Bitcoin Cash 

Der „kleine Bruder“ des Bitcoin war lange Zeit ein vielversprechender Kandidat für ein digitales Zahlungsmittel. Doch davon ist aktuell nichts mehr zu sehen.

Während das digitale Urgestein Bitcoin nach dem jüngsten KI-Tech-Ausverkauf an den US-Märkten bei rund 62.000 Dollar konsolidiert, erlebt sein bekanntester Ableger Bitcoin Cash ein regelrechtes Fiasko. Die Kryptowährung verzeichnete in den vergangenen Wochen überproportional hohe Verluste und stürzt im Vergleich zu ihrer historischen Peergroup drastisch ab. Wo das Original durch regulatorische Meilensteine wie Spot-ETFs und institutionelle Kapitalzuflüsse glänzt, offenbart sich bei der vermeintlichen Value-Alternative BCH eine existenzielle Identitätskrise. 


Chronologie der Abspaltungen

Die Saga begann im Januar 2009 mit der Schöpfung des originalen Bitcoin durch das pseudonyme Genie Satoshi Nakamoto. Das revolutionäre Konzept sah ein dezentrales, zensurresistentes elektronisches Bargeldsystem vor. Um das Netzwerk vor bösartigen Spam-Angriffen zu schützen, wurde die Blockgröße der Blockchain damals auf ein Megabyte begrenzt. Mit rasant steigender Popularität stieß diese Kapazitätsgrenze im Jahr 2017 an ihre Grenzen, was zu langen Transaktionszeiten und explodierenden Gebühren von teilweise über 30 Dollar pro Überweisung führte. Innerhalb der Entwickler- und Miner-Gemeinschaft bildeten sich zwei unversöhnliche Lager, die den künftigen Skalierungsweg blockierten.

Die sogenannten Small Blocker plädierten für den Erhalt der geringen Blockgröße von einem Megabyte, um die Dezentralität des Netzwerks zu wahren. Ihre Prämisse war, dass größere Blöcke teurere Hardware erfordern, was private Netzwerkknoten verdrängen und zur Zentralisierung führen würde. Sie setzten stattdessen auf Lösungen wie das Lightning-Netzwerk. Die gegnerischen Big Blocker forderten hingegen eine sofortige Erhöhung des Blocklimits, um Bitcoin als globales, extrem schnelles und kostengünstiges Zahlungssystem für alltägliche Transaktionen zu etablieren. Dieser ideologische Grabenkrieg gipfelte am 1. August 2017 in der Geburtsstunde von Bitcoin Cash durch eine Hard Fork, also eine radikale, nicht abwärtskompatible Abspaltung der Blockchain. BCH hob das Blockgrößenlimit sofort von einem Megabyte auf acht Megabyte an und verwarf spätere BTC-Optimierungen. Doch der Geist der Abspaltung war damit erst richtig entfesselt und führte in der Folge zu einer Kaskade weiterer Klone.

Im Oktober 2017 folgte Bitcoin Gold (BTG). Der primäre Grund für diese Fork war die Unzufriedenheit über die zunehmende Zentralisierung der Mining-Macht bei spezialisierten Hardwareherstellern. Bitcoin Gold änderte den Algorithmus zu Equihash, um das Schürfen wieder mit haushaltsüblichen Grafikkarten zu ermöglichen und das Netzwerk zu demokratisieren. Nur einen Monat später, im November 2017, betrat Bitcoin Diamond (BCD) die Bildfläche. Diese Abspaltung erhöhte nicht nur das Blockgrößenlimit auf acht Megabyte, sondern verzehnfachte auch die maximale Geldmenge von den klassischen 21 Millionen Einheiten auf 210 Millionen Einheiten. Damit wollten die Initiatoren den optischen Stückpreis künstlich niedrig halten, um die psychologische Hemmschwelle für alltägliche Einkäufe zu senken. Beide Projekte versanken jedoch aufgrund von Sicherheitsmängeln und mangelnder Entwickleraktivität rasch in der Bedeutungslosigkeit.

Das größte Drama innerhalb dieses Klon-Universums ereignete sich jedoch im November 2018 auf der Kette von Bitcoin Cash selbst. Ein erbitterter Richtungsstreit über die zukünftige Ausrichtung führte zu einem erneuten, prominenten Bruch: Bitcoin Satoshi Vision (BSV) spaltete sich von BCH ab. Angeführt vom australischen Unternehmer Craig Wright, der damals behauptete, der wahre Satoshi Nakamoto zu sein, hob BSV das Blockgrößenlimit schrittweise auf erst 128 Megabyte und später auf unbegrenzte Kapazitäten an. Mit jeder weiteren Spaltung, wie dem späteren Abgang von Bitcoin Cash ABC im Jahr 2020, das sich heute eCash nennt, fragmentierte sich die Community jedoch weiter, was die Liquidität verwässerte und das Vertrauen der Anleger nachhaltig erschütterte.

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Von allen alternativen Wegen, die bei Bitcoin-Abspaltungen eingeschlagen wurden, ist der Ansatz von Bitcoin Cash noch der vielversprechendste. BTG und BCD sind längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Fundamentale Schwäche

Betrachtet man die harten Kennzahlen, wird das Ausmaß des Scheiterns von Bitcoin Cash schonungslos offengelegt. Die Relation der Marktkapitalisierung verdeutlicht den unbarmherzigen Trend: Brachte es BCH kurz nach der Fork im Jahr 2017 zeitweise noch auf fast 20 Prozent der Marktkapitalisierung von Bitcoin, so liegt dieser Wert heute bei einem vernichtenden Bruchteil von unter 0,5 Prozent. Während Bitcoin eine Marktkapitalisierung von über 1,2 Billionen Dollar verteidigt, rangiert BCH abgeschlagen im einstelligen Milliardenbereich. Obwohl die BCH-Blockchain mit einer maximalen Blockgröße von mittlerweile 32 Megabyte theoretisch Millionen von Transaktionen fast kostenlos abwickeln könnte, bleibt das reale On-Chain-Volumen verschwindend gering. Die erhoffte weltweite Akzeptanz im globalen Handel ist ausgeblieben; fast niemand nutzt die Währung im Alltag.

Die aktuellen überproportionalen Kursverluste haben somit handfeste wirtschaftliche Katalysatoren. Erstens leidet das Asset unter der allgemeinen Liquiditätswende. Sobald die großen Tech-Indizes an den klassischen Börsen korrigieren, flieht das spekulative Kapital zuerst aus hochriskanten Altcoins ohne institutionelles Fundament. Zweitens hat Bitcoin Cash ein unlösbares Differenzierungsproblem. Das einstige Kernargument – billige und schnelle Transaktionen – wurde durch die Evolution des Krypto-Ökosystems vollständig entwertet. Moderne Konkurrenten wie Solana wickeln Zehntausende Transaktionen für Bruchteile eines Cents ab, während das originale Bitcoin-Netzwerk über hocheffiziente Layer-2-Skalierungslösungen wie das Lightning-Netzwerk ebenfalls blitzschnelle Kleinstzahlungen ermöglicht, ohne die fundamentale Sicherheit der Basis-Blockchain zu opfern.

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Allein 2026 hat Bitcoin Cash knapp zwei Drittel seines Wertes eingebüßt. Im aktuellen Chartbild ist eine Trendwende nicht in Sicht.

Fazit

Keine Wende in Sicht

Es sieht düster aus bei Bitcoin Cash. Der aktuelle Überverkauf klingt zwar nach perfekten Einstiegskursen, für einen Turnaround fehlen aber die Argumente.

Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanz­instrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin, Bitcoin Cash.

Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanz­instrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kurs­entwicklung profitieren können: Bitcoin.