Private Rentenversicherung oder ETF? Versicherer locken mit Steuervorteilen – doch Experten warnen: Der Vorteil ist oft eine Illusion.
Eine private Rentenversicherung abschließen oder doch lieber das Geld für die Altersvorsorge in einen ETF investieren? Versicherungsvertreter haben dafür ein scheinbar überzeugendes Argument parat: Wer privat für das Alter vorsorgt, zahlt bei der Auszahlung einer Rentenversicherung kaum Steuern – anders als beim Verkauf von ETF-Anteilen.
Das stimmt – aber nur auf den ersten Blick. Denn was in Verkaufsgesprächen gerne ausgeblendet wird: Hohe Kosten und eine strukturell gedeckelte Rendite fressen den Steuervorteil in vielen Fällen vollständig auf.
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Der Steuervorteil – was steckt wirklich dahinter?
Bei einer privaten Rentenversicherung zahlen Sparerinnen und Sparer ihre Beiträge aus bereits versteuertem Einkommen ein. In der Ansparphase gibt es keinen Steuerabzug. Der Vorteil kommt erst bei der Auszahlung: Wer sich die Rente als monatliche Leibrente auszahlen lässt, versteuert nur den sogenannten Ertragsanteil – also einen gesetzlich festgelegten Prozentsatz der monatlichen Rente. Der Rest bleibt steuerfrei.
Der Ertragsanteil richtet sich nach dem Alter bei Rentenbeginn und ist in § 22 des Einkommensteuergesetzes (EStG) geregelt. Je später man in Rente geht, desto geringer der steuerpflichtige Anteil: Bei einem Rentenbeginn mit 60 Jahren sind es 22 Prozent, mit 67 Jahren nur noch 17 Prozent.
Zum Vergleich: Wer Gewinne aus einem ETF-Verkauf realisiert, zahlt darauf die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Steuervorteil der Rentenversicherung ist also vorhanden – er greift aber ausschließlich in der Auszahlungsphase.
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Die Kehrseite: Hohe Kosten nagen an der Rendite
Was Versicherungsvertreter seltener erwähnen: Private Rentenversicherungen sind teuer. Die Kostenstruktur setzt sich typischerweise zusammen aus:
- Abschlusskosten (einmalig, meist 2,5 Prozent der Beitragssumme)
- Laufende Verwaltungsgebühren (jährlich 0,5 bis 2 Prozent des Vertragsguthabens)
- Garantiekosten bei Produkten mit Beitragsgarantie
In der Summe kommen laut Branchenbeobachtern Effektivkosten von 2 bis 3 Prozent jährlich zusammen – Geld, das der Anlage entzogen wird, bevor sie überhaupt wächst. Die Stiftung Warentest hat Angebote privater Rentenversicherungen im vergangenen Jahr analysiert und festgestellt, dass die Kosten die Rendite um bis zu 1,24 Prozentpunkte mindern. Das Fazit der Tester: Bei der überwiegenden Mehrheit der Angebote waren die Kosten zu hoch.
ETF-Sparplan vs. private Rentenversicherung im Direktvergleich
Die Stiftung Warentest kommt beim Vergleich von ETF-Sparplan und privater Rentenversicherung zu einem deutlichen Ergebnis: „7,2 Prozent mehr Vermögen erreicht ein kostenloser ETF-Sparplan über 30 Jahre im Vergleich zur teuren Fondspolice." Bei einer monatlichen Einzahlung von 200 Euro entspricht das einem Unterschied von rund 30.000 Euro.
Auch Finanztip warnt: Der Steuervorteil kann die höheren Kosten und die niedrigere Rendite einer privaten Rentenversicherung meist nicht ausgleichen. In einem Rechenbeispiel der Finanzplattform liegt das Nettovermögen mit der Fondspolice rund 43.000 Euro unter dem Ergebnis des ETF-Sparplans. Bei der klassischen Police sei der Abstand mit mehr als 100.000 Euro sogar noch größer.
Wann lohnt sich eine Rentenversicherung trotzdem?
Ja, es gibt einen Steuervorteil bei der Auszahlung einer privaten Rentenversicherung – doch er ist auch der einzige strukturelle Vorteil des Produkts. Und er hat seinen Preis: jahrzehntelang höhere Kosten, eine geringere Nettorendite und deutlich weniger Flexibilität.
Die Rechnung geht für die Rentenversicherung nur dann auf, wenn:
- die Kostenquote sehr gering ist,
- der persönliche Steuersatz im Alter hoch bleibt und
- die Auszahlung als lebenslange Rente gewünscht wird – nicht als Einmalkapital.
Für die meisten Sparerinnen und Sparer mit einem langen Anlagehorizont und der Bereitschaft, Marktschwankungen auszusitzen, empfiehlt die Stiftung Warentest einen breit gestreuten, kostengünstigen ETF.
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Häufige Fragen
Welchen Steuervorteil hat eine private Rentenversicherung gegenüber einem ETF-Sparplan?
Bei einer privaten Rentenversicherung wird im Rentenalter nur der sogenannte Ertragsanteil versteuert – je nach Renteneintrittsalter zwischen 17 und 22 Prozent der monatlichen Auszahlung. Beim ETF-Verkauf fällt dagegen die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag auf den gesamten Gewinn an.
Warum lohnt sich eine private Rentenversicherung trotz Steuervorteil oft nicht?
Weil die laufenden Kosten den Steuervorteil in der Regel aufzehren. Laut Stiftung Warentest mindern die Kosten die Rendite um bis zu 1,24 Prozentpunkte jährlich.
Für wen lohnt sich eine private Rentenversicherung dennoch?
Eine private Rentenversicherung kann sinnvoll sein, wenn die Kostenquote des Produkts sehr niedrig ist, der persönliche Steuersatz im Alter voraussichtlich hoch bleibt und der Sparer eine lebenslange monatliche Rente statt einer Einmalauszahlung anstrebt. Für die meisten Anleger mit langem Anlagehorizont ist laut Stiftung Warentest ein ETF-Sparplan jedoch die bessere Wahl.