BNP Paribas fordert den MSCI World heraus: Ein neuer ETF setzt auf aktive Faktorrotation – und will damit den Weltindex systematisch schlagen. Ein Überblick.
Der klassische MSCI World ETF hat einen neuen Herausforderer. BNP Paribas bringt mit dem EASY II World Active Factor Rotation UCITS ETF (ISIN: IE0001858L90) einen Fonds auf den Markt, der nicht einfach den globalen Aktienindex nachbildet – sondern ihn übertreffen will. Und zwar mit einem ungewöhnlichen Ansatz: der aktiven Faktorrotation.
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Neuer ETF: Was steckt hinter dem Begriff „Faktorrotation"?
Wer in einen ETF investiert, erwartet oft ein einfaches Produkt: Index kaufen, Marktrendite kassieren. Beim neuen BNP-Fonds funktioniert das anders. Statt einer Gewichtung nach Börsenwert zu folgen, steuert ein quantitatives Modell das Portfolio – und entscheidet fortlaufend, welche Eigenschaften von Aktien aktuell stärker gewichtet werden sollen.
Fünf sogenannte Faktoren stehen dabei im Mittelpunkt:
- Bewertung: Aktien, die im Verhältnis zu Gewinnen oder Buchwerten günstig erscheinen
- Qualität: Unternehmen mit stabilen Erträgen und solider Bilanz
- Momentum: Titel, die zuletzt eine starke Kursentwicklung gezeigt haben
- Wachstum: Firmen mit steigenden Umsätzen oder Gewinnen
- Niedrige Volatilität: Aktien mit geringen Kursschwankungen
Das Besondere: Das Modell verschiebt die Gewichtung dieser Faktoren je nach Marktlage. In Phasen steigender Zinsen können etwa günstig bewertete Substanzwerte gefragt sein; fällt der Zins, gewinnen häufig Wachstumsaktien die Oberhand. Auf solche Zusammenhänge will der Fonds systematisch reagieren.
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Was den BNP PARIBAS EASY II World Active Factor Rotation UCITS ETF unterscheidet
Was den BNP PARIBAS EASY II World Active Factor Rotation UCITS ETF von klassisch aktiven Fonds unterscheidet: Hier trifft kein Mensch die Einzelentscheidung. Es sind festgelegte Modelle, die bestimmen, welcher Faktor gerade stärker ins Gewicht fällt. Das macht den Fonds transparenter als viele aktiv gemanagte Produkte – aber eben auch abhängig von der Qualität dieser Modelle.
Der MSCI World Index dient dabei lediglich als Maßstab, nicht als Vorlage. Das Ziel lautet: den Gesamtertrag der Netto-Gesamtertragsversion des Weltindex nach Kosten zu übertreffen.
Neuer ETF soll MSCI World ausstechen: Kosten und Nachhaltigkeit
Eine Gesamtkostenquote von 0,33 Prozent pro Jahr ist für einen aktiven ETF durchaus moderat – im direkten Vergleich mit einem passiven MSCI World ETF, der teils unter 0,10 Prozent kostet, aber dennoch ein spürbarer Mehraufwand. Dieser muss durch eine bessere Wertentwicklung ausgeglichen werden, bevor Anleger wirklich von der Strategie profitieren.
Hinzu kommen mögliche Handelskosten durch häufigere Umschichtungen im Portfolio. Wie oft das Modell tatsächlich rotiert, bleibt derzeit noch offen – der ETF wurde erst am 22. Juli an der Deutschen Börse gelistet.
Dazu kommt der Punkt Nachhaltigkeit: Der ETF ist nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) eingestuft. Konkret bedeutet das, dass ESG-Ausschlussfilter zum Einsatz kommen – bestimmte Unternehmen, die gegen die definierten Nachhaltigkeitskriterien verstoßen, werden nicht ins Portfolio aufgenommen.
Wichtig zu verstehen: Artikel 8 ist kein Öko-Siegel. Der Fonds muss keine messbare Nachhaltigkeitswirkung erzielen. Er berücksichtigt lediglich bestimmte Merkmale – was aber bereits das investierbare Universum einengen und die Abweichung vom MSCI World vergrößern kann.
Neuer ETF von BNP Paribas: Chancen und Risiken im Überblick
Der Multifaktor-Ansatz bietet gegenüber Einfaktor-Strategien einen klaren strukturellen Vorteil: Da sich Faktoren in verschiedenen Marktphasen unterschiedlich verhalten, kann die Kombination Schwankungen im Portfolio abfedern. Gleichzeitig gilt: Faktorprämien sind keine Naturgesetze. Sie können über Jahre ausbleiben. Und ein Modell, das zu früh oder zu spät zwischen Faktoren wechselt, kann schlechte Marktsegmente übergewichten – genau dann, wenn es am unpassendsten ist.
Wer aber bewusst auf eine faktorbasierte Strategie setzen möchte und bereit ist, höhere Kosten und Modellrisiken zu tragen, findet mit diesem ETF einen interessanten Baustein. Wer jedoch nur auf der Suche nach einem günstigen Kerninvestment in Weltaktien ist, bleibt mit einem klassischen MSCI World ETF besser bedient.
Wie gut sich der ETF sonst schlagen wird, kann erst die Zeit zeigen: Der BNP PARIBAS EASY II World Active Factor Rotation UCITS ETF wurde erst am 22. Juli 2026 an der Deutschen Börse (Xetra) gelistet.
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Häufige Fragen
Was ist Faktorrotation und wie funktioniert sie bei diesem ETF?
Ein quantitatives Modell gewichtet fünf Faktoren – Bewertung, Qualität, Momentum, Wachstum und niedrige Volatilität – je nach Marktlage unterschiedlich stark. In Phasen steigender Zinsen etwa können günstige Substanzwerte bevorzugt werden, bei fallenden Zinsen oft Wachstumsaktien. Kein Mensch trifft dabei Einzelentscheidungen – es sind festgelegte Algorithmen.
Was kostet der ETF und lohnt er sich gegenüber einem klassischen MSCI World ETF?
Die jährliche Gesamtkostenquote beträgt 0,33 Prozent – moderat für einen aktiven ETF, aber deutlich teurer als passive MSCI-World-ETFs, die teils unter 0,10 Prozent kosten. Dieser Kostennachteil muss erst durch eine bessere Wertentwicklung aufgeholt werden. Zusätzlich können häufige Umschichtungen weitere Handelskosten verursachen.
Ist der ETF nachhaltig?
Der Fonds ist nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) eingestuft und nutzt ESG-Ausschlussfilter. Das bedeutet jedoch kein Öko-Siegel: Der ETF muss keine messbare Nachhaltigkeitswirkung erzielen, sondern berücksichtigt lediglich bestimmte Nachhaltigkeitsmerkmale – was das investierbare Universum einengen und die Abweichung vom MSCI World vergrößern kann.