Der französische Fondsriese Amundi zieht 66 ETF-Anteilklassen von der Londoner und der Frankfurter Börse zurück. Was steckt dahinter – und was müssen Anleger jetzt tun?
Der Asset Manager Amundi nimmt insgesamt 66 ETF-Anteilklassen von zwei der wichtigsten europäischen Börsenplätze: 26 Anteilklassen werden von der London Stock Exchange (LSE) gestrichen, weitere 40 von der Deutschen Börse. Die Delistings treten am 9. November 2026 in Kraft.
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Börsenwechsel bei ETFs: Was genau wird gestrichen?
Wichtig vorab: Die ETFs selbst werden nicht aufgelöst. Es handelt sich lediglich um bestimmte Handelslinien – also spezifische Anteilklassen, die in einer bestimmten Währung an einer bestimmten Börse gehandelt werden.
Zu den betroffenen Produkten gehören unter anderem:
- Die Pfund-Tranche des Amundi Core MSCI World UCITS ETF (MWRD) – mit einem Volumen von 18,6 Milliarden Dollar einer der größten ETFs Europas – wird von der Deutschen Börse genommen.
- Auch die ausschüttenden Dollar- und Pfund-Klassen des Amundi Prime All Country World UCITS ETF (WEBG) (8,4 Mrd. Dollar) sowie diverse ESG- und Faktor-Produkte sind an der Deutschen Börse betroffen.
- An der LSE verliert unter anderem der Amundi MSCI Europe UCITS ETF (MEUG) seine Pfund-Notierung.
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Delistings im großen Stil: Warum tut Amundi das?
Dahinter steckt eine Marktbereinigung: Wenn dasselbe Produkt an mehreren Börsen gleichzeitig notiert ist, verteilt sich das Handelsvolumen auf viele einzelne Linien. Jede Linie wird dadurch weniger liquide – Kauf- und Verkaufskurse liegen weiter auseinander, und die Handelsqualität leidet.
Indem Amundi das Volumen auf wenige, stark genutzte Handelsplätze konzentriert, sollen tiefere Orderbücher und engere Spreads entstehen. Kurz: Wer an den verbleibenden Börsen handelt, bekommt in der Regel bessere Preise.
Hinzu kommen wirtschaftliche Gründe: Börsennotierungen verursachen laufende Kosten – von Listing-Gebühren bis hin zu Verträgen mit Market Makern. Anteilklassen mit geringem Handelsvolumen rechnen sich für den Anbieter also nicht.
Amundi ist mit seinen Delistings deshalb nicht allein: Auch die DWS hat zuletzt Pfund-Notierungen von der LSE und der Schweizer Börse SIX zurückgezogen. Es handelt sich also um einen strukturellen Branchentrend, der sich nach dem Brexit beschleunigt hat: Handelsvolumen verlagert sich zunehmend auf EU-Börsen wie Euronext Amsterdam oder Xetra.
Was bedeutet das für Anleger?
Wer die betroffenen Anteilklassen im Depot hält, muss nicht sofort handeln – die Anteile bleiben gültig und verlieren nicht ihren Wert. Allerdings können sie nach dem 9. November 2026 an der jeweiligen Börse nicht mehr gehandelt werden.
Anleger sollten daher folgende Schritte prüfen:
- Depot checken: Halte ich eine der gestrichenen Anteilklassen – erkennbar an Kürzel, Börsenplatz und Handelswährung?
- Alternativen suchen: Meist gibt es denselben ETF an einer anderen Börse oder in einer anderen Währungsklasse – oft sogar günstiger und liquider.
- Broker kontaktieren: Manche Broker leiten Handelsaufträge automatisch auf alternative Börsenplätze um. Es lohnt sich, das vorab zu klären.
Für die meisten Anleger ändert sich also wenig – vorausgesetzt, sie prüfen rechtzeitig, ob ihre konkrete Anteilklasse betroffen ist, und wechseln gegebenenfalls auf eine verbleibende Handelslinie.
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Häufige Fragen
Warum streicht Amundi ETF-Anteilklassen von der Deutschen Börse und der LSE?
Amundi zieht Anteilklassen mit geringem Handelsvolumen von einzelnen Börsenplätzen zurück, um die Liquidität auf weniger, aber stärker genutzte Handelslinien zu bündeln. Das verbessert die Handelsqualität durch engere Spreads und tiefere Orderbücher. Hinzu kommen Kosteneinsparungen bei Listing-Gebühren und Market-Maker-Verträgen.
Müssen Anleger ihre ETF-Anteile verkaufen, wenn Amundi eine Anteilklasse von der Börse nimmt?
Nein. Die ETF-Anteile bleiben gültig und verlieren nicht ihren Wert. Allerdings können sie nach dem Delisting-Datum – hier dem 9. November 2026 – an der betroffenen Börse nicht mehr gehandelt werden. Anleger sollten prüfen, ob sie auf eine alternative Anteilklasse oder einen anderen Handelsplatz wechseln möchten.
Welche Amundi-ETFs sind vom Delisting an der Deutschen Börse und der LSE betroffen?
Betroffen sind unter anderem die Pfund-Tranche des Amundi Core MSCI World UCITS ETF (MWRD), die ausschüttenden Dollar- und Pfund-Klassen des Amundi Prime All Country World UCITS ETF (WEBG) sowie die Pfund-Notierung des Amundi MSCI Europe UCITS ETF (MEUG) an der LSE. Insgesamt werden 26 Anteilklassen von der LSE und 40 von der Deutschen Börse gestrichen.