Eine völlig risikofreie Geldanlage gibt es nicht. Wer aber breit streut, auf niedrige Kosten achtet und den Anlagehorizont ernst nimmt, hat mit einigen wenigen ETF-Typen gute Karten.
Wer an den Märkten Geld für die Rente oder einen besonderen Urlaub sparen möchte, steht schnell vor einer wichtigen Frage: Wie lässt sich eine ordentliche Rendite erzielen, ohne das Ersparte einem Crash auszusetzen? Ein Restrisiko bleibt zwar immer - doch mit der richtigen Konstruktion lässt es sich deutlich begrenzen.
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MSCI und Co.: Welt-ETFs als erste Wahl
Das wichtigste Prinzip ist Diversifikation. Ein einzelnes Unternehmen kann pleitegehen, ein ganzer Index mit Tausenden Firmen kaum. Deshalb bilden breite Welt-Aktien-ETFs für viele langfristige Anleger den Kern des Depots.
Zwei Varianten sind besonders beliebt:
- MSCI World: Rund 1.300 Unternehmen aus Industrieländern. Der Index ist stark auf die USA ausgerichtet, was den Großteil der vergangenen Jahre gut funktioniert hat, aber auch eine Klumpenrisiko-Komponente mit sich bringt.
- FTSE All-World bzw. MSCI ACWI: Zusätzlich mit Schwellenländern wie China oder Indien. Das ist breiter aufgestellt, bringt aber mehr politische und währungsbedingte Schwankungen mit.
Zu den bekanntesten Vertretern gehören etwa der iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983, thesaurierend) oder der Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80, thesaurierend). Vor dem Kauf lohnt der Blick ins Factsheet, denn Kosten und Konditionen können sich ändern.
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Der Sicherheitsbaustein: Anleihen beimischen
Wer Schwankungen reduzieren möchte, kann einen Teil des Vermögens in Anleihen investieren, direkt oder über Anleihen-ETFs. Anleihen sind Kredite an Staaten oder Unternehmen, die Zinsen zahlen und ihren Nennwert zurückzahlen. Sie bringen in der Regel weniger Rendite als Aktien, fallen in Krisen aber meist deutlich weniger stark. Ganz risikolos sind sie trotzdem nicht: Ändern sich Zinsen oder Inflation, können Anleger auch mit Anleihen Geld verlieren.
Ein Anleihen-ETF unterscheidet sich dabei grundlegend von der Einzelanleihe. Er hat keine feste Laufzeit, sondern kauft und verkauft laufend Papiere, um einen Index abzubilden. Daraus ergeben sich ein paar Vorteile: Man erhält eine breite Streuung über Dutzende oder Hunderte Emittenten, Kleinbeträge sind möglich und der Kauf ist unkompliziert.
Der Nachteil liegt im fehlenden Rückzahlungstermin. Der Nennwert wird nicht zu einem bestimmten Datum zurückgezahlt, der Kurs des ETFs kann also auch dann schwanken, wenn man bis zu einem festen Termin halten möchte. Wer eine verlässliche Rückzahlung zu einem Stichtag braucht, greift deshalb eher zur Einzelanleihe oder zu einem Laufzeitfonds.
Welche Anleihen-ETF-Typen es gibt
Je nach Ziel eignen sich unterschiedliche Varianten. Euro-Staatsanleihen-ETFs investieren in Staatsanleihen des Euroraums, meist mit hoher Bonität. Sie gelten als besonders solide, bringen aktuell aber moderate Renditen. Wer etwas mehr Ertrag möchte, kann auf Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich setzen. Diese bringen mehr Rendite als Staatsanleihen, schwanken aber auch etwas stärker. Kurzlaufende Anleihen-ETFs mit einer Laufzeit von etwa 1 bis 3 Jahren haben dagegen kaum Zinsrisiko und eignen sich als Liquiditätsreserve oder für den Übergang in die Rente. Globale Anleihen-ETFs, häufig gegen den Euro abgesichert, streuen zusätzlich über Länder, sodass Dollarkursschwankungen nicht das Ergebnis dominieren.
Eine wichtige Kennzahl bei allen Typen ist die Duration, also die durchschnittliche Zinsbindungsdauer. Sie zeigt, wie stark der Kurs auf Zinsänderungen reagiert: Steigt der Zins um einen Prozentpunkt, verliert ein ETF mit einer Duration von fünf Jahren grob 5 Prozent an Wert. Genau dieses Zinsrisiko war 2022 für viele Anleger schmerzhaft spürbar.
Konkreter Vorschlag: Euro-Staatsanleihen-ETF als Sicherheitsanker
Wer Rendite mit möglichst geringem Risiko kombinieren möchte, findet in einem breit gestreuten Euro-Staatsanleihen-ETF mit mittlerer Duration von etwa 5 bis 8 Jahren einen soliden Baustein. Ein Beispiel ist der iShares Core Euro Government Bond UCITS ETF, der Staatsanleihen mehrerer Euro-Länder bündelt. Die Rendite liegt, abhängig vom Zinsumfeld, meist über dem Tagesgeldzins, die Schwankungen bleiben deutlich unter denen von Aktien. Alternativ lässt sich das Zinsrisiko verteilen, indem man einen kurz- und einen mittellaufenden Anleihen-ETF kombiniert.
Steuerlich gilt: Anleihen-ETFs profitieren nicht von der Teilfreistellung, die Aktienfonds genießen (30 % bei mehr als 50 % Aktienanteil). Erträge und Kursgewinne werden daher in der Regel voll besteuert, Verluste lassen sich mit anderen Erträgen verrechnen. Bei thesaurierenden Fonds fällt zudem die Vorabpauschale an. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person hilft, einen Teil der Erträge steuerfrei zu stellen.
Die Anlage im Alter umschichten
Wer sich dem Rentenalter nähert, sollte sich sowieso Gedanken machen, wie das Wertpapierdepot am besten umgeschichtet werden kann, um vom Vermögensaufbau zur Vermögenserhaltung und zur Entnahme zu kommen. Meist wird dann der Anteil an Anleihen schrittweise erhöht. Der Grund: Ein Kurseinbruch kurz vor oder nach dem Rentenbeginn wirkt deutlich stärker, weil man dann keine Zeit mehr zum Ausgleich hat und auch noch gleichzeitig Geld entnehmen muss.
Wie man umschichtet:
- Glidepath festlegen: Etwa ab 50 oder 55 Jahren den Aktienanteil schrittweise senken, zum Beispiel um einen Prozentpunkt pro Jahr. Ein Beispiel: 80 % Aktien und 20 % Anleihen mit 50 Jahren, 60 % zu 40 % mit 65 Jahren.
- Bucket-Strategie: Zwei bis drei Jahresausgaben liegen in Tagesgeld oder kurzlaufenden Anleihen. Der Rest bleibt investiert. So muss man in Krisenjahren nicht an der Börse verkaufen.
- Rebalancing nutzen: Einmal im Jahr zum Zielanteil zurückkehren. Gewinne aus dem stärkeren Teil fließen dann in den schwächeren.
- Verkaufen steuerlich klug planen: Teilverkäufe verteilt auf mehrere Jahre können Steuerlast und Freibeträge besser ausnutzen.
- Entnahmeplan festlegen: Als grobe Orientierung gilt die 4-Prozent-Regel, nach der sich Entnahmen aus einem Depot über Jahrzehnte oft tragen lassen. Sie ist allerdings nur ein Richtwert und hängt stark von Marktlage, Lebenserwartung und Ausgabenstruktur ab.
Fazit: Realistische Erwartungen wichtig
Breite Welt-Aktien-ETFs haben über lange Zeiträume historisch positive Renditen erzielt. Gleichzeitig gab es heftige Einbrüche: 2008 verloren Welt-Aktien zeitweise rund die Hälfte ihres Werts, 2022 fielen Aktien und Anleihen zeitgleich. Diese Doppelbewegung zeigt, dass auch Anleihen keine Garantie sind. Eine Mischung aus verschiedenen Anlageklassen bleibt aber das wirksamste Mittel gegen Verluste.
Für eine Kombination aus Rendite und Sicherheit bieten sich drei Bausteine an: ein kostengünstiger, weltweit breit gestreuter Aktien-ETF als Kern, ein Euro-Staatsanleihen-ETF als Stabilisator und ein regelmäßiger Sparplan als Disziplin. Mit dem Alter sollte der Anleihenanteil schrittweise steigen, am besten nach einem festen Plan.
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Häufige Fragen
Welcher ETF eignet sich für langfristige Anlage mit wenig Risiko?
Ein Mix aus einem weltweiten Aktien-ETF als Kern und einem Euro-Staatsanleihen-ETF als Stabilisator gilt für viele Langfristanleger als ausgewogen. Der Anteil der Anleihen sollte sich nach Anlagehorizont und Verlusttoleranz richten.
Sind Anleihen-ETFs sicher?
Anleihen-ETFs sind weniger schwankungsanfällig als Aktien-ETFs, aber nicht risikolos. Steigende Zinsen lassen den Kurs fallen, und hohe Inflation kann die Rendite aufzehren. Auch Ausfälle einzelner Schuldner sind möglich.
Wann sollte man das Depot im Alter umschichten?
Viele Anleger erhöhen ab etwa 50 oder 55 Jahren schrittweise den Anleihenanteil, um Kursrückgänge kurz vor oder nach Rentenbeginn abzufedern. Ein fester Glidepath, eine Liquiditätsreserve für einige Jahre und regelmäßiges Rebalancing helfen dabei.