T. Rowe Price startet an der Xetra mit zwei Aktien-ETFs und setzt die Gesamtkostenquote zunächst auf null. Was dahintersteckt und worauf Anleger achten sollten.
Ein Vermögensverwalter, der jahrzehntelang vor allem über klassische Investmentfonds gewachsen ist, betritt den europäischen ETF-Markt: T. Rowe Price bringt mit TRPG und TRPU erstmals eigene ETFs nach Europa, die an der Frankfurter Börse Xetra gehandelt werden. Der eine ist ein globaler Aktien-ETF mit aktivem Kern, der andere ein benchmarknaher Enhanced-Index-ETF für US-Aktien. Der Clou: Für beide Produkte setzt das Haus die Gesamtkostenquote (TER) zunächst auf 0 Prozent. Im ersten Jahr fallen also keine Verwaltungsgebühren an.
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T. Rowe Price: Später Einsteiger mit Lockangebot
Der europäische ETF-Markt ist seit Jahren umkämpft. Passive Produkte mit Kosten im Bereich weniger Basispunkte dominieren das Geschäft, und selbst aktive Konkurrenten sind längst gut positioniert. Wer jetzt einsteigt, hat einen Rückstand bei Bekanntheit und verwaltetem Vermögen.
Das will T. Rowe Price wohl mit der Nullgebühr auffangen: Sie soll Anlegern den Einstieg erleichtern und den späten Markteintritt zumindest preislich abfedern. Ob daraus ein dauerhaftes Geschäft entsteht, entscheidet sich dann daran, ob Anleger nach Ablauf des Aktionsjahres bleiben.
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Neue ETFs: Research statt Index
T. Rowe Price setzt auf einen researchgestützten Anlageansatz. Die beiden neuen Produkte sind dabei unterschiedlich aufgestellt. TRPG ist als globaler Aktien-ETF mit aktivem Kern gedacht. Die Strategie dahinter hat laut Anbieter eine Historie von mehr als zehn Jahren, allerdings nicht im ETF-Format.
TRPU ist dagegen benchmarknah angelegt und soll sich für den Kern eines Portfolios oder als Ergänzung zu passiven Positionen eignen. Anleger sollten beide Produkte deshalb an ihrer jeweiligen Benchmark und nach Kosten messen, nicht an einem Ideal aktiver Stockpicker.
Wichtig ist dabei die jüngere Vergangenheit. Laut Morningstar zeigte T. Rowe Price in den vergangenen Jahren Schwächen: Abflüsse aus dem aktiven Aktiengeschäft, mehr als 30 Abgänge von Portfoliomanagern seit 2022 und deutlich mehr Herabstufungen als Aufwertungen bei den Qualitätsratings. Beim US-ETF TCAF sieht Morningstar den früheren Vorsprung seit dem Start 2023 schwinden. Es gab aber auch starke Phasen: Der ETF TURF lag Anfang Februar 2026 mit 16,1 % seit Jahresbeginn an der Spitze der hauseigenen ETFs.
Der Marktvergleich zeigt zudem, wie schwer es aktiven Managern fällt, besser als der Index abzuschneiden: 79 Prozent der aktiven US-Large-Cap-Fonds blieben 2025 hinter dem S&P 500 zurück. Über zehn Jahre schafften nur 24 Prozent der aktiven ETFs, ihre Benchmark zu schlagen.
Kosten: Was nach dem ersten Jahr gilt
Die Nullgebühr ist befristet. Nach dem ersten Jahr greift die dann veröffentlichte Gesamtkostenquote. Das sind in diesem Fall marktübliche, aber für aktive Fonds günstige 0,14 Prozent bzw. 0,25 Prozent. Hinzu kommen Kosten, die bei jedem ETF anfallen, unabhängig von der TER: Börsenspesen, Ordergebühren des Brokers und der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei wenig gehandelten Produkten kann der Spread spürbar sein. Ein Blick auf die Handelsliquidität an der Xetra lohnt sich daher, bevor man größere Summen investiert.
Neue ETFs von T. Rowe Price: Einordnung für Anleger
Die Markteinführung zeigt, wie hart der Wettbewerb um Kundengelder geworden ist. Aktive Manager müssen sich gegen günstige Indexprodukte behaupten. Ein Startangebot mit null Prozent Kosten kann Interesse wecken, ersetzt aber keine Prüfung der Strategie.
Die Produkte richten sich laut Anbieter an Anleger, die ihre Kernallokation mit aktiven Ansätzen ergänzen oder ersetzen möchten. Sie passen eher zu Anlegern, die
- eine Benchmarknähe mit gezielter Feinsteuerung wollen (TRPU) oder einen globalen aktiven Kern suchen (TRPG),
- das Risiko von Einzeltiteln und Marktphasen über einen langen Zeitraum tragen können,
- die laufenden Kosten über mehrere Jahre im Blick behalten und die Performance regelmäßig prüfen.
Weniger geeignet sind die Produkte für Anleger, die eine möglichst niedrige Kostenquote priorisieren. Für diese Gruppe bleiben Pure-Passive-ETFs die naheliegende Alternative.
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Häufige Fragen
Welche ETFs hat T. Rowe Price in Europa gestartet?
Es sind zwei Produkte: der T. Rowe Price Integrated Global Equity UCITS ETF (TRPG) und der T. Rowe Price Integrated US Equity Enhanced Index UCITS ETF (TRPU). Beide sind irische UCITS-ETFs und wurden am 8. Oktober 2026 an der Deutsche Börse Xetra registriert. Die Notierung in London folgt am 15. Oktober 2026, in Mailand am 22. Oktober 2026.
Was kosten die ETFs nach dem ersten Jahr?
Im ersten Jahr liegt die TER bei null. Danach steigt sie auf marktübliche, für aktive Fonds aber günstige 0,14 % bzw. 0,25 %. Bedenken Sie, dass beim Kauf über Ihren Broker dennoch Transaktionskosten und Spreads anfallen können. Vor dem Kauf sollten Sie das Basisinformationsblatt prüfen.
Worin unterscheiden sich TRPG und TRPU?
TRPG ist als globaler Aktien-ETF mit aktivem Kern angelegt und basiert auf einer Strategie mit über zehn Jahren Track Record. TRPU ist benchmarknah aufgestellt und eignet sich laut Anbieter für den Portfoliokern oder als Ergänzung zu passiven Positionen. Die Wahl hängt davon ab, ob Sie einen aktiven Mehrwert oder eine Benchmarknähe mit gezielter Feinsteuerung suchen.