KI treibt die Börse und landet damit in fast jedem Depot. Neuberger-Chef Joe Amato warnt, dass ein vermeintlich breit gestreutes Portfolio längst zur KI-Wette geworden sein könnte.

KI ist der Wachstumsmotor der Märkte und spielt deshalb trotz aller Warnungen in den Depots der Anleger eine immer größere Rolle. Joe Amato, President und Chief Investment Officer Equities bei Neuberger Berman, warnt: Viele Portfolios sind heute deutlich stärker auf KI-Titel ausgerichtet, als den Anlegern bewusst ist. „Ein Portfolio, das früher als gut diversifiziert galt, ist es heute vielleicht nicht mehr“, sagte Amato.

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KI: Ein Klumpenrisiko mit Zinsproblem

Laut Neuberger-Schätzung entfallen derzeit rund 25 bis 28 Prozent der US-Börsenkapitalisierung auf KI-bezogene Werte. Ihr Anteil am Gesamtrisiko liegt jedoch bei gut 50 Prozent. Anders gesagt: Ein Anleger, der breit im Index investiert ist, hält zwar wenige KI-Titel im Verhältnis zur Marktgröße, trägt damit aber einen überproportional großen Teil des Schwankungsrisikos.

Hinzu kommt das Zinsumfeld. Steigen die US-Renditen, geraten hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck. Genau dort ist die KI-Konzentration besonders hoch. Amato sieht darin einen Grund, Konzentrations- und Korrelationsrisiken jetzt zu überprüfen, bevor die nächste Korrektur kommt.

Trotzdem ist Amato aber auch der Meinung, dass die Technologieaktien der Magnificent Seven mit angemessenen Multiplikatoren und einem starken erwarteten Gewinnwachstum weiterhin ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Es empfiehlt sich also eine ausgewogene Mischung.

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MSCI World (ISIN: XC0009692739)

Was Anleger jetzt prüfen sollten

Wer sich breiter und KI-unabhängiger aufstellen will, sollte folgende Faktoren prüfen:

- Versteckte KI-Quote: Viele Tech-Schwergewichte und Indexfonds enthalten KI-Exponierung, auch wenn der Fondsname nichts davon verrät.

- Korrelation: Fallen mehrere Positionen in Krisen gleichzeitig? Dann ist die Diversifikation nicht gegeben.

- Zinssensitivität: Wie reagieren die einzelnen Bausteine auf steigende Renditen?

Wie lässt sich das KI-Risiko senken?

Wer sein KI-Risiko minimieren und sein Portfolio diversifizieren möchte, hat dafür mehrere Möglichkeiten. Die folgenden Ansätze sind keine Kaufempfehlungen. Sie unterscheiden sich in Risiko, Ertragsprofil und Verfügbarkeit.

Ansatz Idee Typisches Risiko
Gleichgewichteter Index (z. B. Equal-Weight-ETFs auf breite Indizes) Jeder Titel erhält das gleiche Gewicht, Megacaps wirken weniger dominant Schwächer bei anhaltender Tech-Rally, höhere Kosten als klassische Indexfonds
Substanzwerte (Value) Unternehmen mit niedrigeren Bewertungen und stabilen Cashflows Können in Wachstumsphasen hinter dem Markt zurückbleiben
Dividendenstrategien Etablierte Ausschüttungszahler mit solider Bilanz Dividendenkürzungen in Krisen, Zinsrisiko bei Versorgern
Basiskonsum und Gesundheit Defensive Branchen mit weniger Abhängigkeit von Investitionszyklen Geringeres Aufwärtspotenzial in Boomphasen
Small und Mid Caps Breiter gestreute Unternehmen, weniger KI-Gewicht Höhere Schwankungen, Empfindlichkeit gegenüber Zinsen
Europa und Schwellenländer Regionale Streuung außerhalb der US-Tech-Dominanz Währungsrisiko, andere politische und konjunkturelle Einflüsse
Anleihen mit kurzer Laufzeit Geringere Zinssensitivität als lange Laufzeiten Inflationsrisiko, geringere Renditen
Gold und Rohstoffe Beimischung als Stabilisator in Krisen Keine laufenden Erträge, starke Kursschwankungen

Weiterführende Links

Amato selbst betont die Bedeutung echter Diversifikation über Anlageklassen hinweg. Nach einer starken Rally seien disziplinierte Umschichtungen unumgänglich.

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Häufige Fragen

Sollten Anleger ihre KI-Aktien jetzt verkaufen? 

Nicht automatisch. Amato sieht die Technologie weiterhin mit starken Gewinnen. Das Problem ist die Übergewichtung, nicht die KI selbst.

Woran erkenne ich, wie viel KI in meinem Depot steckt? 

Prüfen Sie die Top-Positionen Ihrer Fonds und ETFs in den Factsheets. Viele Indexfonds enthalten große KI-Schwergewichte, ohne dass der Name darauf hinweist.

Reichen Gold oder Anleihen als Beimischung aus? 

Beide können stabilisieren, ersetzen aber keine Prüfung der Gesamtstruktur. Gold wirft keine laufenden Erträge ab, kurzlaufende Anleihen schützen nur teilweise vor Zinsrisiken.

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