Nach etwas mehr als drei Jahren gibt es für den L&G Gerd Kommer Multifactor Equity ETF eine gemischte Bilanz. Ein Überblick.
Als Gerd Kommer im Juni 2023 seinen eigenen ETF auf den Markt brachte, war das Interesse enorm. Der „ETF-Papst" – bekannt durch seine Bücher über das Weltportfolio-Konzept – wollte seine Anlagephilosophie in einem Produkt bündeln: global diversifiziert, faktororientiert, ESG-gefiltert. Jetzt, etwas mehr als drei Jahre später, lässt sich eine erste Zwischenbilanz ziehen.
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Was steckt im L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF?
Der L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF (WKN: WELT0A bzw. WELT0B für die ausschüttende Variante) investiert in über 3.000 bis 4.000 Einzelaktien aus knapp 50 Industrie- und Schwellenländern – und deckt damit rund 99 Prozent des globalen Aktienmarktes ab.
Anders als bei klassischen Welt-ETFs, die Länder nach ihrer Marktkapitalisierung gewichten, setzt Kommer dabei auf eine Mischung: 50 Prozent Marktkapitalisierung, 50 Prozent Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Ergebnis: Die USA sind deutlich geringer gewichtet, Schwellenländer stärker vertreten.
Hinzu kommt ein konsequentes 1-Prozent-Capping: Keine einzelne Aktie darf mehr als ein Prozent des Portfolios ausmachen. Bei MSCI-World-ETFs kommen Schwergewichte wie Apple, Microsoft oder Nvidia längst auf drei bis vier Prozent – und mehr. Im Kommer-ETF gibt es das nicht.
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Außerdem setzt der Fonds auf sogenannte Faktorprämien: Er übergewichtet Aktien, die nach den Kriterien Size (kleine Unternehmen), Value (günstig bewertete Titel) und Quality (hohe Qualitätskennzahlen) attraktiv erscheinen – eine Strategie, die auf jahrzehntelanger Finanzforschung beruht.
Ein ESG-Filter rundet das Konzept ab: Die drei Prozent treibhausgasintensivsten Unternehmen in jeder der elf Hauptbranchen werden konsequent ausgeschlossen.
Gerd-Kommer-ETF: Die Rendite nach drei Jahren
Aber was hat der ETF tatsächlich gebracht? Die absoluten Zahlen sehen zunächst gut aus. Seit Auflegung im Juni 2023 erzielte der Fonds eine Gesamtrendite von rund 55 bis 60 Prozent, was einer jährlichen Rendite von circa 15 bis 17 Prozent p.a. entspricht (Stand: Juli 2026). Doch der Vergleich trübt das Bild. Denn wer im selben Zeitraum einfach einen klassischen MSCI World ETF gekauft hätte, liegt vorne. Der iShares Core MSCI World ETF legte beispielsweise bis Juli 2026 um rund 62 bis 65 Prozent zu. Wenn man den ETF-Chartverlauf der vergangenen drei Jahre verfolgt, sieht man auch, dass der MSCI World ETF bis auf kurze Ausnahmen immer über dem Kommer-ETF liegt.
Gerd Kommer selbst hatte in Interviews eine Mehrrendite von 1 bis 1,5 Prozentpunkten pro Jahr gegenüber einem MSCI World ETF in Aussicht gestellt – und zwar nach Kosten. Dabei sind vor allem diese der Haken: Mit einer laufenden Kostenquote (TER) von 0,45 Prozent pro Jahr ist der ETF deutlich teurer als viele Konkurrenzprodukte. Günstige MSCI-World-ETFs sind schon ab etwa 0,10 Prozent TER erhältlich – das macht langfristig einen erheblichen Unterschied.
Für wen lohnt sich der ETF trotzdem?
Wer den Kommer-ETF deshalb pauschal als schlechte Wahl abstempelt, greift aber trotzdem zu kurz. Es gibt valide Gründe, ihn ins Depot zu nehmen:
Wer US-Klumpenrisiko meiden will, ist hier beispielsweise gut aufgehoben. Klassische MSCI-World-ETFs sind zu fast 70 Prozent in US-amerikanischen Aktien investiert – viele davon im Tech-Sektor. Wer das als Risiko sieht, findet im Kommer-ETF eine echte Alternative.
Und: Wer an Faktorprämien glaubt, braucht Geduld. Die akademische Evidenz für Size, Value und Quality ist stark – aber die Prämien realisieren sich unregelmäßig und über lange Zeiträume.
Kurz zusammengefasst: Für Anleger, die einfach kostengünstig und breit investieren wollen, bieten klassische MSCI-World-ETFs derzeit das bessere Kosten-Rendite-Verhältnis. Wer jedoch gezielt das Kommer-Konzept umsetzen und dabei die US-Dominanz im Portfolio begrenzen möchte, findet in diesem ETF nach wie vor ein überzeugendes Werkzeug.
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Häufige Fragen
Wer ist Gerd Kommer?
Gerd Kommer ist ein deutscher Vermögensverwalter, Buchautor und Finanzexperte, der vor allem durch seine Bücher zum sogenannten Weltportfolio-Konzept bekannt wurde. Er gilt als einer der einflussreichsten Verfechter des passiven Investierens im deutschsprachigen Raum und wird daher oft als „ETF-Papst" bezeichnet. Im Juni 2023 brachte er gemeinsam mit dem Fondsanbieter L&G seinen eigenen ETF auf den Markt.
Wie hat sich der Gerd-Kommer-ETF in den ersten drei Jahren entwickelt?
Seit seiner Auflegung im Juni 2023 erzielte der L&G Gerd Kommer Multifactor Equity ETF eine Gesamtrendite von aktuell rund 58 Prozent. Damit liegt er jedoch leicht hinter vergleichbaren klassischen Welt-ETFs: Der größte MSCI-World-ETF legte im selben Zeitraum rund 62 Prozent zu.
Was unterscheidet den Gerd-Kommer-ETF von einem klassischen MSCI-World-ETF?
Der Kommer-ETF gewichtet Länder nicht allein nach Marktkapitalisierung, sondern zu je 50 Prozent nach Marktkapitalisierung und Bruttoinlandsprodukt – was die USA-Gewichtung deutlich reduziert. Außerdem ist das Gewicht jeder Einzelaktie auf maximal ein Prozent begrenzt, während bei MSCI-World-ETFs einzelne Konzerne wie Apple oder Nvidia auf drei bis vier Prozent kommen können. Hinzu kommen ein Multifaktor-Ansatz sowie ein ESG-Filter, der besonders treibhausgasintensive Unternehmen ausschließt.
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