Ein stärkerer Fokus auf kurzfristige Belastungsfaktoren bremst die Aufwärtsbewegung des Bitcoin. Das spekulative Interesse konzentrierte sich deshalb auf einige Altcoins. Bei diesen sollte aber auch das Problem möglicher Delistings beachtet werden
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 16. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 39/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Auch nach der Bildung eines Golden Cross in der vergangenen Woche setzte der Bitcoin seine Seitwärtsbewegung bei 80.000 US-Dollar fort. Zuletzt wurden wieder verstärkt Belastungsfaktoren diskutiert, etwa der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Ein steigender Zins wäre Gift für Wachstumsunternehmen und entzöge auch dem Bitcoin Liquidität. Andererseits wird auf mittlere und längere Sicht die Position von Bitcoin als Inflations-Hedge gestärkt. Wichtiger als die Notenbankentscheidung könnte der Start der Quartalsberichtssaison in den USA ab Mitte Oktober werden. Bei negativen Überraschungen könnte es turbulent werden, auch angesichts der Midterm-Wahlen Anfang November. Dies könnte zudem die Hängepartie um den Clarity Act verlängern. Der Gesetzentwurf zur Regulierung von Kryptowährungen und digitalen Vermögenswerten soll festlegen, wann ein Krypto-Asset als Wertpapier eingestuft wird, und betrifft vor allem den Altcoin-Markt.
Einige Altcoins sorgten zuletzt mit spektakulärem Plus für Furore. Wir haben einige hier empfohlen, gleichzeitig aber auch immer wieder auf die Notwendigkeit von Gewinnrealisierungen hingewiesen. Zudem scheint es sinnvoll, danach nicht sofort alles wieder für neue Engagements einzusetzen, sondern tendenziell die Cashposition im Depot zu erhöhen. Bei größeren Rücksetzern wären dann wieder Nachkäufe auf lukrativem Niveau möglich.
Warnsignal Delisting
Außerdem sollten Altcoin-Anlegern die Probleme rund um Delistings bei verschiedenen Kryptobörsen bewusst sein, wenn Coins aus dem Handelsangebot genommen und nicht mehr gehandelt werden. Gründe dafür können ein zu geringes Handelsvolumen sein, wodurch der Handel für die Kryptobörse nicht mehr attraktiv ist. Ebenso möglich sind Sicherheitsprobleme oder technische Defekte. Oft erlahmen auch die Entwickleraktivitäten, oder es gibt regulatorische Risiken. Zwar kann bei einem Delisting bei einer Kryptobörse der Coin dann noch bei anderen Kryptobörsen gehandelt werden. Allerdings ist das ein Warnzeichen für eine sinkende Liquidität und Attraktivität.
Außerdem muss der Anleger dann oft erst ein neues Konto bei einer anderen Kryptobörse eröffnen, um den Coin dort handeln zu können. Jedenfalls nimmt die Häufigkeit von Delistings immer mehr zu. Dies betrifft zwar meist kleinere Coins, weshalb man bei diesen generell nicht zu große Positionen halten sollte. Aber es können durchaus auch große Coins betroffen sein. So hat Bitfinex im August neben anderen auch einige Coins aus den Top 100 aus dem Handel genommen wie Cosmos, Jupiter oder Nexo. Cosmos ist ein Paradebeispiel für eine ursprünglich aussichtsreiche Blockchain, die als Internet of Blockchain vermarktet wurde. Durch neuere Entwicklungen verlor das Modell aber an Attraktivität. Nach solchen Delisting-Ankündigungen von Kryptobörsen kommt es leicht zu überproportionalen Kursverlusten, insbesondere bei kleineren Coins. Deswegen sollte man solche Ankündigungen aufmerksam verfolgen. Insbesondere von Kryptobörsen, bei denen der Anleger selbst handelt.
Bitcoin-Klone mit Nachholbedarf
Investitionen in ausgewählte Altcoins waren zuletzt sehr lukrativ. So stiegen die im März als „Coin der Woche“ empfohlenen Zcash um 400 Prozent in nur einem halben Jahr an. Dadurch ist der mittlerweile größte Privacy Coin wieder in die Top Ten der größten Kryptocoins aufgestiegen. Teilverkäufe zur Gewinnrealisierung hatten wir bereits empfohlen. Nun könnte es sich lohnen, die Restbestände über die Steuerfrist von einem Jahr zu bringen. Allerdings geraten Privacy Coins immer wieder ins Visier der Regulatoren, denen die Anonymität bei Transaktionen ein Dorn im Auge ist. Zuletzt profitierte der Kurs vom Start eines Zcash-ETF an der NYSE. Der Kurs hat so ein neues Allzeithoch erreicht, wenn man von den völlig überzogenen Kursen zu Beginn des Börsenhandels Ende 2016 absieht. Damit ist Zcash eine Ausnahme, denn die meisten der älteren Altcoins stehen weit unter ihren Allzeithochs aus früheren Jahren. Das trifft auch auf die Bitcoin-Klone Litecoin und Bitcoin Cash zu. Litecoin notieren 87 Prozent und Bitcoin Cash sogar 95 Prozent unter ihren Allzeithochs. Nimmt man den Bitcoin selbst
als Kurswährung für die beiden Coins, dann bewegen sich diese auf absolutem Tiefstniveau. Von daher hat sich hier Aufholbedarf angestaut. In der Vergangenheit gab es in solchen Situationen immer wieder Phasen, in denen die vernachlässigten Coins eine starke Outperformance gegenüber dem Bitcoin zeigten. Eine solche Phase könnte derzeit wieder bevorstehen. Sowohl Litecoin als auch Bitcoin Cash bieten auf den derzeitigen Kursniveaus attraktive Chancen. Litecoin hat sich bereits über der 200-Tage-Linie etabliert. Zur Erinnerung: Für Neukäufe sollte nur noch ein Teil der vorher durch Gewinnrealisierung erzielten Beträge eingesetzt werden.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin, Bitcoin Cash.