Europas Versicherer verwalten Wertpapiere im Wert von rund 7,9 Billionen Euro. Eine neue Auswertung der Aufsicht Eiopa zeigt, wohin das Geld fließt, und warum das auch für Privatanleger relevant ist.
Wenn Versicherer Geld anlegen, geht es um Summen, die jede Börse bewegen. Ende 2025 hielten die Versicherer im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Aktien im Wert von 7,9 Billionen Euro. Sie hielten diese Papiere direkt oder über Investmentfonds. Hinzu kommen weitere 2,0 Billionen Euro in anderen Anlagen wie Immobilien, Darlehen und Bankeinlagen. Das geht aus einem aktuellen Factsheet der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa hervor.
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Versicherer kaufen ein: Anleihen bleiben das Fundament, Aktien gewinnen an Gewicht
Die Grundstruktur ist seit Jahren stabil. Ein früherer Eiopa-Bericht auf Basis der Daten von 2024 beschreibt das Portfolio der Versicherer als von Anleihen dominiert. Versicherer müssen Zahlungsversprechen über Jahrzehnte einlösen, etwa bei Lebens- und Rentenversicherungen. Deshalb setzen sie vor allem auf festverzinsliche Papiere. Staatsanleihen und Unternehmensanleihen bilden den Kern ihrer Portfolios.
Dieses Fundament ist für Privatanleger wichtig. Versicherer sind ein zentraler Käufer am Anleihemarkt. Ihre Nachfrage stützt Kurse und beeinflusst, zu welchen Konditionen Staaten und Unternehmen sich finanzieren können.
Auch Aktien spielen eine wachsende Rolle. Laut Eiopa-Auswertung haben die Versicherer ihre Aktienbestände zuletzt ausgebaut. Dazu passt, dass sich die Branche im Jahr 2026 besser entwickelt hat als der Gesamtmarkt. Die Aufsicht führt das auf solide Kapitalausstattungen und höhere Zinsen zurück. Höhere Zinsen verbessern die Erträge aus Anleihen, die Versicherer neu anlegen.
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Europa ist in den USA investiert
Eine der spannendsten Zahlen der Auswertung betrifft die regionale Verteilung. Rund 27,9 Prozent der Wertpapiere liegen außerhalb Europas. Etwa die Hälfte dieser Auslandsanlagen entfällt auf US-Wertpapiere, und dort dominieren Aktien.
Für Privatanleger heißt das: Die Vermögen, die hinter Ihrer Lebensversicherung oder Ihrer Rentenpolice stehen, sind international gestreut. Die Entwicklung amerikanischer Märkte wirkt also auch auf die Sicherheitsreserven europäischer Versicherer.
Private Märkte: Die Frage nach der Liquidität
Private Märkte sind ein weiterer wichtiger Punkt. Ein separates Eiopa-Factsheet vom 16. Juli 2026 beziffert die Anlagen der Versicherer in Private Credit und Private Equity auf 1,185 Billionen Euro.Das entspricht rund 11 Prozent der Gesamtaktiva Ende 2025. Der Anteil nicht börsennotierter Kredite liegt bei etwa 5 Prozent, der Anteil von Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen bei rund 6,3 Prozent.
Diese Anlagen bringen oft Renditeaufschläge, lassen sich aber schwer kurzfristig verkaufen. Die Aufsicht sieht die Ausweitung dieser Positionen insgesamt noch als moderat an, will sie aber genau beobachten. Für Anleger bedeutet das: Wer selbst in Private-Markets-Fonds investiert, sollte die Liquidität und die Bewertungsmethoden kritisch prüfen.
Fazit: Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger lassen sich aus der Auswertung drei Prüffragen ableiten:
1. Wie viel USA steckt in meinem Depot? Versicherer halten rund die Hälfte ihrer Auslandsanlagen in US-Wertpapieren. Wer ohnehin breit gestreute Welt-ETFs hält, ist dem bereits weitgehend ausgesetzt. Wer einzelne US-Titel oder einen reinen USA-Fonds besitzt, sollte prüfen, ob das gewollt ist.
2. Brauche ich mein Geld in den nächsten Jahren? Private Credit und Private Equity sind schwer verkäuflich und oft erst nach Jahren fällig. Für Geld, das kurzfristig verfügbar sein muss, sind sie ungeeignet, auch wenn die Versicherer sie langfristig halten können.
3. Was bringt meine Lebens- oder Rentenversicherung? Höhere Zinsen verbessern die Erträge der Versicherer (Eiopa-Finanzstabilitätsbericht, Juni 2026). Ob das bei Ihnen ankommt, zeigt die jährliche Überschussbeteiligung im Vergleich zu anderen Anbietern. Eine gute Anlage ist dabei nicht automatisch ein gutes Produkt: Kosten und Garantien bestimmen das Ergebnis mit.
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Häufige Fragen
Wie viel Geld legen europäische Versicherer an?
Ende 2025 hielten die Versicherer im EWR Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Aktien im Wert von 7,9 Billionen Euro. Dazu kommen 2,0 Billionen Euro in sonstigen Anlagen.
Warum sollten sich Privatanleger dafür interessieren?
Versicherer sind große Käufer an den Anleihe- und Aktienmärkten. Ihre Anlageentscheidungen beeinflussen Kurse und Finanzierungsbedingungen. Zudem stehen hinter Lebens- und Rentenversicherungen genau diese Kapitalanlagen.
Sind die Private-Markets-Anlagen der Versicherer ein Risiko?
Die Anlagen in Private Credit und Private Equity belaufen sich laut Eiopa-Factsheet vom Juli 2026 auf rund 1,185 Billionen Euro, etwa 11 Prozent der Aktiva. Sie sind schwerer verkäuflich als börsennotierte Papiere. Die Aufsicht sieht den Ausbau laut Finanzstabilitätsbericht vom Juni 2026 insgesamt als moderat an und beobachtet ihn genau. Für private Anlageentscheidungen sollten Anleger die Liquidität und die Bewertungsmethoden prüfen, bevor sie investieren.
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