Kostenlose ETFs und niedrige Gebühren zum Start klingen verlockend. Doch beim Altersvorsorgedepot zählt, was Sparer über die gesamte Laufzeit zahlen.

Ab 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot die private Vorsorge verändern. Banken, Broker und Versicherer werben teilweise schon jetzt mit niedrigen oder zeitweise ganz entfallenden Kosten. Doch bevor die endgültigen Konditionen feststehen, lohnt sich Zurückhaltung: Bei einem Produkt, das Jahrzehnte laufen soll, zählt nicht der Rabatt zum Start, sondern die Gebührenrechnung über die gesamte Laufzeit.

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Was kann das neue Altersvorsorgedepot?

Das neue Altersvorsorgedepot wird zum 1. Januar 2027 starten. Es soll staatliche Förderung mit einer stärker kapitalmarktorientierten privaten Altersvorsorge verbinden. Neben einem Steuerbonus gibt es eine Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr sowie gegebenenfalls eine Kinderzulage und einen Berufseinsteigerbonus. Die Resonanz auf die Reform ist sehr positiv; viele Experten erwarten großes Interesse am neuen Altersvorsorgedepot.

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Erste Anbieter locken mit niedrigen Kosten

Dementsprechend bringen sich Banken, Broker, Fondsgesellschaften und Versicherer in Stellung und versuchen, potenzielle Kundinnen und Kunden früh auf ihre Angebote aufmerksam zu machen. Die Ankündigungen klingen kämpferisch:

Scalable Capital stellt für sein geplantes Standarddepot unter anderem keine Depot- und Ordergebühren in Aussicht; die Kosten der enthaltenen ETFs sollen im ersten Jahr entfallen und danach höchstens 0,15 Prozent pro Jahr betragen. Auch Smartbroker+ bietet ein Null-Gebühren-Modell und will mindestens in den ersten drei Jahren 100 Prozent der laufenden Fondskosten (TER) der ETFs übernehmen.

Noch gibt es allerdings keine vollständigen Preis- und Leistungsverzeichnisse und Vertragsbedingungen. Und: Ein zeitlich begrenzter Rabatt sagt wenig darüber aus, was das Produkt später insgesamt kostet.

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Auch kleine Gebühren haben große Wirkung

Bei der Altersvorsorge wirken Kosten über einen besonders langen Zeitraum. Sie werden Jahr für Jahr vom angesparten Vermögen abgezogen. Dadurch fehlt nicht nur der Gebührenbetrag selbst: Auch die Rendite, die dieses Geld in den folgenden Jahren hätte erwirtschaften können, geht verloren. 

Dieser Zinseszinseffekt kann aus einem scheinbar kleinen jährlichen Kostenunterschied über Jahrzehnte einen erheblichen Betrag machen. Das zeigt eine sehr einfache Modellrechnung: Wer 30 Jahre lang monatlich 150 Euro investiert, zahlt insgesamt 54.000 Euro ein. Angenommen, zwei ETFs erzielen vor Kosten jedes Jahr durchschnittlich 6 Prozent Rendite: Bei laufenden Kosten von 0,2 Prozent kämen am Ende vereinfacht rund 141.000 Euro heraus. 

Bei Kosten von 1,0 Prozent wären es aber schon rund 122.000 Euro – ein Unterschied von etwa 19.000 Euro. Deshalb sind die Gesamtkosten entscheidend – einschließlich der laufenden Kosten der Fonds oder ETFs und zwar über die gesamte geplante Laufzeit. 

Erst vergleichen, wenn der Markt vollständig ist

Außerdem: Die angekündigte staatlich organisierte Standardlösung steht noch nicht bereit. Wie sie konkret ausgestaltet wird und wann sie verfügbar sein wird, ist noch offen. Wer jetzt ausschließlich die ersten privaten Ankündigungen vergleicht, entscheidet also womöglich, bevor eine wichtige Alternative überhaupt auf dem Tisch liegt.

Aber ein guter Einstiegspreis macht noch kein gutes Vorsorgeprodukt. Wer sich nicht von befristeten Gratisversprechen drängen lässt, kann besser beurteilen, welches Angebot langfristig trägt.

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Häufige Fragen

Wann startet das neue Altersvorsorgedepot?

Das neue Altersvorsorgedepot soll zum 1. Januar 2027 starten.

Welche staatliche Förderung ist beim Altersvorsorgedepot vorgesehen?

Vorgesehen sind eine Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr sowie gegebenenfalls eine Kinderzulage und ein Berufseinsteigerbonus.

Warum sind die Gebühren beim Altersvorsorgedepot so wichtig?

Gebühren werden Jahr für Jahr vom angesparten Vermögen abgezogen. Dadurch fehlt auch das Geld, das darauf künftig Rendite erwirtschaften könnte. Über eine lange Laufzeit kann sich dieser Effekt deutlich summieren.