Die italienische Großbank Unicredit übt im Übernahmekampf um die Commerzbank heftige Kritik an der Strategie und den strategischen Schwerpunkten der Frankfurter. In einer Investoren-Präsentation spricht Unicredit der Commerzbank unter anderem strategische Weitsicht ab.
Unicredit äußert im Übernahmekampf grundsätzliche Kritik am Geschäftsmodell des Dax-Konzerns. Die Commerzbank schreibe eine „Geschichte operativer Underperformance“ und sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen überbewertet, schreiben die Italiener in einer aktuellen Präsentation mit dem Titel „Commerzbank. Ein neues Kapitel“. Das Frankfurter Institut weise strukturelle Schwächen auf, so die Unicredit-Analyse.
Commerzbank zu sehr auf kurzfristigen Erfolg konzentriert?
„Unicredit ist als bedeutender Aktionär der Ansicht, dass die Commerzbank auf zukünftige Herausforderungen unzureichend vorbereitet ist und sich zu sehr auf kurzfristigen Erfolg konzentriert“, schreibt das italienische Geldhaus. Man sei der Meinung, „dass sich die Commerzbank repositionieren sollte, um für die Zukunft gerüstet zu sein, indem sie das Wachstum beschleunigt und sich auf Investitionen und Transformation konzentriert.“ Dafpr müsse die Commerzbank nach Ansicht von Unicredit ihren Fokus auf Deutschland und Polen verstärken und gleichzeitig ihre internationalen Aktivitäten zurückfahren. Letztere seien „überdimensioniert, fragmentiert, risikoreicher, operativ komplex und ineffizient“, bilanziert Unicredit.
„Europa braucht größere Banken“
Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit dem Einstieg seines Instituts im September 2024 für eine Commerzbank-Übernahme. Europa brauche im Wettlauf mit starken US-Geldhäusern größere Banken.
Die Unicredit ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank und hat nach jüngsten Angaben insgesamt Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Anteile. Die Italiener hatten Mitte März ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien angekündigt. Dafür wird eine Kapitalerhöhung nötig sein, für die sich Unicredit in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai die Zustimmung ihrer Aktionäre holen will.
Die Commerzbank sieht nach eigenen Aussagen keinen Mehrwert in einem Zusammenschluss der beiden Großbanken und weist das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen Orcels zurück. Anfang Mai will die Commerzbank neue Finanzziele verkünden.
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Enthält Material von dpa-AFX
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.