Jede Woche Geld auf dem Konto und rund acht Prozent Ausschüttungsrendite: Der neue Weekly World ETF klingt wie ein Traum für Anleger. Doch die Einnahmen sind nicht garantiert – und die dafür eingesetzte Optionsstrategie kann teuer werden.

Wöchentlich Geld aufs Konto: Das verspricht der neue Weekly World Equity Income UCITS ETF von HANetf. Unter dem eingängigen Börsenkürzel WEEK ist der Fonds seit dem 15. September 2026 handelbar und richtet sich an Anleger, die ein regelmäßiges passives Einkommen über Ausschüttungen suchen. Die indikative Ausschüttungsrendite lag zuletzt bei rund acht Prozent.Doch diese Zahl ist keinesfalls gleichbedeutend mit einem sicheren Ertrag. Der Fonds darf seine Ausschüttungen nämlich sowohl aus laufenden Einnahmen als auch aus dem Kapitalstock finanzieren. Wer nur auf die Ausschüttungsrendite schaut, übersieht deshalb eine weitere, wichtige Kennzahl: Entscheidend ist über längere Zeit, wie sich der Anteilspreis und die Gesamtrendite entwickeln.


Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt die BÖRSE ONLINE-App herunterladen ( iOS/ Android) und unter "Einstellungen" die Benachrichtigungen aktivieren.

Weiterführende Links

So funktioniert der ETFDer Fonds investiert mindestens 80 Prozent seines Vermögens in Aktien oder aktienähnliche Wertpapiere aus entwickelten Märkten. Zusätzliche Einnahmen sollen über den Verkauf börsengehandelter Call-Optionen entstehen. Bei einem Covered Call hält der Fonds Aktien und verkauft das Recht, diese zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Dafür kassiert er eine Optionsprämie.Bleibt der Kurs unter dem Ausübungspreis, behält der Fonds die Prämie. Steigt der Markt dagegen kräftig, partizipieren die Käufer der Call-Optionen daran, der Anteil des Fonds an den Kursgewinnen ist also begrenzt. Verlieren die gehaltenen Aktien an Wert, trägt der Fonds diese Verluste trotzdem.Das bedeutet auch: Die wöchentliche Ausschüttung schützt nicht vor einem Kursrutsch.

HANETF2IC-WWEIE DLD (WKN: A42H8G)

Die Rechnung hat einen Haken

Laut einer Übersicht der Portfoliobestände, die der Emittent HANetf auf seiner Website zum Download anbietet, umfasste das ETF-Portfolio zum 18. September 2026 190 Wertpapiere im Wert von 962.600 Dollar. Die größte Portfolioposition war der iShares Core ETF auf den Nikkei mit einem Portfolioanteil von 6,81 Prozent, größte Einzelaktie war Nvidia mit einem Anteil von 6,07 Prozent. Verkauft war eine Option auf den S&P 500 im Wert von 3.614 US-Dollar, das entsprach 0,36 Prozent des Fondswerts. Diese Option wird bereits am 25. September fällig.

Um acht Prozent im Jahr zu erreichen, muss der Fonds 0,15 Prozent pro Woche verdienen. Heißt: Die Option könnte sogar den Ertrag für zwei Wochen erwirtschaften – sofern der S&P 500 nicht stark steigt. Denn wenn das passiert, gewinnt zwar kurzfristig auch der Aktienbestand an Wert. Doch die Besitzer der Calls üben ihr Kaufrecht aus bzw. müssen dafür ausgezahlt werden. Dadurch fließt Geld aus dem Fonds ab.

Im Fall der besagten Option können das schon bei einem Kursanstieg um etwas mehr als ein Prozent mehrere tausend Dollar sein – rund das Dreifache der versprochenen wöchentlichen Ausschüttung. Das Hauptproblem daran: Eine wöchentliche Rendite von 0,15 Prozent wäre dann nicht mehr zu schaffen. Das heißt: Der Fonds muss anfangen, Geld aus dem Fondsvermögen auszuschütten, also aus der Substanz. Die Anleger erhalten dann in Wahrheit keine Rendite, sondern Teile ihres eingezahlten Kapitals zurück, und der Wert der ETF-Anteile sinkt.

Das Modell ging schon öfter nicht auf

Ganz neu ist die Idee auch nicht, abgesehen von der wöchentlichen Ausschüttung. Und die Performance schon bestehender Covered-Call-Fondsprodukte zeigt auch, warum sich diese Gattung in der Breite nie so recht durchsetzen konnte.

So haben etwa die Anteile am Global X Nasdaq 100 Covered Call über die vergangenen drei Jahre – in Euro umgerechnet – gerade mal 8,73 Prozent Rendite erzielt. Rechnet man die Ausschüttungen hinzu, die bei diesem ETF nicht wöchentlich, sondern monatlich erfolgen, sind es immerhin 12,06 Prozent per annum.

Ein einfacher ETF auf den Nasdaq 100 schaffte in derselben Zeit 82 Prozent Kurszuwachs. Es wäre also auch für ausschüttungsfixierte Anleger viel sinnvoller gewesen, den normalen ETF zu kaufen und für Ausschüttungen stückweise zu verkaufen, als sich auf die teure Covered-Call-Variante einzulassen.

Global X NASDAQ 100 Covered Ca (WKN: A2PBH6)

Beim Global X S&P 500 Covered Call ETF, dem Pendant aufden S&P 500 Index, stehen nach drei Jahren sogar nur 4,77 Prozent Rendite zu Buche, inklusive der Ausschüttungen im Monatstakt sind es knapp elf Prozent per annum – verglichen mit 64 Prozent Kurszuwachs bei einem normalen ETF auf den S&P 500.

Und das Ganze auch noch bei einer Gesamtkostenquote von 0,6 Prozent im Vergleich zu 0,3 Prozent beim Nasdaq-ETF und sogar nur 0,07 Prozent bei einem ETF auf den S&P 500.

Fazit

Auf dem Papier sieht es toll aus, wenn ein ETF jede Woche etwas ausschüttet. Manche passiven Investoren haben womöglich auf genau so ein Produkt gewartet. Doch tatsächlich kostet die Strategie Geld und Rendite. Auch sind die angepeilten acht Prozent Ausschüttung pro Jahr weder garantiert noch mit einer Gesamtrendite gleichzusetzen.

Ein gut strukturierter Auszahlungsplan auf einen stinknormalen Welt-ETF dürfte für die meisten Anleger die bessere Option sein. Drei Welt-ETFs, die jeder Anleger kennen sollte, finden Sie hier.

Häufige Fragen zum Weekly World Equity Income UCITS ETF von HANetf

Was kostet der Weekly World Equity Income UCITS ETF (ISIN: IE000I50V6C7)?

Die Gesamtkostenquote beträgt 0,50 Prozent und liegt damit auf einem ähnlichen NIveau wie vergleichbare Produkte.


Wie legt der Weekly World Equity Income UCITS ETF an?

Der ETF investiert in ein weltweites Aktienportfolio aus derzeit 190 Werten, das mit einer Optionsstrategie kombiniert wird, um regelmäßige Ausschüttungen zu erzielen.


Was sind die Nachteile des Weekly World Equity Income UCITS ETF ?

Die Covered-Call-Strategie geht zulasten der Gesamtrendite. Covered-Call-Strategien begrenzen das Upside in guten Börsenphasen und können sogar Geld kosten, wenn der Markt sehr steigt.