Vermögende Anleger halten derzeit ungewöhnlich große Teile ihres Vermögens in Barmitteln. Was dahintersteckt.
Es ist eine alte Binsenweisheit: Wer Geld vermehren will, muss es investieren. Doch gerade scheinen vermögende Privatpersonen das Gegenteil zu tun: Einer Goldman-Sachs-Umfrage zufolge halten Amerikaner mit mindestens einer Million US-Dollar an investierbarem Vermögen rund 20 Prozent ihres Nettovermögens in Barmitteln oder Zahlungsmitteläquivalenten. Als Gründe wurden die höhere Marktvolatilität und die Sorge vor anhaltend hoher Inflation genannt.
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Warren Buffetts Berkshire Hathaway hält 365 Milliarden Dollar in Barmitteln
Auch Superreiche stechen mit hohen Liquiditätsquoten hervor. Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway verfügte beispielsweise im August 2026 über rund 365,5 Milliarden US-Dollar an Barmitteln. Auch wenn es für Unternehmen wie Berkshire viele gute Gründe gibt, Bargeld zu halten, zeigt sich doch: In unsicheren Zeiten gewinnt Liquidität an Wert.
Cash lässt sich schnell einsetzen, wenn sich an den Märkten Chancen ergeben. Zugleich schützt es einen Teil des Vermögens vor kurzfristigen Kursverlusten. Dieser Schutz hat allerdings einen Preis: Liegt das Geld unverzinst auf dem Girokonto, verliert es bei steigenden Preisen schleichend an Kaufkraft und damit an Wert.
Bei einer US-Inflationsrate von 3,4 Prozent, wie sie im Juli gemessen wurde (Inflationsrate in Deutschland lag im August bei 2,9 Prozent) müsste ein Konto entsprechend verzinst werden, damit die Kaufkraft erhalten bleibt – Steuern noch nicht berücksichtigt.
Vermögende Anleger lassen ihre Liquidität deshalb häufig nicht einfach auf einem unverzinsten Konto liegen. Sie nutzen je nach Ziel und Risikobereitschaft verzinste Tages- und Festgeldkonten, Geldmarktfonds oder kurzlaufende Staatsanleihen. Diese Anlagen können einen Ertrag bringen und bleiben – zumindest teilweise – relativ liquide.
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Cash beliebt: Warum die Superreichen auf alternative Anlagen setzen
Je größer das Vermögen, desto häufiger reicht die klassische Aufteilung auf Aktien, Anleihen und Bankguthaben nicht mehr aus. Laut der Goldman-Sachs-Umfrage investieren fast vier von zehn Personen mit 1 bis 5 Millionen US-Dollar investierbarem Vermögen auch in alternative Anlagen. Bei Menschen mit mehr als 10 Millionen US-Dollar sind es demnach 80 Prozent.
Der Begriff „alternative Anlagen“ ist allerdings weit gefasst. Dazu gehören beispielsweise:
- Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen und Start-ups,
- Private Debt, also privat vergebene Kredite,
- Hedgefonds,
- Immobilien und Infrastruktur,
- Rohstoffe wie Gold,
- sowie in manchen Definitionen Kunst, Sammlerstücke und Kryptowährungen.
Solche Anlagen können die Abhängigkeit von den Aktien- und Anleihemärkten verringern. Sie sind aber nicht automatisch sicherer. Viele sind illiquide, schwerer zu bewerten, teurer und weniger transparent als börsengehandelte Wertpapiere. Private-Equity-Fonds können beispielsweise über Jahre gebunden sein; bei Kunst oder Immobilien ist der tatsächliche Verkaufspreis oft erst im Nachhinein klar.
Gold als Beimischung immer beliebter
Gold nimmt unter den alternativen Anlagen eine besondere Rolle ein. Es wird häufig als Schutz gegen Inflation, Währungsrisiken und finanzielle Instabilität betrachtet. Außerdem bewegt sich der Goldpreis nicht immer im Gleichlauf mit Aktien und Anleihen. Das kann einem Portfolio in angespannten Marktphasen zusätzliche Stabilität verleihen.
Auch vermögende Anleger scheinen ihren Goldanteil auszubauen. Nach Angaben der UBS hielten sie 2025 etwa zwei Prozent ihres Vermögens in Gold und planten, diesen Anteil 2026 auf drei Prozent zu erhöhen. Relativ betrachtet ist das eine Steigerung um 50 Prozent, absolut bleibt Gold damit natürlich eine Beimischung.
Was weniger vermögende Anleger daraus lernen können
Für Kleinanleger ist es nicht unbedingt sinnvoll (oder überhaupt möglich), einfach die Strategien der Superreichen zu kopieren. Wer über mehrere Millionen verfügt, kann leichter einen größeren Cash-Anteil halten, ohne auf langfristige Renditechancen verzichten zu müssen. Außerdem haben sehr vermögende Menschen oft Zugang zu Anlageklassen und Produkten, die Kleinanlegern nicht offenstehen oder für sie wegen hoher Mindestbeträge und Gebühren unattraktiv sind.
Übertragbar sind jedoch einige Grundprinzipien:
1. Eine Liquiditätsreserve aufbauen. Ein Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben sollte nicht von der Börsenentwicklung abhängen. Wie groß er sein muss, hängt von Einkommen, Ausgaben und persönlicher Situation ab.
2. Cash sinnvoll parken. Geld, das in absehbarer Zeit benötigt wird, kann auf einem angemessen verzinsten Konto oder – abhängig von Ziel und Risiko – in einer passenden kurzfristigen Anlage liegen. Wichtig sind dabei Zugänglichkeit, Kosten und Einlagensicherung.
3. Nicht alles auf eine Anlageklasse setzen. Ein breit gestreutes Portfolio aus unterschiedlichen Anlageklassen kann robuster sein als einzelne Aktien, Branchen oder Rohstoffe.
4. Den Anlagehorizont berücksichtigen.
5. Kosten und Risiken prüfen. Gebühren, Bindungsfristen, fehlende Transparenz und steuerliche Folgen können die Rendite deutlich schmälern.
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Häufige Fragen
Warum halten US-Superreiche derzeit so viel Geld in Barmitteln?
Amerikaner mit mindestens einer Million US-Dollar investierbarem Vermögen halten rund 20 Prozent ihres Nettovermögens in Barmitteln oder Zahlungsmitteläquivalenten. Als Gründe gelten die höhere Marktvolatilität und die Sorge vor anhaltend hoher Inflation. Liquidität ermöglicht zudem schnelle Investitionen bei sich ergebenden Marktchancen und schützt teilweise vor kurzfristigen Kursverlusten.
In welche Anlagen investieren vermögende Anleger ihre Liquidität?
Vermögende Anleger nutzen unter anderem verzinste Tages- und Festgeldkonten, Geldmarktfonds und kurzlaufende Staatsanleihen. Diese Anlagen können Erträge bringen und bleiben zumindest teilweise liquide. Je größer das Vermögen ist, desto häufiger kommen außerdem alternative Anlagen wie Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen, Private Debt, Hedgefonds, Immobilien, Infrastruktur und Rohstoffe hinzu.
Welche Risiken haben hohe Cash-Bestände und alternative Anlagen?
Unverzinstes Geld verliert bei steigenden Preisen schleichend an Kaufkraft. Alternative Anlagen sind zudem nicht automatisch sicherer als Aktien oder Anleihen, weil sie häufig illiquide, schwerer zu bewerten, teurer und weniger transparent sind. Bei Private-Equity-Fonds kann das Kapital über Jahre gebunden sein, während sich der tatsächliche Verkaufspreis von Kunst oder Immobilien oft erst im Nachhinein zeigt.
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