Die Spekulation ist aufgegangen. Und es könnte in den kommenden Monaten noch mehr möglich sein. Risikobereite Anleger schichten um

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 16. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 39/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Volltreffer. Bereits in der Ausgabe 32 war die Sorge der Redaktion groß, dass die Straße von Hormus nicht so schnell wieder frei befahrbar sein werde. Wir stellten zwei Calls auf den europäischen Gaspreis vor. Der Call mit dem höheren Hebel (WKN: VJ3BUQ) hat seinen Wert verfünffacht. Der zweite Call (VY2K30) mit dem damaligen Hebel von vier hat sich verdreifacht. Durch die Kursgewinne hat sich die Hebelwirkung reduziert. Anleger sollten den Gewinn mitnehmen, könnten aber einen Teil reinvestieren. Denn der Kursauftrieb könnte weitergehen.

Der europäische Gasmarkt steht vor einem neuen Stresstest. Der richtungsweisende TTF-Kontraktpreis für Erdgas in Europa hat zuletzt rund 79 Euro je Megawattstunde erreicht, den höchsten Stand seit Ende 2022. Seit Juli hat sich der Preis nahezu verdoppelt. Am Markt wird derzeit das Risiko eines Engpasses im kommenden Winter neu bewertet. Mit gutem Grund: Die europäischen Speicher sind nur zu 60 Prozent gefüllt. Das ist für September der niedrigste saisonale Stand seit 2009, dem Beginn der Datenaufzeichnung. Deutschland liegt mit 55 Prozent darunter. Die Bundesregierung setzt auf den Markt, doch die globalen Lieferströme könnten die erhoffte Dynamik untergraben. 

Der Konflikt im Nahen Osten beeinträchtigt die Ausfuhr von Flüssiggas aus Katar. Das Land zählt zu den wichtigsten LNG-Lieferanten des Weltmarkts. Fällt ein Teil der Mengen aus, konkurrieren europäische und asiatische Abnehmer um den Rest. 

Asien ist stärker von katarischem Flüssiggas-Importen abhängig als Europa. Das führte in den vergangenen Monaten zu Wettbewerb um flexible LNG-Mengen, die vor allem aus den USA kommen. Da der asiatische Gaspreis spürbar höher als der europäische Gaspreis gehandelt hat, verringerten sich die europäischen LNG-Importe. Nun wird in Asien durch das Wetterphänomen El Niño ein kälterer Winter erwartet, wodurch die Nachfrage noch höher ausfallen könnte. Durch die niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher wird auch die LNG-Nachfrage hierzulande ebenfalls hoch bleiben. Das kann eine Preisspirale in Gang setzen.

Fazit

Für die kommenden Monate sind drei Faktoren entscheidend: die LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten, das Wetter und der Füllstand europäischer Speicher. Ein kalter Winter bei gleichzeitig begrenztem LNG-Angebot hätte das Potenzial für einen weiteren Preissprung. Nach Einschätzung der Rohstoffanalysten der Commerzbank sind TTF-Erdgaspreise von 100 Euro je Megawattstunde im Winter möglich. Mutige Anleger können über Hebelpapiere mitverdienen. Zur Verlustbegrenzung sollten Anleger bei den Derivaten individuelle Stoppkurse setzen.

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