Ein Welt-ETF soll das Depot breit aufstellen. Doch im MSCI World stecken beispielsweise fast drei Viertel des Index in US-Aktien. Was Anleger tun können.
Sie besparen einen Welt-ETF, um nicht von einzelnen Aktien oder Ländern abhängig zu sein? Dann dürfte Sie eine Zahl überraschen: Beim MSCI World entfallen mehr als 72 Prozent des Index auf US-Aktien. Das ist die Folge der Indexgewichtung.
Denn die meisten großen Weltindizes gewichten nach der frei handelbaren Marktkapitalisierung: Je größer der Börsenwert eines Unternehmens, desto mehr zählt es im Index. Wachsen die größten US-Konzerne stärker als der Rest des Marktes – und das tun sie seit Jahren –, nimmt ihr Gewicht im ETF automatisch zu. So entsteht ein mögliches Klumpenrisiko, selbst wenn der Fonds in viele Unternehmen investiert.
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MSCI World: Wie groß ist der USA- und Tech-Anteil?
ETFs auf den MSCI World sind mit am bekanntesten - und beliebtesten. Der Index enthält große und mittelgroße Unternehmen aus Industrieländern, aber keine Schwellenländer. Zum 31. August 2026 entfielen darin 72,14 Prozent auf US-Aktien. Bei einer Anlage von 10.000 Euro entspräche der US-Anteil rechnerisch rund 7.214 Euro.
Auch der Technologiesektor macht einen großen Anteil aus. Für den MSCI World weist Stiftung Warentest zum 30. Juni 2026 rund 30 Prozent aus. Zu den besonders hoch gewichteten US-Mega-Caps im MSCI World zählen Nvidia, Microsoft und Apple; auch Amazon, Alphabet, Broadcom und Meta prägen den Index stark. Zusammen machen allein schon diese Unternehmen 10 Prozent des MSCI World aus.
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Wann wird die Konzentration zum Risiko?
Ein hoher USA- oder Tech-Anteil ist per se nicht schlecht. Er spiegelt die Börsenwerte wider und kann über längere Zeit gut funktionieren. Zum Klumpenrisiko wird die Konzentration, wenn Sie eine gleichmäßigere Verteilung erwarten – oder zusätzlich einen S&P-500-, Nasdaq-100- oder Technologie-ETF im Depot haben. Dann können dieselben großen US-Unternehmen in mehreren Fonds stecken.
Kommt es dann bei den hoch gewichteten US-Konzernen zu einem deutlichen Rücksetzer, kann das den Weltindex spürbar belasten und bei den betroffenen Anlegern das Fondsvermögen schmelzen lassen.
Was Anleger gegen das Klumpenrisiko tun können
1. Prüfen Sie das ganze Depot – nicht nur einen ETF. Schauen Sie in die Factsheets: Welche Länder, Branchen und Einzelwerte dominieren? Vergleichen Sie die Top-Positionen aller Fonds.
2. Senken Sie den USA-Anteil. Wer weniger US-Gewicht möchte, kann einen Weltindex mit einem breit gestreuten Index ohne US-Aktien kombinieren. Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Bei 80 Prozent MSCI World und 20 Prozent ex-USA-ETF läge der US-Anteil im Aktienbaustein rechnerisch bei etwa 57,7 Prozent statt 72,14 Prozent. Das setzt voraus, dass die Indexgewichte unverändert bleiben und der zweite Index tatsächlich keine US-Aktien enthält. Vorsicht: Der Mix weicht vom Weltmarkt ab und kann zeitweise schlechter abschneiden.
3. Erweitern Sie die Länder- und Unternehmensabdeckung. Der FTSE All-World und der MSCI ACWI nehmen Schwellenländer auf; All-Cap-Indizes ergänzen kleinere Unternehmen. Das verbreitert das Anlageuniversum. Weil auch diese Indizes überwiegend nach Marktkapitalisierung gewichten, ist damit aber nicht automatisch ein niedrigerer Anteil der größten US-Unternehmen garantiert.
4. Begrenzen Sie einzelne Großunternehmen mit Equal-Weight- oder Capped-Ansätzen. Bei gleichgewichteten oder gedeckelten Indizes können einzelne Mega-Konzerne weniger Einfluss haben. Dafür weicht die Gewichtung stärker vom Weltmarkt ab. Renditeverlauf, Umschichtungen und Kosten können sich unterscheiden; eine bessere Wertentwicklung ist nicht garantiert.
5. Reduzieren Sie bei Bedarf den Aktienanteil des Gesamtportfolios. Anleihen oder andere passende Anlageklassen ändern nicht die Zusammensetzung des Aktien-ETF. Sie können aber den Aktienanteil am gesamten Vermögen senken – und damit auch das Klumpenrisiko im Gesamtdepot.
Fazit: Weltweit heißt nicht gleichmäßig verteilt
Ein Welt-ETF bleibt ein einfacher Weg, in viele Unternehmen zu investieren. Allerdings bedeutet „weltweit“ nicht „zu gleichen Teilen weltweit verteilt“. Ein Ex-USA-Baustein, gleichgewichtete Ansätze oder eine breitere Aufteilung des Gesamtvermögens können die Konzentration verändern. Jede dieser Lösungen weicht jedoch vom Weltmarkt ab und kann deshalb auch zu anderen Ergebnissen führen, also weniger Rendite und höhere Kosten verursachen.
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Häufige Fragen
Ist ein MSCI-World-ETF wirklich weltweit diversifiziert?
Der MSCI World investiert in große und mittelgroße Unternehmen aus Industrieländern, nicht aber in Schwellenländer. Zudem gewichtet er nach Marktkapitalisierung. Zum 31. August 2026 entfielen 72,14 Prozent auf US-Aktien. Er ist also breit über viele Unternehmen gestreut, aber nicht gleichmäßig über alle Länder der Welt.
Wie kann ich den USA-Anteil in meinem Welt-ETF senken?
Eine Möglichkeit ist, den Welt-ETF mit einem breit gestreuten Index ohne US-Aktien zu ergänzen. Wie stark der USA-Anteil sinkt, hängt von der Aufteilung und den aktuellen Indexgewichten ab. Prüfen Sie außerdem, ob weitere ETFs im Depot bereits stark in US-Aktien investieren.
Hilft der FTSE All-World gegen das Klumpenrisiko im MSCI World?
Der FTSE All-World enthält neben Industrieländern auch Schwellenländer und ist damit breiter als der MSCI World. Er ist aber ebenfalls marktkapitalisierungsgewichtet. Er kann die Länderabdeckung erweitern, beseitigt eine hohe Gewichtung der größten Märkte und Unternehmen aber nicht automatisch.
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