Ab 2027 fördert der Staat die private Altersvorsorge auch über ein Depot ohne Beitragsgarantie. Wer früh beginnt, kann mit überschaubaren Monatsraten rechnerisch 500.000 Euro bis zur Rente aufbauen. Wie viel dafür nötig ist und was die Zulagen bringen.
500.000 Euro zum Rentenstart: Für viele Sparer klingt das nach einem Ziel, das nur mit einem hohen Einkommen erreichbar ist. Doch wer mehrere Jahrzehnte Zeit hat, muss dafür nicht jeden Monat vierstellige Beträge zurücklegen. Bei einem Einstieg mit 25 Jahren reichen im Modell rund 187 Euro monatlich, wenn das Geld jährlich sechs Prozent Rendite nach Kosten erwirtschaftet. Bei sieben Prozent wären es sogar nur rund 135 Euro. Die staatliche Grundzulage ist dabei bereits eingerechnet.
Möglich machen soll das ab Januar 2027 das neue Altersvorsorgedepot. Es öffnet die geförderte private Altersvorsorge für Kapitalmarktanlagen ohne Beitragsgarantie, etwa über breit gestreute Aktien-ETFs. Damit steigen die Renditechancen – allerdings tragen Anleger auch das Risiko von Kursverlusten.
Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt die BÖRSE ONLINE-App auf iOS oder Android herunterladen und unter "Einstellungen" die Benachrichtigungen aktivieren.
So viel legt der Staat dazu
Die neue Grundzulage richtet sich nach dem Eigenbeitrag: Auf die ersten 360 Euro Einzahlung im Jahr gibt es 50 Cent je Spar-Euro. Auf weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro kommen jeweils 25 Cent hinzu.
Wer 150 Euro monatlich selbst einzahlt, erreicht damit die maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Höhere Beiträge erhöhen die Grundzulage nicht weiter. Dazu können Kinderzulagen und ein einmaliger Berufseinsteigerbonus kommen. Die folgenden Rechnungen unterstellen eine durchgehende unmittelbare Förderberechtigung.
Der Zuschuss ist dabei nicht mit einer jährlichen Anlagerendite zu verwechseln. Bei 1.800 Euro Eigenbeitrag entsprechen 540 Euro Zulage zwar einer Förderung von 30 Prozent der Einzahlung. Wie sich das gesamte Vermögen entwickelt, hängt aber von den Kapitalmärkten und den Kosten des Produkts ab.
Tipp: Sie wollen wissen, was Ihnen das neue Altersvorsorgedepot bringt? Hier geht's zu unserem Altersvorsorgedepot-Rechner!
Welche Monatsrate führt zur halben Million?
Für die Modellrechnung startet der Sparer ohne Anfangskapital und zahlt bis zum 67. Geburtstag jeden Monat denselben Betrag ein. Angenommen werden sechs beziehungsweise sieben Prozent jährliche Rendite nach sämtlichen Kosten. Die Grundzulage wird jeweils am Jahresende angelegt. Kinderzulagen und zusätzliche Steuererstattungen bleiben zunächst außen vor.
Beispiele:
Alter: 25 Jahre, Jahre bis 67: 42, Monatlicher Eigenbeitrag bei 6 %: 187 Euro, Monatlicher Eigenbeitrag bei 7 %: 135 Euro
Alter: 30 Jahre, Jahre bis 67: 37, Monatlicher Eigenbeitrag bei 6 %: 275 Euro, Monatlicher Eigenbeitrag bei 7 %: 208 Euro
Alter: 35 Jahre, Jahre bis 67: 32, Monatlicher Eigenbeitrag bei 6 %: 402 Euro, Monatlicher Eigenbeitrag bei 7 %: 323 Euro
Alter: 39 Jahre, Jahre bis 67: 28, Monatlicher Eigenbeitrag bei 6 %: 548 Euro, Monatlicher Eigenbeitrag bei 7 %: 457 Euro
Eigene Modellrechnung, gerundet. Ziel: 500.000 Euro nominales Depotvermögen vor Steuern. Die beitragsabhängige Grundzulage ist berücksichtigt.
Die Tabelle zeigt, wie teuer das Aufschieben wird. Wer mit 35 statt mit 25 beginnt, benötigt bei sechs Prozent bereits mehr als die doppelte Monatsrate. Die verlorenen zehn Jahre lassen sich nicht durch die staatliche Förderung ausgleichen.
Auch ein fester Sparplan von 150 Euro monatlich macht den Renditeunterschied sichtbar: Von 25 bis 67 entstehen mit der maximalen Grundzulage bei sechs Prozent rund 420.000 Euro. Bei sieben Prozent wären es rund 553.000 Euro. Ein Prozentpunkt mehr oder weniger verändert über vier Jahrzehnte das Ergebnis um mehr als 130.000 Euro.
Auf der Suche nach dem passenden Depot? Hier sind die besten Aktiendepots & Online-Broker im Test von BÖRSE ONLINE
Das Einzahlungslimit: Ab wann reicht das Depot allein nicht mehr?
Doch was ist, wenn ich älter bin? Kann ich dann einfach mehr einzahlen, um auf die halbe Million zu kommen? Das ist leider nur bedingt möglich - es gibt ein Einzahlungslimit von 6.840 Euro im Jahr, also durchschnittlich 570 Euro monatlich.
Für das Ziel von 500.000 Euro bedeutet das: Bei sechs Prozent Rendite reicht ein Beginn am 39. Geburtstag im Modell noch aus. Ein Beginn am 40. Geburtstag ist zu spät, um die halbe Million ohne Startkapital allein im Altersvorsorgedepot zu erreichen. Selbst der maximale Eigenbeitrag von 570 Euro monatlich führt über die verbleibenden 27 Jahre inklusive Grundzulage nur zu rund 482.000 Euro.
Bei sieben Prozent verschiebt sich die Grenze: Ein Start am 41. Geburtstag funktioniert rechnerisch noch, ab dem 42. Geburtstag nicht mehr. Mit dem Höchstbeitrag entstehen über 25 Jahre rund 480.000 Euro.
Wie viel Vermögen entsteht aus den Zulagen?
Die staatlichen Zuschüsse helfen nicht nur im Einzahlungsjahr. Werden sie mit angelegt, erwirtschaften auch sie über Jahrzehnte Erträge.
Ein 30-jähriger Sparer ohne Kinder benötigt bei sechs Prozent rund 275 Euro monatlich für das Ziel. Bis 67 erhält er insgesamt 19.980 Euro Grundzulagen. Einschließlich ihrer Anlageerträge wachsen diese im Modell auf rund 68.725 Euro – knapp 14 Prozent des Zielvermögens.
Bei sieben Prozent reichen rund 208 Euro Eigenbeitrag im Monat. Aus denselben Grundzulagen entstehen dann rund 86.582 Euro, also gut 17 Prozent der halben Million. Ohne Zulagen und bei ansonsten identischen Annahmen müsste der Sparer rund 319 beziehungsweise 252 Euro monatlich aufbringen. Der Vergleich isoliert den Zulageneffekt; Unterschiede in der Besteuerung eines gewöhnlichen Depots sind darin nicht enthalten.
Eine halbe Million - und alles ist gut?
Vorsicht: Sechs bis sieben Prozent nach Kosten sind chancenorientierte Rechenannahmen. Hohe Gebühren, schwache Börsenphasen oder eine defensivere Anlage vor Rentenbeginn können das Ergebnis deutlich drücken. Gerade ein Kurseinbruch kurz vor dem Ruhestand kann den Plan verändern.
Hinzu kommt die Inflation: 500.000 Euro in 37 Jahren entsprechen bei jährlich zwei Prozent Geldentwertung nur rund 240.000 Euro heutiger Kaufkraft. Und das Depotvermögen ist nicht gleichbedeutend mit einer halben Million frei verfügbarem Nettogeld. Geförderte Auszahlungen werden nachgelagert besteuert, ungeförderte Anteile gesondert behandelt. Zu Beginn der Auszahlungsphase lassen sich grundsätzlich bis zu 30 Prozent des Kapitals auf einmal entnehmen; der übrige Betrag dient der laufenden Altersversorgung.
Fazit: Das Altersvorsorgedepot kann den Weg zur halben Million erleichtern. Die Zulagen helfen dabei spürbar. Den größten Unterschied machen jedoch ein früher Einstieg, niedrige Kosten und jahrzehntelanges Durchhalten. Wer ohne Startkapital ausschließlich über dieses Depot vorsorgen will, sollte das Einzahlungslimit im Blick behalten: Bei den angenommenen sechs bis sieben Prozent Rendite nach Kosten wird das 500.000-Euro-Ziel ab einem Einstieg um das 40. beziehungsweise 42. Lebensjahr allein damit nicht mehr erreichbar.
Wenn Sie sich für weitere Wirtschafts- und Börsennachrichten interessieren, könnte ein Probeabo von BÖRSE ONLINE das Richtige für Sie sein.
Häufige Fragen
Wie viel muss ich monatlich sparen, um mit dem Altersvorsorgedepot 500.000 Euro aufzubauen?
Wer mit 30 Jahren ohne Startkapital beginnt und bis 67 spart, benötigt im Modell rund 275 Euro monatlich bei sechs Prozent Rendite nach Kosten oder rund 208 Euro bei sieben Prozent. Die staatliche Grundzulage ist bereits berücksichtigt. Mit einem Kind und 18 jährlichen Kinderzulagen sinken die benötigten Beiträge auf rund 257 beziehungsweise 190 Euro. Die Renditen sind nicht garantiert; das Ziel bezeichnet Depotvermögen vor Steuern und ohne Inflationsausgleich.
Wie hoch sind die staatlichen Zulagen beim neuen Altersvorsorgedepot?
Unmittelbar Förderberechtigte erhalten 50 Prozent Grundzulage auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr und 25 Prozent auf die nächsten 1.440 Euro. Bei 150 Euro monatlichem Eigenbeitrag ist die maximale Grundzulage von 540 Euro jährlich erreicht. Zusätzlich sind bis zu 300 Euro Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind und Jahr möglich. Außerdem gibt es noch einen Berufseinsteigerbonus.
Ab welchem Alter reicht das Altersvorsorgedepot allein nicht mehr für eine halbe Million?
Wegen des Einzahlungslimits von 6.840 Euro jährlich beziehungsweise durchschnittlich 570 Euro monatlich reicht in unserer Modellrechnung bei sechs Prozent Rendite nach Kosten ein Beginn am 40. Geburtstag nicht mehr aus. Bei sieben Prozent gilt das ab einem Beginn am 42. Geburtstag. Voraussetzung dieser Aussage: kein Startkapital, keine Kinderzulagen und Rentenbeginn mit 67. Mit vorhandenem Vermögen, zusätzlichen Anlagen oder einem späteren Rentenstart kann das Ziel dennoch erreichbar sein.