von Pal mit Vorsicht zu betrachten sind.

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Häufig gestellte Fragen:

Warum sind viele KI-Aktien zuletzt stark gefallen?

Laut Investor Raoul Pal ist vor allem die sinkende globale Liquidität verantwortlich. Auslöser sei der Ölpreisschock infolge des Irankriegs.

Warum spricht Raoul Pal von einer unendlichen KI-Nachfrage?

Sinkende KI-Kosten ermöglichen immer neue Anwendungen. Zudem könnten autonome KI-Agenten selbst zu wichtigen Nachfragern nach KI-Leistung werden.

Ist der KI-Boom laut Raoul Pal bereits vorbei?

Nein. Pal hält die fundamentalen Wachstumsaussichten weiterhin für außergewöhnlich gut und erwartet bei einer Erholung der Liquidität wieder bessere Bedingungen für KI-Aktien.