Blue Chips aus einem südamerikanischen Land sind wie ein steuerliches Überraschungsei. Auf diese Details sollten deutsche Aktionäre bei  Dividendenzahlungen brasilianischer Unternehmen achten. Von Michael Schreiber und Stefan Rullkötter

Unterschiedliche steuerliche Behandlung

Manchmal erhalten in Deutschland steuerpflichtige  Anleger Ausschüttungen brasilianischer Unternemen von der Depotbank ohne Quellensteuerabzug, manchmal werden aber 17,50 Prozent oder 15 Prozent Quellensteuer einbehalten.

Das liegt an einer Besonderheit im brasilianischen Steuerrecht – dort können Firmen wählen, ob sie eine reine Dividende oder eine fiktive Verzinsung auf das Kapital der Aktionäre auszahlen (Interest on Equity, kurz IoE). 

Normale und fiktive Dividenden

Fließt eine normale Dividende, behält der brasilianische Fiskus 17,5 Prozent Quellensteuer ein, die deutsche Depotbanken voll auf die hier fällige Quellensteuer anrechnen. Man zahlt also nur noch die Differenz zu 25 Prozent auf die Abgeltungsteuer in Deutschland. Fließt eine fiktive Eigenkapitalverzinsung wird es etwas komplizierter – für die deutschen Behörden ist das auch eine normale abgeltungsteuerpflichtige Dividende (BFH-Urteil vom 6.6.2012, Az. I R 6,8/11).

Brasilianische Steuerbeamte werten diese Variante jedoch als Zinsertrag und erheben 15 Prozent Quellensteuer, die deutsche Depotbanken nicht auf die im Inland fällige Steuerschuld anrechnen.


Aber keine Angst – verloren geht nichts. Da die Quellensteuer mit der deutschen Einkommensteuer vergleichbar ist, rechnen deutsche Finanzämter im Rahmen der Einkommensteuererklärung die im Ausland bereits bezahlte Quellensteuer auf die heimische Steuerschuld an und erstatten die zu viel bezahlten Abgaben über den Steuerbescheid zurück. 

Abgabe der Anlage KAP obligatorisch

Für Anleger heißt das aber in jedem Fall, für das abgelaufene Jahr eine Einkommensteuererklärung beim Wohnsitzfinanzamt abgeben und über das Formular Anlage KAP die Zins- und Dividendenerträge deklarieren und besonders Zeile 41 (anrechenbare, noch nicht angerrechnete Quellensteuer) ausfüllen. Der Aufwand bringt bares Geld. 

Steueränderung mit verspäteter Wirkung

Seit 2026 erhebt Brasilien für nicht im Land ansässige Aktionäre eine Quellensteuer von 10 Prozent auf Dividenden. Diese behält der  brasilianische Fiskus aber nur auf Ausschüttungen ein, die aus nach dem 31. Dezember 2025 erwirtschafteten Gewinnen fließen. 

Dividendenstarke Brasilien Blue-Chips

•  Vale S.A. (Rohstoffe) Dividendenrendite: Ca. 9,8 % bis 9,9 %
•  BB Seguridade Participações (Versicherungen):Dividendenrendite: Ca. 11,3 % bis 11,5 %
•  Itaú Unibanco Holding (Banken):   Dividendenrendite: Ca. 7,9 % bis 8,4 % 
•  Petrobras (Energie) :Dividendenrendite: Ca. 6,3 % bis 7,1 % 
•  Telefônica Brasil
(Telekommunikation)   Dividendenrendite: Ca. 5,6 % bis 7,5 %


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