Wenn KI-Agenten eigenständig investieren und Kapital vermehren – wem gehört dann der Reichtum? Wall-Street-Experte Tom Lee warnt vor einem Wendepunkt, der alles verändern könnte.
Wird KI bald den Menschen übertrumpfen? Tom Lee, Mitgründer und Head of Research beim US-amerikanischen Analysehaus Fundstrat Global Advisors, warnt vor einem beunruhigenden Szenario: Laut der Kryptodaten-Plattform CoinMarketCap spricht er vom sogenannten „Uncanny Valley of Wealth" – einem Punkt, an dem KI-Agenten wohlhabender werden als Menschen.
Seine These: „Blockchain ist die Barriere zwischen Menschen und KI" – und damit der entscheidende Schutzmechanismus, der die Kontrolle in menschlichen Händen hält. Der Wall-Street-Analyst gilt als prominenter Befürworter von Kryptowährungen.
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Exkurs: Was hinter Lees These steckt
Den Begriff „Uncanny Valley" kennt man ursprünglich aus der Robotik: Er beschreibt das Unbehagen, das Menschen empfinden, wenn eine Maschine dem menschlichen Erscheinungsbild sehr nahekommt – ohne es ganz zu erreichen. Lee überträgt dieses Konzept auf die Vermögensfrage: In einem Zwischenstadium der KI-Entwicklung könnten Maschinen so viel wirtschaftliche Macht akkumulieren, dass sie Menschen faktisch überflügeln – ohne dass die Gesellschaft bislang Regeln oder Schutzmechanismen dafür entwickelt hat. Denn wenn KI-Agenten eigenständig Kapital verwalten, investieren und vermehren, stellt sich die Frage, wem dieser Reichtum eigentlich gehört – und wer ihn kontrolliert.
KI am Finanzmarkt: Längst ein fester Akteur
KI spielt bereits heute eine bedeutende Rolle in der Finanzwelt. So konnten Banken wie die HSBC mithilfe von KI die Zahl falscher Betrugsmeldungen um 20 Prozent senken. Im algorithmischen Handel reagieren KI-Agenten in Mikrosekunden auf Marktveränderungen und nutzen Arbitragemöglichkeiten, die kein Mensch schnell genug erfassen könnte.
Unternehmen wie BlackRock und Binance setzen bereits auf sogenannte Predictive Analytics, um Portfolios proaktiv statt reaktiv anzupassen – mit messbaren Renditevorteilen. Immer mehr Roboadvisors und KI-gemanagte Fonds werden aufgelegt, zumeist aber noch mit menschlicher Unterstützung und unter der Kontrolle von Banken und Vermögensverwaltern.
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Wettbewerb zeigt: Noch verdient KI kein Geld an der Börse
Bislang erwirtschaftet KI ohne menschliche Aufsicht kaum Vermögen an der Börse: Bei einem öffentlichen Wettbewerb namens „Alpha Arena" durften acht KI-Modelle zwei Wochen lang jeweils 10.000 Dollar am echten Markt investieren. Das Ergebnis war ernüchternd: Nur ein einziges Modell – Grok 4.2 – erzielte einen Gewinn von knapp zehn Prozent. Grok 4.0 hingegen verlor fast 64 Prozent. Die Ursachen: übermäßig häufiges Handeln, hohe Transaktionskosten, falsches Timing und eine fehlerhafte Gewichtung von Einflussfaktoren.
„Große Sprachmodelle können nicht wirklich eigenständig Geld verdienen", sagt Jay Azhang, Gründer des auf Finanzmärkte spezialisierten KI-Forschungslabors Nof1, laut "Wirtschaftswoche". Es brauche dafür ein hochkomplexes technisches Fundament – bestehend aus Framework, Infrastruktur und Datenplattform. Alexander Izydorczyk, Leiter der Datenanalyse beim Technologie-Hedgefonds NX1 Capital, erklärt, dass bislang kein KI-Agent einen anhaltenden Wettbewerbsvorteil nachweisen konnte – unter anderem, weil die Systeme die geheimen Handelstaktiken erfahrener Marktteilnehmer nicht kennen.
Eine menschliche Kontrollinstanz bleibt also vorerst unverzichtbar. Doch sollte sich das ändern und KI tatsächlich in der Lage sein, eigenständig Geld zu verdienen, müssen rechtzeitig belastbare Regelwerke geschaffen werden.
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Häufige Fragen
Wer ist Tom Lee?
Tom Lee ist ein bekannter US-amerikanischer Finanzstratege, Wall-Street-Analyst und ein prominenter Befürworter von Kryptowährungen. Als Mitbegründer von Fundstrat Global Advisors ist er regelmäßig in Wirtschaftsmedien wie CNBC präsent und erlangte durch seine oft optimistischen (bullischen) Marktprognosen große Bekanntheit.
Kann KI bereits eigenständig Geld an der Börse verdienen?
Noch nicht zuverlässig. Beim Wettbewerb „Alpha Arena" verlor die Mehrheit der KI-Modelle Geld; nur eines erzielte einen Gewinn. Experten betonen, dass KI ohne menschliche Aufsicht und komplexe technische Infrastruktur bislang keinen dauerhaften Handelsvorteil erzielen kann.
Welche Rolle spielt Blockchain im Verhältnis zwischen KI und Mensch?
Laut Tom Lee ist Blockchain die entscheidende Barriere zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz. Als transparentes, dezentrales System könnte es sicherstellen, dass KI-Agenten nicht unkontrolliert Kapital akkumulieren – und die wirtschaftliche Kontrolle beim Menschen bleibt.
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