Es muss nicht immer Gold sein, um von Knappheit zu profitieren. Dieses Industriemetall hat die Krisenwährung sowohl seit Jahresbeginn als auch auf Zwölfmonatssicht hinter sich gelassen. Und hinter dieser Rally steckt mehr als Spekulation.

An der London Metal Exchange (LME) kostete Kupfer zuletzt mehr als 14.100 Dollar je Tonne und damit rund 14 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Damit übertraf das Industriemetall sein vergleichbares Vorjahresniveau sogar um 45 Prozent.

Kupferpreis nahe Rekordhoch: Lagerbestände schwinden

Hauptgrund ist der starke Rückgang der verfügbaren LME-Bestände. Sie liegen aktuell knapp oberhalb von 200.000 Tonnen, nachdem sie sich Mitte Mai noch über 400.000 Tonnen bewegten. Besonders brisant: Fast die Hälfte des verbliebenen Kupfers war bereits zur Auslieferung angemeldet und stand anderen Marktteilnehmern damit faktisch nicht mehr zur Verfügung. Allerdings herrscht global betrachtet nicht unbedingt ein akuter Mangel an Kupfer. Vielmehr befindet sich ein ungewöhnlich großer Teil der Vorräte am falschen Ort. Vor allem die USA ziehen erhebliche Mengen an.

Auslöser dieser Verschiebung ist die Erwartung möglicher US-Importzölle auf raffiniertes Kupfer. Händler bringen deshalb Metall in die Vereinigten Staaten, solange dies noch ohne zusätzliche Abgaben möglich ist. Die höheren US-Preise eröffnen attraktive Arbitragegeschäfte und verstärken den Zustrom.

Das hat Folgen für andere Regionen. Besitzer von Kupfer haben derzeit wenig Interesse daran, ihre Bestände an der LME abzugeben, wenn sie das Metall in den USA lukrativer verkaufen können. Gleichzeitig fließen zusätzliche Mengen nach China. Dort ist die Nachfrage zwar nicht außergewöhnlich stark, doch chinesische Hütten leiden unter einem knappen Angebot an Kupferkonzentrat und produzieren deshalb weniger raffiniertes Metall. Importe werden dadurch wichtiger.

Für Marktteilnehmer, die kurzfristig Kupfer benötigen oder fällige Terminkontrakte bedienen müssen, wird die Situation zunehmend unangenehm. Sinkt die tatsächlich verfügbare Menge stark genug, können Käufer gezwungen sein, immer höhere Preise zu akzeptieren. 

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Kupfer (ISIN: AF0000COPPER)

Für Kupfer sprechen auch fundamentale Argumente

Die aktuelle Rally lässt sich allerdings nicht allein mit Zollspekulation erklären. Kupfer ist für die Elektrifizierung der Weltwirtschaft kaum zu ersetzen. Stromnetze, Elektroautos und erneuerbare Energien benötigen große Mengen des Metalls. Hinzu kommt ein neuer Wachstumstreiber: Rechenzentren und die dafür erforderliche Energieinfrastruktur. Der Ausbau künstlicher Intelligenz erhöht damit indirekt ebenfalls den Kupferbedarf.

Auf der Angebotsseite lässt sich die Produktion dagegen nur langsam ausweiten. Neue Minen benötigen von der Entdeckung eines Vorkommens über Genehmigungen und Finanzierung bis zur Förderung häufig viele Jahre. Gleichzeitig kämpfen bestehende Minen teilweise mit sinkenden Erzgehalten und Produktionsausfällen. Dadurch besteht nur ein begrenzter Puffer, wenn die Nachfrage stärker steigt oder einzelne große Minen ausfallen.

Fazit: Derzeit treffen zwei Entwicklungen aufeinander. Kurzfristig verschärfen Handelsströme und Zollspekulationen die Knappheit, langfristig sorgen Elektrifizierung, Stromnetze, KI-Rechenzentren und begrenzte Minenkapazitäten für strukturellen Rückenwind. Der Kupferpreis ist nach seiner starken Rally zweifellos anfällig für Korrekturen. Die grundlegende Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Die Welt benötigt immer mehr Kupfer – und zusätzliches Angebot lässt sich nicht beliebig schnell schaffen.

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Häufige Fragen zum Thema

Was treibt den Kupferpreis so stark an?

Kupfer ist für die Elektrifizierung der Weltwirtschaft kaum zu ersetzen. Stromnetze, Elektroautos und erneuerbare Energien benötigen große Mengen des Metalls. Hinzu kommt ein neuer Wachstumstreiber: Rechenzentren und die dafür erforderliche Energieinfrastruktur. Der Ausbau künstlicher Intelligenz erhöht damit indirekt ebenfalls den Kupferbedarf. Auf der Angebotsseite lässt sich die Produktion alerdings nur langsam ausweiten. 


Wie investiere ich als Anleger in Kupfer?

Anleger können in Kupfer über börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen (ETCs), Aktien von Minenkonzernen oder breit gestreute Rohstoff-ETFs investieren. Direkte physische Käufe von Kupferbarren sind wegen hoher Aufschläge und Lagerproblemen unüblich. Reine Kupfer-ETFs sind in der EU aufgrund von Diversifikationsregeln nicht zugelassen.


Welche ETFs investieren in Kupfer?

Bekannte Kupfer-ETCs sind: 

- WisdomTree Copper (ISIN: GB00B15KXQ89): Der größte und liquideste Kupfer-ETC mit einer Gesamtkostenquote von ca. 0,49 % bis 0,54 % p.a.

- BNPP Kupfer (TR) ETC (ISIN: DE000PB8C0P8): Bildet den LME Copper Futures Index nach (Kosten: ca. 0,90 % p.a.)

- SG ETC COMEX Copper Futures / SG ETC Copper Future: Bildet den COMEX-Kupferkontrakt ab

- BNPP RICI Kupfer (TR) Enhanced ETC ist ein ETC auf einen optimierten Rohstoffindex mit Kupfergewichtung.