In weniger als zweieinhalb Monaten soll das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ablösen. Ausgerechnet das staatlich organisierte Standarddepot wackelt nun aber wohl. Ein Starttermin ist nicht in Sicht.
Ab dem 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot (AV-Depot) die Riester-Rente für Neuverträge. Anders als Riester verzichtet es auf eine Beitragsgarantie und kann deshalb in Aktienfonds und ETFs investieren. Der Staat fördert die Einzahlungen: bis zu 540 Euro Grundzulage bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr, dazu bis zu 300 Euro je Kind.
Eine zentrale Rolle spielte dabei auch immer das Angebot eines staatlichen Standarddepots. Geplant ist ein einfaches, staatlich organisiertes Produkt, dessen Effektivkosten der Gesetzgeber auf höchstens 1 Prozent pro Jahr begrenzt hat. Das Standarddepot sollte als Maßstab dienen, an dem sich private Angebote messen lassen.
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Altersvorsorgedepot: Wackelt das staatlich organisierte Standarddepot?
Schon im Juli 2026 gab es Zweifel, ob das Standarddepot rechtzeitig startet. Nun zeigt sich: Es wurde wohl noch nicht einmal ein Träger ausgewählt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, hat das Bundesfinanzministerium auf eine Frage des Grünen-Finanzpolitikers Stefan Schmidt geantwortet, ohne einen Termin zu nennen. Das Ministerium prüfe weiterhin, wie sich das Vorhaben umsetzen lasse. Bislang verfüge keine Behörde über die nötigen Verwaltungsstrukturen.
Hinzu kommt: Die Rechtsverordnung, die die Einzelheiten regeln soll, fehlt noch. Eine Ausschreibung für private Anbieter würde nach Einschätzung von Experten zusätzlich mehrere Monate dauern. Als möglicher Träger werden die Bundesbank, die KfW, die Deutsche Rentenversicherung und der Staatsfonds Kenfo genannt. Der Bundesrat hatte die Bundesbank vorgeschlagen. Eine Entscheidung gibt es bislang nicht.
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Staatliches Standarddepot: Keine Absage, aber auch keine Priorität
Offiziell gestrichen ist das staatliche Standarddepot nicht. Doch die Antwort des Ministeriums enthält einen denkwürdigen Satz: Zahlreiche Anbieter hätten bereits angekündigt, zum Start Produkte mit Kosten weit unterhalb des Kostendeckels von einem Prozent anzubieten. Daraus lässt sich mehreren Medienberichten zufolge die Botschaft herauslesen, dass ein staatliches Angebot womöglich nicht nötig sei, wenn die Privatanbieter ohnehin günstig sind.
Die Kritik folgt prompt. “Der Abschied vom öffentlichen Standarddepot wäre ein Desaster für alle Sparer”, sagte Schmidt der “Süddeutschen”. Er sieht im Preiskampf der Privatanbieter gerade einen Beleg dafür, dass die Debatte um das staatliche Angebot Wirkung zeige. Ohne öffentliche Alternative drohe der Markt, ohne Maßstab zu bleiben.
Altersvorsorgedepot: Die Anbieter preschen vor - bislang
Tatsächlich sind die Anbieter längst in Stellung. Die Deka hat mitgeteilt, im Standarddepot 0,1 Prozent pro Jahr zu verlangen. Scalable Capital hat ein gebührenfreies Standarddepot angekündigt, bei ausgewählten ETFs sollen 2027 auch die laufenden Fondskosten entfallen. Smartbroker+ will die ETF-Kosten zumindest in den ersten drei Jahren erstatten.
Eine Einschränkung gilt aber: Verkaufen dürfen die Anbieter erst nach der Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern. Vor dem Jahreswechsel gibt es daher keine fertigen Verträge, sondern vor allem Vormerklisten.
Ob die Niedrigpreise halten, ist offen. Verbraucherschützer warnen davor, dass günstige Startangebote später teurer werden und bezeichnen das geplante staatliche Angebot als "Herzstück der Reform" und "Preisanker".
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Häufige Fragen
Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot abschließen?
Ab dem 1. Januar 2027. Vorher dürfen Anbieter keine Verträge verkaufen, weil die Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern Voraussetzung ist.
Muss ich meinen Riester-Vertrag kündigen?
Nein. Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, genießen Bestandsschutz und laufen unverändert weiter. Wer wechseln möchte, muss sich entscheiden, ob er künftig in ein Altersvorsorgedepot oder weiter über Riester einzahlt. Ein Wechsel sollte vorher gut durchgerechnet werden.
Worin unterscheidet sich das Standarddepot vom freien Altersvorsorgedepot?
Das Standarddepot richtet sich an Sparer, die ihre Anlage nicht selbst zusammenstellen möchten. Der Anbieter legt die Fonds und die Anlagestrategie fest, und die Effektivkosten sind auf höchstens 1 Prozent pro Jahr begrenzt.