Der MSCI World gilt als Königsweg der Geldanlage. Doch wer nicht nur auf wenige US-Techkonzerne setzen will, sollte sein Depot entsprechend anpassen.

Der MSCI World gilt als Standard für die Aktienanlage. Er umfasst rund 1.300 Large- und Mid-Caps aus 23 Industrieländern. Doch durch die Gewichtung birgt er trotz der breiten Streuung ein Klumpenrisiko: Der Index wird nach Marktkapitalisierung berechnet. Wer groß ist, bekommt mehr Gewicht. Das hat dazu geführt, dass die USA mit rund 70 bis 75 Prozent den Großteil des Index stellen. Und innerhalb dieser Region dominieren wenige große Technologiekonzerne wie Apple, Meta und Nvidia. Der IT-Sektor kommt im Index inzwischen auf rund ein Viertel. Die zehn größten Titel bringen zusammen einen erheblichen Anteil auf die Waage.

Der MSCI World ist damit breit gestreut, aber die Rendite hängt überproportional von einigen wenigen Unternehmen und einer einzigen Volkswirtschaft ab. Fällt der US-Technologiesektor deutlich, fällt der Index deutlich. Das zeigte sich etwa in der Korrektur 2022, als Wachstumswerte besonders stark nachgaben. Wer das Risiko reduzieren möchte, kann sein Depot mit den passenden ETFs ergänzen. Hier sind einige Vorschläge:

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Beimischung zum MSCI World: Europa

Idee: Ein Europa-ETF, etwa auf den STOXX Europe 600, bildet rund 600 große und mittlere Unternehmen aus 17 europäischen Ländern ab. Der Technologieanteil ist gering, dafür sind Banken, Versicherer, Industrie, Gesundheit, Konsumgüter und Energie stärker vertreten.

Vorteile:

- Deutlich geringeres Tech-Gewicht und damit andere Treiber als in den USA

- Oft niedrigere Bewertungen (KGV) als der US-Markt

- Höhere Dividendenrenditen als im US-Index

- Ausgleich zur US-Dominanz

Nachteile:

- Wirtschaftlich schwächeres Wachstum in den vergangenen Jahren

- Starke Abhängigkeit von Banken und Industrie, die zyklisch reagieren

- Relative Underperformance gegenüber den USA in der Vergangenheit, insbesondere in Boomphasen der Technologiewerte

- Politische Risiken innerhalb Europas

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Schwellenländer gegen das Klumpenrisiko

Idee: Ein Emerging-Markets-ETF bildet Unternehmen aus Ländern wie China, Indien, Taiwan, Südkorea, Brasilien oder Saudi-Arabien ab. Aber auch hier spielen Technologiewerte eine Rolle, etwa Halbleiterhersteller in Taiwan.

Vorteile:

- Wachstumspotenzial durch junge Bevölkerungen und Aufholprozesse

- Andere Konjunkturzyklen als in den Industrieländern

- Starke Diversifikation über Länder und Währungen hinweg

- Günstigere Bewertungen im langfristigen Vergleich

Nachteile:

- Hohe politische und regulatorische Risiken, insbesondere in China

- Stärkere Schwankungen und tiefere Rückschläge

- Währungsrisiko gegenüber dem Euro

- Teils eingeschränkte Transparenz und Corporate Governance

Small Caps: Klein statt groß

Idee: Ein Small-Cap-ETF auf den MSCI World Small Cap bildet die kleineren Unternehmen der Industrieländer ab. Sie sind weniger stark von den Mega-Caps abhängig und haben einen anderen Renditetreiber: Wachstum und Übernahmen im Mittelstand.

Vorteile:

- Andere Gewichtung als im Large-Cap-Index, weniger Abhängigkeit von Tech-Giganten

- Historisch langfristig Phasen mit Mehrrenditen gegenüber Large Caps

- Gute Ergänzung zu Value-Strategien

- Breit gestreut über viele Einzeltitel

Nachteile:

- Höhere Volatilität und tiefere Drawdowns in Krisen

- Geringere Liquidität, was Handelskosten erhöhen kann

- Phasen der Underperformance können über viele Jahre dauern

- Höhere Abhängigkeit von der inländischen Konjunktur und von Finanzierungsbedingungen

Gesundheit oder Konsum statt Tech

Idee: Sektor-ETFs für Gesundheit (Healthcare), Basiskonsumgüter (Consumer Staples) oder Versorger (Utilities) sind defensiv ausgerichtet. Sie reagieren oft weniger stark auf Schwankungen im Technologiesektor und liefern häufig stabilere Dividenden.

Vorteile:

- Defensiver Charakter, oft geringere Schwankungen in Abschwüngen

- Stabile Geschäftsmodelle mit planbaren Erlösen

- Gute Korrelationsvorteile zum Tech-Sektor

- Teils höhere Dividendenrenditen

Nachteile:

- Schwächere Performance in starken Aufschwüngen mit Technologie-Rallyes

- Einzelne Sektoren sind anfällig für Regulierung (z. B. Medikamentenpreise, Energiepolitik)

- Konzentration auf wenige Branchen, dadurch Klumpenrisiko in anderer Form

- Zinsabhängigkeit, insbesondere bei Versorgern

Weiterführende Links

Gegen das Klumpenrisiko: Drei Beispiel-Mischungen im Vergleich

Wie stark sich die Bausteine auswirken, zeigt ein Vergleich. Die Werte sind grobe Näherungen auf dem Stand 2025 und hängen von den jeweiligen Produkten ab.


Portfolio USA (ca.) IT-Sektor (ca.)
100 % MSCI World 72 % 25 %
70 % MSCI World + 15 % Europa + 15 % Schwellenländer 50 % 17 %
60 % MSCI World + 15 % Europa + 10 % Schwellenländer + 10 % Small Caps + 5 % Sektor-Gegengewicht 45 % 15 %

Die Tabelle macht deutlich: Schon mit zwei zusätzlichen Regionen sinkt der US-Anteil deutlich. Small Caps und Sektor-ETFs wirken vor allem auf die Branchenstruktur und dämpfen das Tech-Gewicht zusätzlich.

Fazit: MSCI World mit Beimischung

Wer den MSCI World als Kern behält und zusätzlich einen oder zwei dieser Bausteine beimischt, kann das Klumpenrisiko reduzieren, ohne sein Portfolio komplett umzubauen. Allerdings gilt auch: Jede Abweichung vom Index kann sich ebenso gegen den Anleger richten.

Denn: Eine Untergewichtung von US-Tech-Aktien kann zwar schützen, aber auch die Rendite mindern. Die vier Bausteine wirken außerdem unterschiedlich: Europa und Schwellenländer verringern vor allem die regionale Konzentration. Small Caps ändern die Gewichtung innerhalb der Märkte. Sektor-ETFs federn Tech-Schwankungen ab, bremsen aber möglicherweise in Hochphasen.

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Häufige Fragen

Muss ich meinen MSCI World verkaufen, um das Klumpenrisiko zu verringern? 

Nein. Die Beimischung weiterer ETFs reicht meist aus. Ein Verkauf kann dagegen steuerliche Folgen haben, etwa durch Kapitalertragsteuer auf Gewinne. 

Wie groß sollte eine Beimischung sein? 

Viele Anleger wählen Beimischungen im Bereich von etwa 10 bis 30 Prozent des Depots. Das hängt aber auch von der eigenen Einstellung ab, was Risikobereitschaft und Anlagehorizont betrifft.

Verschenke ich langfristig Rendite, wenn ich die USA untergewichte? 

Das ist möglich. In den vergangenen Jahren haben US-Aktien die übrigen Regionen deutlich übertroffen. Ob sich das fortsetzt, weiß aber niemand.