Die Bundesregierung hat am Donnerstag ein neues Reformpaket präsentiert. Wir klären, welche Auswirkungen das für Ihr Geld, die Rente, Steuern und die Wirtschaft hat.

Deutschland steckt in der Wirtschaftskrise, das Steuersystem ist kompliziert und die Sicherheit der Rente extrem fragwürdig. Nun will die Bundesregierung gegensteuern und hat am Donnerstag ein neues Reformpaket vorgestellt.

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Bundesregierung präsentiert Reformen

Mit einem 34 Punkte umfassenden Reformpaket zu Steuern, Arbeit und Entbürokratisierung wollen Union und SPD Deutschland aus der Wirtschaftskrise führen. Ab 2027 sollen kleine und mittlere Einkommen steuerlich entlastet werden. Die von den Spitzen von Union und SPD vereinbarten Entlastungen umfassen ein Volumen von rund zehn Milliarden Euro und sollen ab 2028 ihre volle Wirkung entfalten.

"Wir sorgen für die Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Unternehmen, indem wir die Steuern senken und die Bürokratie zurückbauen. Wir haben jetzt das erste Reformjahr hinter uns. Von Beginn an haben wir uns eine Agenda gesetzt, die nur einem Ziel dient: Wir wollen Deutschland wieder flottkriegen. Jetzt ist klar, dass das möglich ist", sagte Merz. Die Koalition habe sich als Regierung der Erneuerung auf den Weg gemacht.

Was das für Ihr Geld, Rente, Steuern und Wirtschaft bedeutet

Rente: Die Bundesregierung will die Vorschläge der Rentenkommission umsetzen. Diese sollen Ende 2026 in einem Gesetzespaket verabschiedet werden. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Geld: Die Bundesregierung will kleine und mittlere Einkommen ab 2027 mehr entlasten. Dazu gehören die Anhebung des Grundfreibetrages, die Anhebung des Kinderfreibetrages, die Erhöhung des Kindergeldes, eine Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrages und die Verschiebung des Spitzensteuersatzes. Dafür steigt gleichzeitig der Reichensteuersatz. Dieser wird ab 250.000 Euro bei 45 Prozent und ab 280.000 Euro bei 47 Prozent liegen. Außerdem soll der Pauschalsteuersatz auf Minijobs von zwei auf fünf Prozent angehoben werden.

Steuererklärung: Die Bundesregierung will in einem ersten Schritt vorausgefüllte Steuererklärungen anbieten, 

Wirtschaft: Der nationale Datenschutz soll vereinfacht werden und Zukunftstechnologien werden konsequent gefördert, heißt es. Zudem soll ein Deutschlandfonds Instrument der Bundesregierung für strategische Beteiligungen werden. Weiterhin sollen die Digitalisierung und der Ausbau der Stromnetze beschleunigt werden. In einem weiteren Punkt wurden mehrere Punkte zum Bürokratierückbau, insbesondere bei den Dokumentationspflichten, vorgestellt.

Immobilienmarkt: Es soll eine Wohnungsbaugesellschaft für bezahlbares Wohnen (WBG) errichtet und der Bau neuer Objekte gefördert werden. Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene sollen derweil nicht mehr möglich sein.

Arbeitsmarkt: Die Bundesregierung will die Arbeitslosenversicherung handlungsfähig und den Jobmarkt flexibler gestalten. Abfindungen werden steuerbegünstigt. Zudem wird die Obergrenze für steuerliche Begünstigung bei Feiertagszuschlägen auf 75 Euro erhöht. Außerdem wichtig: Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft.

Fazit: Einige Neuerungen, aber…

Das neue Reformpaket bringt also einige Veränderungen, vor allem bei den Finanzen der Bürgerinnen und Bürger. Einige Punkte wie die Entlastung der Einkommen stoßen dabei auf Lob, andere wie die neuen Krankschreibungsregelungen auf harte Kritik.

Kein "Big Bang", so ordnete CSU-Chef Markus Söder das Reformpaket ein. Insbesondere die angeschlagene deutsche Wirtschaft hatte sich im Vorfeld mehr von den Maßnahmen der Bundesregierung erhofft.

Ob diese am Ende Früchte tragen und das Land aus der Krise führen, wird sich zeigen. Die große Euphorie an der Börse blieb zunächst aus. MDAX und SDAX, die als bessere Spiegel der deutschen Wirtschaft als der DAX gelten, reagierten kaum auf die Nachrichten.

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Enthält Material von dpa-AFX

Häufig gestellte Fragen

Wie stark werden kleine und mittlere Einkommen durch die Anhebung der Freibeträge und die Verschiebung des Spitzensteuersatzes ab 2027 konkret entlastet, und ab welchem Einkommen greift im Gegenzug der neue Reichensteuersatz von bis zu 47 Prozent?

Kleine und mittlere Einkommen werden durch ein Maßnahmenbündel entlastet: Vorgesehen sind höhere Grund- und Kinderfreibeträge, ein angehobenes Kindergeld sowie ein höherer Arbeitnehmerpauschbetrag. Zudem steigt der Einkommensteuersatz weniger steil an (Verschiebung des Spitzensteuersatzes), was ab 2028 eine jährliche Gesamtentlastung von rund zehn Milliarden Euro entfalten soll. Finanziert wird dies durch eine stärkere Belastung von Top-Verdienern: Ab einem Jahreseinkommen von 250.000 Euro greift künftig ein Reichensteuersatz von 45 Prozent, ab 280.000 Euro steigt dieser auf 47 Prozent. Zudem wird die Pauschalsteuer für Minijobs von zwei auf fünf Prozent angehoben.

Welche genauen Pläne verfolgt die Bundesregierung mit dem neuen „Deutschlandfonds“ zur Förderung von Zukunftstechnologien, und durch welche konkreten Maßnahmen beim Bürokratie- und Datenschutzabbau soll die angeschlagene Wirtschaft entlastet werden?

Der geplante „Deutschlandfonds“ soll als strategisches Instrument des Bundes dienen, um über Beteiligungen und staatliche Absicherungen gezielt Investitionen in Zukunftstechnologien (wie KI, Halbleiter oder Deep Tech) sowie in den Ausbau der Stromnetze und die Digitalisierung zu lenken. Zur Entlastung der Unternehmen im Alltag verspricht die Reform, den nationalen Datenschutz spürbar zu vereinfachen und Dokumentationspflichten massiv abzubauen. Zudem soll der Wohnungsbau durch die Gründung einer neuen Bundes-Wohnungsbaugesellschaft (WBG) für bezahlbares Wohnen angekurbelt werden, während Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene künftig verboten werden.

Wie begründet die Koalition die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung trotz der anhaltenden Kritik von Arbeitnehmern, und welche flexibleren Regeln sowie steuerlichen Begünstigungen sind stattdessen auf dem Arbeitsmarkt geplant?

Die Bundesregierung schafft die telefonische Krankschreibung ab, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, den Arbeitsmarkt zu straffen und die Wirtschaft von hohen Krankenständen zu entlasten. Als Ausgleich und zur Steigerung der Attraktivität von Mehrarbeit wird die Obergrenze für steuerfreie Feiertagszuschläge auf 75 Euro angehoben. Gleichzeitig soll der Arbeitsmarkt flexibler werden: Abfindungen bei Jobwechseln oder Kündigungen werden steuerlich begünstigt. Das geht Hand in Hand mit einer Lockerung des Kündigungsschutzes für Gutverdiener (ab 180.000 Euro Jahresgehalt), wodurch Unternehmen in strategischen Branchen schneller und agiler personelle Veränderungen vornehmen können.