Bundeskanzler Friedrich Merz fordert eine Senkung der Stromsteuer. Der Effekt wäre überraschend groß – und brächte für manche Verbraucher eine höhere Entlastung als die geplante Steuerreform von Lars Klingbeil.
Am Montag kündigte Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz an, dass sich seine Partei für eine Senkung der Stromsteuer einsetzen will. Dabei solle die Stromsteuer für alle auf das europäische Minimum sinken.
Die daraus resultierende Entlastung für die Verbraucher wäre erheblich, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt. Demnach würde die Maßnahme die deutschen Verbraucher insgesamt und rund drei Milliarden Euro entlasten und die Stromrechnungen der privaten Haushalte im Schnitt um rund sieben Prozent senken.
Strompreis würde um zwei Cent sinken
Der durchschnittliche Strompreis, den Privathaushalte in Deutschland zahlen, liegt laut Verivox im Oktober 2026 bei rund 34,36 Cent je Kilowattstunde (kWh). Das ist ein Bruttopreis, bei dem der Grundpreis eingerechnet wurde. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh bezahlt damit rund 1.375 Euro pro Jahr für Strom.
93 Euro weniger im Jahr auf der Stromrechnung
Die Stromsteuer für private Verbraucher macht derzeit 2,05 Cent je kWh aus. Das europäische Mindestmaß beträgt aber nur 0,1 Cent je kWh. Eine Absenkung der Stromsteuer auf dieses Niveau würde den Strompreis für deutsche Haushalte also um rund zwei Cent auf 32,04 Cent/kWh reduzieren, weil neben der Stromsteuer auch weniger Mehrwertsteuer fällig würde. Damit würden die jährlichen Stromkosten für den besagten Drei-Personen-Haushalt um rund sieben Prozent auf rund 1.282 Euro sinken; eine Entlastung um 93 Euro im Jahr. Ein Paar-Haushalt mit einem Verbrauch von 2.800 kWh könnte unter den gleichen Voraussetzungen mit einer Entlastung von 65 Euro rechnen, ein Single-Haushalt (1.500 kWh) spart 35 Euro.
Hochgerechnet auf den Gesamtverbrauch aller Privathaushalte in Deutschland, der bei jährlich etwas mehr als 130 Milliarden kWh liegt, errechnet Verivox eine mögliche Gesamtentlastung von drei Milliarden Euro.
Entlastung käme allen zugute
Die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß sei für Haushalte im Koalitionsvertrag von CDU und SPD angekündigt worden, erklärt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Für Verbraucher zählt am Ende, ob die Entlastung tatsächlich auf ihrer Stromrechnung ankommt", so Storck.
Der Entlastungseffekt durch die Stromsteuer käme allen Haushalten gleichermaßen zugute, egal wieviel sie verdienen. In einzelnen Fällen fällt der Vorteil sogar höher aus als bei der Steuerreform, die Bundesfinanzminister Lars Klingbeil dem Bundestag vorgelegt hat. Klingbeil wirbt mit einer Bruttoentlastung von zehn Milliarden Euro und rechnet vor, dass eine Familie mit zwei mittleren Einkommen und zwei Kindern dadurch 2028 „über 600 Euro im Jahr mehr Geld in der Tasche“ haben werden. Das sei „für eine Familie eine Menge Geld“.
Trotz Steuerreform zahlen manche drauf
Rechnet man jedoch weitere politisch beeinflusste Maßnahmen wie die steigenden Beiträge zur Kranken- und Pflegekasse mit ein, fällt die Rechnung weniger lukrativ aus. Nach Berechnungen des Finanzwissenschaftler Frank Hechtner von der Universität Erlangen-Nürnberg für das „Handelsblatt“ schnurrt der Vorteil im Nettogehalt dann nämlich deutlich zusammen. So hat ein Single mit monatlich 2000 Euro Verdienst im kommenden Jahr lediglich 34 Euro mehr zur Verfügung, wie Hechner errechnete. Das sind monatlich gerade mal 2,83 Euro. Ein Single mit einem Brutto-Monatsverdienst von 4000 Euro hat netto sogar nur zehn Euro mehr im Jahr. Gutverdienende Singles mit einem Einkommen von 6000 Euro im Monat müssten dagegen jährlich 147 Euro mehr an den Fiskus abführen.
Die von Klingbeil angeführte Familie mit zwei Kindern liegt auch in Hechners Rechnung im Plus, was allerdings vorwiegend auf das Kindergeld zurückzuführen ist. Einem Paar mit zwei Kindern, bei dem beide Eltern jeweils 4000 Euro verdienen, bleiben 416 Euro mehr in der Haushaltskasse, ein Ehepaar, bei dem ein Partner 6000 und der andere 4000 Euro verdient, kommt auf ein Plus von 272 Euro.
Sollte die CDU unter Friedrich Merz also ihre Ankündigung wahr machen und die Stromsteuer senken, würde die Entlastung für diese Familie um ein Drittel höher ausfallen – und gutverdienende Singles, die Klingbeil zur Kasse bittet, hätten auch etwas davon.
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Häufige Fragen zum Thema
Was zahlen Privathaushalte in Deutschland für Strom?
Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte in Deutschland liegt laut Verivox bei rund 34,36 Cent je Kilowattstunde (kWh) (Stand: Oktober 2026). In diesen Bruttopreis wurde der Grundpreis eingerechnet. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh kommt damit auf eine Jahres-Stromrechnung von rund 1.375 Euro.
Wie hoch ist die Stromsteuer in Deutschland?
Die Stromsteuer für private Verbraucher macht derzeit 2,05 Cent je kWh aus. Darauf wird auch noch Mehrwertsteuer fällig.
Welchen Effekt hätte eine Senkung der Stromsteuer?
Eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau von 0,1 Cent je kWh würde den Strompreis für deutsche Haushalte um rund zwei Cent auf 32,04 Cent/kWh reduzieren (nkl. Mehrwertsteuer). Damit würden die jährlichen Stromkosten für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh um rund sieben Prozent auf rund 1.282 Euro sinken.