Aktien norwegischer Unternehmen bleiben bei deutschen Anlegern gefragt. Diese steuerlichen Details sind wichtig, wenn Ausschüttungen fließen Von Michael Schreiber und Stefan Rullkötter
Der steuerliche Hintergrund
EU-Bürger haben nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 15.11.2011 (Gz. IV C 1 - S 2406/10/10001) Anspruch auf volle oder teilweise Ruckerstattung der norwegischen Quellensteuer (25 Prozent).
Die norwegische Finanzverwaltung nutzt neuerdings bevorzugt digitale Abwicklungsmöglichkeiten und bearbeitet Erstattungsanträge primär über ihr Online-Portal. Papieranträge sind zwar weiterhin möglich, die Bearbeitungszeit ist hier jedoch erheblich länger.
Die Änderung
Seit der Umstellung 2026 rechnen deutsche Depotbanken in der Regel die norwegische Quellensteuer nicht mehr automatisch auf die deutsche Abgeltungsteuer an.
Die Folge: Es wird zunächst der volle norwegische Satz von 25 Prozent abgezogen. Da deutsche Geldinstitute hier keinen einzigen Prozentpunkt anrechnen, greift parallel die deutsche Abgeltungsteuer. Anleger haben ohne eigenes Zutun eine sehr hohe - doppelte Abgabenlast - zu tragen.
Wahl bei den Erstattungsverfahren
Um doppelt gezahlte Abgaben zurückzuholen, müssen sich Aktionäre an der norwegische Steuerbehörde Skatteetaten wenden. Dabei haben sie die Wahl zwischen zwei Erstattungs- Varianten:
DBA-Erstattung
15 Prozentpunkte der Quellensteuer können sie sich via Steuererklärung (Anlage KAP, Zeile 41) anrechnen lassen. Beantragen sie eine Quellensteuer-Rückerstattung über den nach Doppelbesteuerungsabkommen zulassigen Quellensteuersatz (15 Prozent), erhalten sie zehn Prozent auf die norwegische Quellensteuer erstattet.
" Shielding Deduction"
Die Alternative ist das sogenannte Abschirmauffüllungs („Shielding Deduction“)-Verfahren: Dividenden bleiben in Hohe eines Fiktiven risikofreien Ertrags aus dem investierten Kapital (Basis: Anschaffungskosten und Zinssatz fur dreimonatige Staatsanleihen) steuerfrei.
Privatanleger aus dem EWR-Raum können so eine vollständige oder teilweise Steuerbefreiung basierend auf einem fiktiven risikofreien Ertrag beantragen. Dies lohnt sich vor allem bei größeren Summen, ist im bürokratischen Aufwand aber komplexer.
Bearbeitungsdauer und Fristen
Die Bearbeitung in Oslo dauert aktuell meist zwischen 14 und 18 Monaten. Positiver Nebeneffekt: Bei erheblichem Verzug werden die Beträge von den norwegischen Behörden verzinst.
Ebenfalls zu beachten ist: Aktionäre haben für den Antrag fünf Jahre Zeit, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem die Dividende gezahlt wurde.
Norwegische Divididenden Blue Chips
Unternehmen ISIN Branche Dividendenrendite
Equinor NO0010096985 Öl, Gas, Erneuerbare Energien 8,5 % – 9,5 %
Telenor NO0010063308 Telekommunikation 7,2 % – 8,0 %
DNB Bank NO0010161896 Finanzdienstleistungen 6,8 % – 7,5 %
Norsk Hydro NO0005052605 Rohstoffe (Aluminium) 5,0 % – 5,8 %
Mowi NO0003054108 Nahrungsmittel (Aquakultur) 3,5 % – 4,5 %