Ein europäischer Index hat inklusive Dividenden in drei Jahren 140,5 Prozent zugelegt und DAX, MSCI World sowie S&P 500 geschlagen. Was hinter der Rally steckt – und wie Anleger profitieren können.
Wenn Anleger über erfolgreiche Aktienmärkte sprechen, fallen meist die bekannten Namen: der US-Leitindex S&P 500, der globale MSCI World oder der deutsche DAX. In den vergangenen drei Jahren kommt ein stärkerer Wertzuwachs jedoch aus Österreich. Der ATX, Leitindex der Wiener Börse, legte inklusive Dividenden um 140,5 Prozent zu. Damit ließ er den DAX mit 64,7 Prozent, den MSCI World mit 72,8 Prozent und den S&P 500 mit 76,5 Prozent deutlich hinter sich.
Aus 10.000 Euro wären im ATX-Total-Return-Vergleich innerhalb von drei Jahren rund 24.050 Euro geworden – vor Kosten, Steuern und Inflation. Im DAX wären es rund 16.470 Euro, im MSCI World etwa 17.280 Euro und im S&P 500 rund 17.650 Euro gewesen.
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Ein außergewöhnliches Börsenjahr
Der jüngste Erfolg des ATX ist vor allem von zwei starken Jahren geprägt. 2025 stieg der ATX als Kursindex um 45,41 Prozent. Der ATX Total Return, der zusätzlich die ausgeschütteten Dividenden berücksichtigt, gewann sogar 52,2 Prozent – laut Wiener Börse der stärkste Jahresgewinn seit 2005.
Auch 2026 setzte sich der Aufwärtstrend zunächst fort. Die Wiener Börse weist für den ATX Total Return am 4. September ein Plus von 31,53 Prozent seit Jahresbeginn und von 52,42 Prozent auf Sicht eines Jahres aus. Der klassische ATX als Kursindex bildet dagegen nur die Kursveränderungen ab. Für Anleger ist deshalb der Total-Return-Index die aussagekräftigere Größe.
Die starke Entwicklung war 2025 relativ breit abgestützt. Besonders kräftig legten die Banktitel Erste Group, BAWAG und RBI zu. Ihre Kursgewinne lagen im Jahresverlauf zwischen rund 59 und 94 Prozent. Nur vier der 20 ATX-Mitglieder beendeten das Jahr im Minus.
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Der ATX ist kein kleiner MSCI World
Die starke Performance darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der ATX ein sehr konzentrierter Markt ist. Er umfasst die 20 größten und liquidesten börsennotierten Unternehmen Österreichs. Nach Angaben der Wiener Börse entfällt ein großer Teil des Index auf das Finanzwesen und die Grundindustrie. Banken, Versicherer, Energieunternehmen und klassische Industriekonzerne prägen das Bild; Technologiewerte spielen dagegen eine vergleichsweise geringe Rolle.
Genau diese Zusammensetzung erklärt einen Teil der jüngsten Outperformance. Ein Umfeld mit steigenden Bankgewinnen, besseren Ertragsperspektiven in Zentral- und Osteuropa, hoher Nachfrage nach Industrie- und Infrastrukturleistungen sowie attraktiven Dividenden kommt dem ATX entgegen. Ein globaler Index wie der MSCI World ist breiter über Länder, Branchen und Geschäftsmodelle gestreut. Er enthält deutlich mehr Technologie- und Wachstumsunternehmen und reagiert deshalb auf andere Impulse.
Der ATX ist somit kein Ersatz für ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio. Er ist eine fokussierte Wette auf Österreich und auf Unternehmen, die einen großen Teil ihres Geschäfts in Europa sowie in Zentral- und Osteuropa machen.
Der Dividendenfaktor ist wichtig
Ein wichtiger Unterschied zwischen der Kurs- und der Gesamtrendite liegt in den Ausschüttungen. Der ATX ist ein Preisindex. Der ATX Total Return reinvestiert dagegen die Bruttodividenden der Indexmitglieder. Österreich gilt traditionell als dividendenstarker Aktienmarkt.
Die Wiener Börse geht davon aus, dass langfristig mehr als die Hälfte der Rendite des österreichischen Aktienmarkts aus reinvestierten Dividenden stammt. Für 2026 wird die durchschnittliche Dividendenrendite im ATX laut den von der Börse zitierten Konsensschätzungen bei rund vier Prozent gesehen.
Für Anleger bedeutet das: Wer nur den Kurs des ATX betrachtet, unterschätzt die historische Ertragskraft des Marktes. Wer in ein entsprechendes Investmentprodukt investiert, sollte dagegen prüfen, ob Dividenden ausgeschüttet oder automatisch wiederangelegt werden – und wie hoch die laufenden Kosten sind.
Wie Anleger vom ATX profitieren können
Die unkomplizierteste Möglichkeit ist ein ETF, der den ATX nachbildet. An der Wiener Börse sind unter anderem der iShares ATX UC ETF (DE) und der Xtrackers ATX UCITS ETF 1C gelistet beziehungsweise handelbar. Auch der Lyxor ATX UCITS ETF gehört dazu.
Ein ETF reduziert das Risiko einzelner Unternehmen, beseitigt aber nicht das Risiko des österreichischen Aktienmarkts. Fällt der ATX, fällt ein entsprechendes ETF-Produkt in der Regel ebenfalls. Wer von bestimmten Trends innerhalb des ATX überzeugt ist, kann aber auch zu Einzelaktien greifen.
Der ATX als Beimischung
Für viele Anleger dürfte der ATX eher als Satelliteninvestment geeignet sein: Ein global diversifizierter ETF bildet den Kern des Depots, ein ATX-ETF ergänzt ihn um eine gezielte Österreich-Position. Wie groß diese Beimischung sein sollte, hängt von Anlagehorizont, Risikotoleranz, Einkommen, Vermögen und dem bereits vorhandenen Österreich-Anteil ab.
Gerade für Menschen, die in Österreich leben und arbeiten, kann eine zusätzliche ATX-Position allerdings zu einer Konzentration führen: Einkommen, Immobilien, Pensionsansprüche und Aktienportfolio sind dann möglicherweise stark vom selben Wirtschaftsraum abhängig. Das sollte bei der Depotplanung berücksichtigt werden.
Vorsicht vor der Rückspiegel-Falle
Die vergangenen drei Jahre waren für den ATX außergewöhnlich. Eine annualisierte Rendite von rund 34 Prozent, die sich aus dem Plus von 140,5 Prozent errechnen lässt, ist kein realistischer Planwert für die Zukunft. Solche Phasen entstehen häufig, wenn ein zuvor vergleichsweise günstig bewerteter Markt neu entdeckt wird, Gewinne steigen und mehrere Branchen gleichzeitig Rückenwind bekommen.
Nach starken Kursgewinnen können Bewertungen, Erwartungen und die Anfälligkeit für Enttäuschungen steigen. Zudem bleibt der ATX von Banken, Energiepreisen, Zinsen, Konjunktur, geopolitischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Lage in Mittel- und Osteuropa abhängig.
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Häufige Fragen
Wie stark hat der ATX in den vergangenen drei Jahren performt?
Der ATX Total Return legte von September 2023 bis September 2026 inklusive Dividenden um 140,5 Prozent zu. Damit übertraf er den DAX mit 64,7 Prozent, den MSCI World mit 72,8 Prozent und den S&P 500 mit 76,5 Prozent. Der Vergleich zeigt die außergewöhnlich starke Entwicklung des österreichischen Leitindex, ist aber keine Prognose für die Zukunft.
Wie können Anleger in den ATX investieren?
Anleger können über einen ETF am ATX partizipieren, der die Entwicklung des Index möglichst genau nachbildet. Alternativ können Anleger einzelne ATX-Aktien kaufen.
Ist der ATX besser als der MSCI World?
Auf Sicht der vergangenen drei Jahre hat der ATX den MSCI World deutlich übertroffen. Daraus folgt jedoch nicht, dass er grundsätzlich die bessere Anlage ist. Der ATX umfasst nur 20 Unternehmen und ist stark auf Banken, Industrie, Energie und Versicherer konzentriert. Der MSCI World investiert deutlich breiter über Länder, Branchen und Geschäftsmodelle. Für viele Anleger kann ein ATX-ETF deshalb eher eine gezielte Beimischung zu einem global diversifizierten Portfolio sein als ein vollständiger Ersatz für einen Welt-ETF.