Schon wieder müssen die deutschen Genossenschaftsbanken eine Volksbank retten. Laut Medienberichten werden für das Institut aus Niedersachsen 720 Millionen Euro aus der Sicherungseinrichtung fällig. Das ist passiert.
Die Volksbank Brawo ((Volksbank Braunschweig Wolfsburg eG) )muss von der Sicherungseinrichtung der deutschen Genossenschaftsbanken mit bis zu 720 Millionen Euro gestützt werden. Das berichten die Nachrichtenagentur Bloomberg und das „Handelsblatt“ am Dienstag.
Laut den Berichten gibt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken Garantien über 473 Millionen Euro ab. Zusätzlich sollen bis zu 250 Millionen Euro an Geschäftsguthaben gezeichnet werden, um die Kapitalanforderungen der BaFin während der geplanten Restrukturierung zu erfüllen.
Für Kunden des Instituts, das in der Region Braunschweig (BRA-) und Wolfsburg (-WO) aktiv ist, bedeutet das zunächst einmal: Ihre Einlagen sind sicher. Für die Branche ist der Vorgang dennoch ein Warnsignal. Denn die Notwendigkeit für die Stützung entstand nicht aus einem einzelnen großen, unerwarteten Kreditausfall. Es sieht eher so aus, als habe wieder einmal ein Regionalinstitut ein viel zu großes Rad gedreht und sich bei seinen Aktivitäten überhoben, ähnlich wie zuvor schon bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, der Volksbank Dortmund-Nordwest oder der Raiffeisenbank im Hochtaunus.
Verluste mit „bankfernen“ Geschäften
Abwertungen bei Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien hätten zu einem Verlust von 608 Millionen Euro geführt, sagte Vorstandssprecher Lars Berkelfeld. Das Krasse daran: Rund 96 Prozent der Wertberichtigungen entfielen laut Bloomberg auf Geschäftsfelder, die als „bankfern“ gelten, also mit dem eigentlichen Auftrag einer Volksbank gar nichts zu tun haben. Laut Berkelfeld hat die Bank Reserven in Höhe von 136 Millionen Euro aufgelöst. Um das Finanzloch aber vollends zu stopfen und das Eigenkapital über den aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu halten, seien insgesamt bis zu 720 Millionen Euro nötig. „Das bisherige Geschäftsmodell und die Geschäftsstrategie müssen auf Basis des enormen Wertberichtigungsbedarfs grundsätzlich überarbeitet werden“, sagte Berkelfeld. Auch die Kosten sind laut Berkelfeld in den vergangenen Jahren zu stark gestiegen und höher als bei vergleichbaren Volksbanken.
Offenbar entstand rund um die Volksbank über die Jahre ein Geflecht aus komplexen Finanz-, Immobilien- und Investment-Transaktionen mit Hunderten Gesellschaften. Das „Handelsblatt“ berichtet von „rund 400 Beteiligungen und Tochterfirmen“. So gehören zur Volksbank unter anderem eine Brauerei, eine Factoring-Firma, Restaurants, eine Fitnessstudiokette und ein Private-Banking-Bereich unter dem Namen „Braunschweiger Privatbank“.
Auch bei Immobilien engagierte sich das Institut umfangreich – nur eben nicht nur in Wolfsburg. Laut bisherigen Erkenntnissen war die Gruppe zum Beispiel an der Entwicklung luxuriöser Villen auf Mallorca beteiligt.
Genossen spannen Rettungsschirm auf
Die Volksbank Brawo hatte bereits im Mai ihren langjährigen Vorstandschef Jürgen Brinkmann freigestellt und Deckungsmaßnahmen beantragt. Doch erst nun wird klar, wie groß der Stützungsbedarf ist.
Das Verfahren ist im genossenschaftlichen Sektor nicht ungewöhnlich. Die Sicherungseinrichtung soll angeschlagene Institute stabilisieren und die Kundeneinlagen schützen. Seit Anfang 2024 sind zehn Fälle von Instituten bekannt geworden, die Hilfe von der Sicherungseinrichtung des Branchenverbandes BVR benötigten. Die bisher höchste Summe, insgesamt 560 Millionen Euro an Garantien und Zuschüssen, hat die frühere VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden erhalten, die heute VR-Bank in Nordhessen Westthüringen heißt. Auch bei der Volksbank Dortmund-Nordwest und der Raiffeisenbank im Hochtaunus musste die Sicherungseinrichtung aushelfen. Meist ging es um fragwürdige Immobiliengeschäfte, die zum Teil das Zeug dazu hatten, die Reputation der gesamten genossenschaftlichen Finanzgruppe zu schädigen. So überhob sich etwa die Volksbank Köln Bonn an einem Kredit für eine überregional bekannte Bordellimmobilie für eine Käuferin aus China. Die Raiffeisenbank Hochtaunus warb zuvor jahrelang mit ungewöhnlich hohen Tagesgeldzinsen - offenbar, um sich Geld für Kreditgeschäfte zu beschaffen.
Läuft bei den Regionalbanken grundsätzlich etwas falsch?
Die Verluste bleiben in solchen Fällen zwar zunächst innerhalb der genossenschaftlichen Sicherungsgemeinschaft und strahlen nicht auf den Bankensektor aus. Letztlich tragen sie jedoch die angeschlossenen Institute und damit indirekt deren Mitglieder und Kunden.
So ist die Rettung der Volksbank Brawo kein genereller Beleg für eine neue Systemkrise im Bankensektor. Doch die Tatsache, dass hier wieder einmal ein Regionalinstitut ein viel zu großes Rad drehen wollte, und dass es nun neben gescheiterten Immobilienprojekten auch um bankferne Beteiligungen geht, lässt im Bankensektor die Alarmsirenen schrillen. Wie kam der Vorstand des Provinzinstituts überhaupt auf die Idee? Und gibt es womöglich noch mehr von dieser Sorte? Womöglich auch im Sparkassensektor?
Als Reaktion auf die Problemfälle hat die BVR-Sicherungseinrichtung laut „Handelsblatt“ inzwischen mehr Eingriffsrechte erhalten. Zudem arbeite man an einem „Wertekodex für Vorstände und Aufsichtsräte“. Das scheint bitter nötig.
Sicher Adressen für Ihr Tagesgeld
Für Sparer ist die Schieflage bei der Volksbank Brawo nochmal gutgegangen: Der Sicherungsfonds der Genossenschaftsbanken garantiert alle Einlagen. Wenn Sie Ihr Geld sicher parken wollen, sollten Sie daher auf deutsche Einlagensicherungssysteme achten. Die höchsten Tagesgeldzinsen bei Banken mit deutscher Einlagensicherung finden Sie im Tagesgeld-Vergleich von BÖRSE ONLINE.
Häufige Fragen
In welcher Region ist die Volksbank Brawo aktiv?
Die Volksbank BRAWO (Volksbank Braunschweig Wolfsburg eG) ist vor allem im Großraum Braunschweig-Wolfsburg in Niedersachsen aktiv. Zu den größten Standorten gehören Braunschweig, Wolfsburg, Gifhorn, Peine und Salzgitter.
Warum geriet die Volksbank BRAWO in Schieflage?
Abbwertungen bei Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien haben zu einem Verlust von 608 Millionen Euro geführt. Rund 96 Prozent der Wertberichtigungen auf Geschäftsfelder, die als „bankfern“ gelten, also mit dem eigentlichen Auftrag einer Volksbank gar nichts zu tun haben. Zwr hat die Bank eigene Reserven in Höhe von 136 Millionen Euro aufgelöst. Um das Finanzloch zu stopfen sind aber weitere 720 Millionen Euro nötig.
Welche „bankfernen“ Aktivitäten betreibt die Volksbank BRAWO?
Am Ende soll die Bank rund 400 Beteiligungen und Tochterfirmen unterhalten haben. Dazu gehören unter anderem eine Brauerei, eine Factoring-Firma, Restaurants, eine Fitnessstudiokette und ein Private-Banking-Bereich unter dem Namen „Braunschweiger Privatbank“.