Die Börse Wien läuft auf Hochtouren. Der Leitindex ATX hat dieses Jahr bereits rund 20 Prozent zugelegt. Was bei Dividendenzahlungen österreichischer Unternehmen jetzt steuerlich zu beachten ist Von Michael Schreiber und Stefan Rullkötter
Der Hintergrund
Österreich erhebt für Dividenden eine Quellensteuer von 27,5 Prozent. Davon werden 15 Prozentpunkte auf die in Deutschland fällige Abgeltungsteuer angerechnet. Die übrigen 12,5 Prozent Quellensteuer muss man in einem gesonderten Antragsverfahren beim Finanzamt für Großbetriebe in Wien zurückgefordert. Das lief bisher auch problemlos – jetzt aber nicht mehr.
Neues Gerichtsurteil
Grund ist ein von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt gebliebenes Gerichtsurteil eines österreichischen Verwaltungsgerichtes sowie eine daran anschließende gesetzliche Neuregelung, in der die Alpenrepublik plötzlich rückwirkend ab 2023 hohe Nachweisvoraussetzungen an die Rückerstattungsanträge ausländischer Investoren knüpft.
Die Behörde in Wien fordert plötzlich neben dem Dividendenbeleg eine Bewegungsaufstellung inklusive Bestätigung (Stempel/Unterschrift) der Depotbank für den Zeitraum von einem Monat vor der Hauptversammlung der jeweiligen AG bis einem Monat nach dem jeweiligen Ex-Tag, also dem Tag der Dividendenauszahlung. Quartalsauszüge der Depotbanken reichen nicht.
Hohe Bankgebühren drohen
Diese speziellen Nachweise lassen sich einige deutsche Depotbanken aber teuer bezahlen – verlangt werden bis zu 50 Euro – für jede einzelne zu bestätigende Dividendenzahlung. Tipp Je nach Depotbank und Höhe des Depotwerts macht es für viele Anleger keinen Sinn mehr, in Österreich bezahlte Quellensteuern zurückzufordern.
Österreichische Dividenden Blue Chips
Unternehmen ISIN Branche Dividendenrendite (2026)
OMV AG AT0000743059 Öl, Gas & Energie 9,30 % (inkl. Sonderdividende)
BAWAG Group AG AT0000BAWAG2 Banken / Finanzwesen 7,80 %
Raiffeisen Bank Int. (RBI) AT0000606306 Banken / Finanzwesen 7,20 %
UNIQA Insurance Group AT0000821103 Versicherungen 7,00 %
Österreichische Post AG AT0000APOST4 Logistik & Transport 5,9 %
Fazit
Ein Investment in Österreich lohnt sich für deutsche Aktionäre bei kleineren Depotpostionen trotz üppiger Dividenden aus steuerlicher Sicht möglicherweise nicht mehr.