Die Bargeld-Konkurrenz wird immer stärker. Deutschland drängt auf digitale Bezahlmöglichkeiten im Handel, Italien auf einen günstigen digitalen Euro für den Alltag.

Bargeld bleibt in Deutschland ein emotionales Thema. Während digitale Zahlungen im Alltag an Bedeutung gewinnen, wollen viele Menschen weiterhin selbst entscheiden, ob sie mit Scheinen und Münzen, Karte oder Smartphone bezahlen. Die Debatte dreht sich deshalb nicht nur um Bequemlichkeit und Geschwindigkeit, sondern auch um Datenschutz, Abhängigkeiten und die Frage, wer am Ende die Kosten des digitalen Bezahlens trägt.

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Regierung: Geschäfte sollen künftig Kartenzahlung anbieten müssen

Deshalb hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) auch am Freitag mit einem neuen Vorstoß für Aufsehen gesorgt: Er will Geschäfte, Restaurants und Dienstleister künftig dazu verpflichten, neben Bargeld mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anzubieten. 

Damit sollen sogenannte „Cash only“-Angebote der Vergangenheit angehören. Nach den bislang bekannten Eckpunkten könnten Händler gängige Bezahlverfahren wie Karten- oder Handyzahlungen akzeptieren. Mindestens ein in Europa verbreitetes Verfahren soll dabei angeboten werden. Bargeld soll weiterhin angenommen werden.

Das Vorhaben befindet sich noch in der Abstimmung mit den übrigen Ministerien. Ziel des Finanzministeriums ist es, den Gesetzentwurf noch in diesem Jahr ins Kabinett zu bringen. Eine Umsetzung könnte 2027 erfolgen. Vorgesehen sind nach den bisherigen Plänen keine Umsatzgrenzen: Auch kleine Beträge wie ein Kaffee oder ein Schokoriegel sollen digital bezahlt werden können. Für nichtkommerzielle Organisationen wie Amateurvereine oder Wohltätigkeitsverbände könnten Ausnahmen gelten; außerdem wird über Härtefallregelungen nachgedacht.

Die Bundesregierung begründet den Vorstoß mit der Wahlfreiheit der Kunden. Wer ohne Bargeld unterwegs ist, soll nicht vor verschlossenen Möglichkeiten stehen. Für Händler bedeutet eine solche Pflicht allerdings zusätzlichen Aufwand. Sie benötigen ein geeignetes Terminal und müssen je nach Verfahren Gebühren einkalkulieren. Gerade bei Kleinbeträgen kann die Kostenfrage entscheidend sein.

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Italien will Kleinbeträge beim digitalen Euro entlasten

Eine ähnliche Frage beschäftigt derzeit die EU: Wie kann der digitale Euro so gestaltet werden, dass er für Verbraucher und Händler attraktiv ist? Italien hat in den laufenden Verhandlungen vorgeschlagen, Zahlungen mit dem digitalen Euro unter zehn Euro weitgehend von Händlergebühren zu befreien. Nach Informationen von “Euronews” steht dabei ein Modell im Raum, bei dem für solche Transaktionen höchstens zwei Cent anfallen. Italien soll auch für eine faktische Nullgebühr offen sein.

Die Gebührenregelung zählt zu den besonders umstrittenen Teilen des geplanten Rechtsrahmens. Neben dem Vergütungsmodell wird in Brüssel unter anderem darüber beraten, wie viel digitales Zentralbankgeld Nutzer in ihren Wallets halten dürfen. Die endgültige Ausgestaltung ist noch offen.

Der Vorstoß aus Rom zielt vor allem auf kleinere Geschäfte. Für sie können selbst geringe Gebühren bei vielen täglichen Transaktionen ins Gewicht fallen. Ein günstiges Modell könnte den digitalen Euro im Alltag konkurrenzfähiger machen – etwa beim Bäcker, im Café oder an der Kasse im Supermarkt. Bleiben die Kosten dagegen zu hoch, droht ein weiteres Bezahlsystem, das Händler zwar anbieten müssen, aber nur widerwillig nutzen.

Das Europäische Parlament hat im Juli seine Position für die Verhandlungen mit dem Rat beschlossen. Danach sollen grundlegende Dienste des digitalen Euro für Privatpersonen kostenlos sein. Unternehmen, die bereits digitale Zahlungen akzeptieren, sollen den digitalen Euro grundsätzlich ebenfalls annehmen müssen. Ausnahmen sind unter anderem für kleinere Betriebe vorgesehen, die bislang überhaupt keine elektronischen Zahlungen anbieten.

Weiterführende Links

Digitaler Euro soll Bargeld ergänzen

Der digitale Euro soll kein Ersatz für Scheine und Münzen werden. Die Europäische Zentralbank versteht ihn eher als digitale Ergänzung des Bargelds: als öffentliches Zahlungsmittel für den Einkauf im Geschäft, im Internet oder von Mensch zu Mensch. Anders als bei heute verbreiteten privaten Bezahldiensten würde das Geld dabei direkt von der Zentralbank ausgegeben.

Europa will sich damit unabhängiger machen: Der Markt für digitale Zahlungen wird derzeit stark von internationalen Karten- und Plattformanbietern - vor allem aus den USA - geprägt. Mit dem digitalen Euro wollen die Euro-Länder eine eigene Infrastruktur schaffen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Unternehmen verringern. Zugleich soll es für Verbraucher eine weitere Möglichkeit geben, in Euro zu bezahlen.

Für die EZB ist das Projekt deshalb mehr als eine technische Modernisierung. Wenn immer mehr Einkäufe online stattfinden und Bargeld im digitalen Handel nicht eingesetzt werden kann, soll Zentralbankgeld auch in elektronischer Form verfügbar sein. Geplant ist zudem eine Nutzung, die perspektivisch auch ohne permanente Internetverbindung möglich sein könnte. Damit soll der digitale Euro einige Eigenschaften des Bargelds in die digitale Welt übertragen – ohne dessen physische Form zu ersetzen.


Wann kommt der digitale Euro? Was für Verbraucher wichtig ist

Die EZB bereitet sich derzeit auf eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029 vor. Voraussetzung ist, dass die erforderliche EU-Gesetzgebung 2026 verabschiedet wird. Bis dahin müssen sich die Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und die Kommission unter anderem auf Gebühren, Datenschutz, technische Standards und die Pflichten der Händler einigen.

Damit laufen zwei Entwicklungen parallel: Deutschland will sicherstellen, dass digitale Zahlungen im Alltag überall möglich sind, während die EU an einem eigenen digitalen Zahlungsmittel arbeitet. 

Für Verbraucher könnte das langfristig mehr Auswahl bedeuten. Für Händler wird entscheidend sein, ob die neuen Regeln praxistauglich sind und ob digitale Zahlungen – vor allem bei kleinen Beträgen – bezahlbar bleiben. Bargeld dürfte dabei vorerst nicht verschwinden. Es wird aber stärker als bisher mit digitalen Alternativen um seine Rolle im Alltag konkurrieren.

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Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Wird Bargeld durch den digitalen Euro abgeschafft?

Nein. Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Verbraucher sollen auch künftig mit Banknoten und Münzen bezahlen können. Deutschland plant zudem, dass Geschäfte, Restaurants und Dienstleister weiterhin Bargeld akzeptieren, zugleich aber mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten.

Was ist der digitale Euro?

Der digitale Euro ist ein geplantes digitales Zahlungsmittel der Europäischen Zentralbank und soll digitales Zentralbankgeld bereitstellen. Er könnte für Zahlungen im stationären Handel, im Internet und zwischen Privatpersonen genutzt werden. Die EZB bereitet eine mögliche erste Ausgabe für 2029 vor – vorausgesetzt, die notwendige EU-Gesetzgebung wird 2026 verabschiedet.

Was bedeutet der italienische Vorschlag für Zahlungen unter zehn Euro?

Italien schlägt vor, Digital-Euro-Zahlungen unter zehn Euro weitgehend von Händlergebühren zu befreien. Im Gespräch ist eine Obergrenze von zwei Cent pro Transaktion, Italien soll auch eine faktische Nullgebühr unterstützen. Die endgültige Regelung ist noch Gegenstand der EU-Verhandlungen.