2027 soll das neue Altersvorsorgedepot starten. Sparer könnten dann staatlich gefördert in ETFs, Fonds und Aktien investieren. Als einer der ersten bringt sich der Online-Broker Scalable in Stellung – und schockt die Konkurrenz mit extrem niedrigen Kosten.

Der Wettbewerb um die neue Förderung für die private Altersvorsorge nimmt Fahrt auf. Ab 2027 wird das neue Altersvorsorgedepot eine renditestärkere Alternative zur bisherigen Riester-Rente bieten. Nach den bisherigen Plänen können Sparer staatlich gefördert in Fonds und börsen¬gehandelte Indexfonds auf Aktien investieren. Damit entsteht ein neuer Milliardenmarkt, um den Banken und Online-Broker jetzt schon buhlen.

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Denn allein in den rund 14,7 Millionen Riester-Verträgen in Deutschland schlummert ein angespartes Vermögen von geschätzt 240 Milliarden Euro. Geld, das zum 1. Januar 2027 den Anbieter wechseln könnte, denn das Altersvorsorgedepot soll es Sparern ausdrücklich ermöglichen, Guthaben aus ungeliebten Riester-Verträgen in das neue Depot zu transferieren, ohne dass sie ihre Riester-Förderung zurückzahlen müssen.

Erste Broker wie Trade Republic oder Flatex haben angekündigt, das Altersvorsorgedepot direkt zum Start anzubieten. Bei der ING gibt es bereits eine Warteliste.

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Scalable lockt mit Gratisdepot

Scalable Capital preschte nun sogar m,it ersten konkreten Konditionen vor. Vorstandschef Erik Podzuweit erklärte gegenüber „Bild.de“: „Wir sagen: Wir machen das Standarddepot gebührenfrei.“ Für Konto und Depot sowie Sparpläne, Käufe und Verkäufe will Scalable demnach gar keine Gebühren verlangen. Ein Kampfpreis. Kosten würden dann lediglich innerhalb der eingesetzten ETFs anfallen. Diese sollen laut Podzuweit höchstens 0,15 Prozent pro Jahr betragen. Er kündigt sogar an, dass Scalable die laufenden ETF-Kosten im ersten Jahr vollständig übernehmen wolle.

Die Gebühren klingen niedrig, doch bei einem langfristigen Sparplan sind solche Unterschiede durchaus relevant. Schließlich sparen manche Kunden bis zum Renteneintritt über 30 oder sogar 40 Jahre. Da kann bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro selbst ein Prozentpunkt Differenz im Sparergebnis zehntausende Euro ausmachen.

Staat schießt bis zu 540 Euro dazu

Interessant ist am Altersvorsorgedepot vor allem die staatliche Förderung, die attraktiver ist als bei Riester. Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr schießt der je eingezahltem Euro 50 Cent als Förderung zu, also maximal 180 Euro. Für weitere Einzahlungen zwischen 360 und 1.800 Euro beträgt die Förderung 25 Cent je Euro. Wer die Summe also voll ausreizt, erhält eine maximale Grundzulage von 540 Euro im Jahr. Hinzu kommen unter Umständen noch Kinderzulagen von 300 Euro je Kind.

Allerdings hängt der Anlageerfolg auch von der Auswahl der Produkte, den Kosten und der Entwicklung der Kapitalmärkte ab. Anders als beim klassischen Riester-Modell wird es beim Altersvorsorgedepot keine Beitragsgarantie geben. Das sei bei so langen Ansparzeiträumen aber auch nicht nötig, sagen Experten. Seit 1987 irgendwann einen Sparplan auf den DAX begann, lag nach spätestens zwölf Jahren immer im Plus – trotz Finanzkrise und Dotcom-Crash.

Jetzt nicht vorschnell kündigen

Eine Garantie kann aber für Menschen wichtig sein, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder generell eine geringere Risikobereitschaft aufweisen. Denn auch ein Aktien-ETF kann zwischenzeitlich einmal deutlich fallen. Wer in wenigen Jahren auf das Geld angewiesen ist, hat oft keine Zeit mehr, einen Börsencrash auszusitzen. Diese Gruppe sollte daher nur zu einem geringeren Anteil auf Aktien setzen – oder sogar ihre Versicherung behalten.

Der Bundesverband Finanzdienstleistung warnt ebenfalls vor einem vorschnellen Wechsel. „Kündigen? Jetzt auf keinen Fall“, sagte Verbandschef Norman Wirth, der „Bild“. Vor so einer Entscheidung sollten Anleger Kosten, Garantien, Vertragsguthaben und die verbleibende Laufzeit genau vergleichen. Im schlimmsten Fall kann eine Kündigung ohne entsprechende Alternative zum Verlust von bereits erhaltenen Fördervorteilen führen.

Konkrete Produkte gibt es noch nicht

Die Neuordnung der privaten Altersvorsorge wird von fast allen Seiten begrüßt, denn sie eröffnet den Sparern deutlich größere Renditechancen als die alten Riester-Produkte. Niedrige Gebühren allein machen ein Altersvorsorgedepot allerdings nicht automatisch zum besten Angebot. Entscheidend ist, ob der zugrunde liegende ETF, die Förderung, die Anlagestrategie und das Risikoprofil zusammenpassen; von den Vertragsbedingungen ganz abgesehen. Konkrete Regeln und Produkte liegen aber aktuell noch nicht vor. Daher lohnt es sich zwar, sich schon jetzt mit den Vorteilen und den Förderregeln zu beschäftigen. ZU einem Produktabschluss muss sich jetzt aber noch niemand drängen lassen. Los geht es mit dem neuen Depot erst am 1.1.2027.