Als Juror der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) setzt Frank Thelen meist auf Web- und E-Commerce-Modelle. An der Börse liegt sein Schwerpunkt eher auf Künstlicher Intelligenz und den Ausrüstern dahinter. Diese Aktien stehen in seinem ETF ganz weit oben.
Frank Thelen ist kürzlich nach sechs Jahren Abstinenz als Investor in „Die Höhle der Löwen“ zurückgekehrt. Dort zeigt er meist ein Faible für E-Commerce-Modelle oder Ideen, die man mithilfe eines Onlineshops skalieren kann. So wie etwa das Gewürz-Startup Ankerkraut, das schließlich an Nestlé verkauft wurde – und heute wieder im Besitz der Gründer ist.
Thelens Fonds und ETFs
Doch die DHDL-Investments sind Peanuts gegen das Rad, das Frank Thelen mittlerweile an der Börse dreht. Zum Launch seines ersten Fonds mit dem Namen 10xDNA im Jahr 2021 stellte Thelen eine Wertverdreifachung in vier bis acht Jahren in Aussicht. Doch der Fonds durchlief eine jahrelange Durststrecke, bis er mit einem anderen Fonds fusioniert und in "Disruptive Technologies" umbenannt wurde. Seitdem jedoch zeigt die Kurskurve deutlich nach oben, auch weil einzelne Portfolio-Positionen wie Hims & Hers schließlich doch durchstarteten – und dann rechtzeitig vor dem nächsten Dip verkauft wurden.
Mittlerweile heißt auch der Vermögensverwalter der Fonds TEQ Capital (steht für Technology Equity). Über ihn hat Thelen Anfang 2026 einen ETF herausgebracht: Auch der TEQ – General Artificial Intelligence UCITS ETF (ISIN LU3098954871, WKN A41AXG) setzt auf technologiegetriebene Unternehmen mit langfristigem Wachstumspotenzial. Der ETF bildet dazu den selbst aufgelegten, regelbasierten TEQ-General-Artificial-Intelligence-Index ab und investiert nach eigenen Angaben in Unternehmen, „die an der Entwicklung, Infrastruktur und Kommerzialisierung sogenannter General AI“ beteiligt sind. Dazu gehören nicht nur KI-Software und Cloud-Anbieter, sondern auch Halbleiterhersteller, Rechenzentrums-Ausrüster, Datenplattformen und Cybersecurity-Unternehmen.
Das sind die Top-Aktien im Thelen-ETF
Die Namen im Fonds sind nicht unbedingt neu. Trotzdem überrascht ihre Gewichtung: Größter Wert ist mit einem Anteil von 3,8 Prozent der Chipkonzern AMD vor Oracle mit 3,4 Prozent. Nvidia kommt dagegen als siebtgrößte Position „nur“ auf 3,0 Prozent. Apple fehlt sogar ganz in den Top 10.
Top-10-Holdings und Portfolioanteil
1. AMD: 3,8 Prozent
2. Oracle: 3,4 Prozent
3. Micron: 3,2 Prozent
4. Microsoft: 3,1 Prozent
5. Broadcom: 3,0 Prozent
6. Amazon.com: 3,0 Prozent
7. Nvidia: 3,0 Prozent
8. TSMC: 2,9 Prozent
9. Alphabet: 2,9 Prozent
10. Tesla: 2,9 Prozent
Rebalancing nur zweimal im Jahr
Anders als etwa die ARK-ETFs, die Cathie Wood und ihr Team jede Woche anpassen, wird Thelens ETF laut Website nur zweimal im Jahr rebalanced: im April und Oktober. Dafür erscheint die Gesamtkostenquote (TER) von 0,69 Prozent pro Jahr recht hoch. Zum Vergleich: Beim ARK Innovation ETF liegt sie bei 0,75 Prozent.
Nach Medienberichten, die sich auf Thelens Umfeld beziehen, umfasst das gesamte ETF-Portfolio rund 90 Unternehmen. Die Einzelpositionen werden nach Marktkapitalisierung gewichtet; sie werden allerdings bei jedem Rebalancing auf höchstens drei Prozent gedeckelt oder auf der Unterseite auf mindestens 0,3 Prozent angehoben.
Thelen investiert selbst
Thelen selbst hat nach eigenen Angaben mindestens eine Million Euro in den ETF investiert. Doch das allein ist natürlich keine Garantie für eine positive Wertentwicklung. Doch auch beim 10xDNA war er einer der größten Investoren. Diesmal läuft es allerdings besser: Der Thelen-ETF liegt seit Jahresbeginn, getrieben von der Chiprally, schon 36,6 Prozent im Plus.
Wichtig für Anleger: Die im ETF enthaltenen Aktien sind nicht automatisch Thelens persönliche Top-Aktien. Sonst hätte etwa Tesla vermutlich einen weitaus größeren Anteil.
Chancen und Klumpenrisiken
Klar ist aber auch: Der ETF bildet einen sehr konzentrierten Teil des Marktes ab. Damit verfolgt er eine ähnliche Strategie wie der BIT Global Technology Leaders Fonds von Jan Beckers, den es seit Anfang August ebenfalls als ETF gibt.
Beide setzen auf den weltweiten Ausbau von Rechenzentren und KI-Anwendungen, was die Nachfrage nach Speicher, Prozessoren, Netzwerktechnik und Cloud-Kapazitäten treibt.
Doch diese Konzentration auf Technologie macht die Strategie anfällig. Fallen die KI-Investitionen schwächer aus, als derzeit wieder einmal befürchtet wird, trifft das viele Portfolio-Positionen gleichzeitig.
Thelens fatale Liebe zu Lilium
Thelen lieferte selbst ein Beispiel dafür, wie riskant konzentrierte Zukunftswetten sein können. Mit der Lilium-Aktie verlor er nach eigener Aussage mehr als 100 Millionen Euro. Er habe zu lange an das Unternehmen geglaubt und die Aktie nicht verkauft, obwohl sie noch liquide gewesen sei. Lilium ging später in die Insolvenz.
Für Privatanleger ist das die wichtigste Lehre. Eine überzeugende Technologie-Story ersetzt keine Prüfung von Bilanz, Finanzierung und Bewertung. Thelens Aktienauswahl kann Denkanstöße liefern, sollte aber nicht ungeprüft kopiert werden. Ein breit aufgestellter ETF reduziert das Einzelwertrisiko – allerdings nicht, wenn alle Positionen aus derselben Branche kommen.
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