Der Goldpreis befindet sich nach Einschätzung der Deutschen Bank weiterhin in einer außergewöhnlichen Marktphase. Zwar haben die Analysten ihr Kursziel für das Edelmetall zuletzt nach unten angepasst, ihre grundsätzlich positive Einschätzung aber nicht aufgegeben.

Bereits im Juni reduzierte die Bank ihre Prognose für den Goldpreis im vierten Quartal 2026 auf 4.800 Dollar. In einer weiteren Aktualisierung wurde das Jahresendziel nun auf 4.600 Dollar gesenkt. Gleichzeitig hält die Deutsche Bank an ihrer Einschätzung fest, dass Gold seit August 2024 eine Phase eines sogenannten „explosiven Kursverhaltens“ durchläuft.

Der Begriff beschreibt eine Phase, in der sich ein Vermögenswert deutlich stärker entwickelt als es die historischen Durchschnittswerte erwarten lassen würden. Da sich der Goldpreis innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt hat, sehen die Analysten die Bezeichnung als gerechtfertigt an. In einer aktuellen Analyse wird die ungewöhnliche Goldpreisentwicklung anhand von drei unterschiedlichen Modellen untersucht. 

Historischer Vergleich: Gold deutlich über langfristigem Trend

Der erste Ansatz vergleicht Gold mit der langfristigen inflationsbereinigten Entwicklung anderer wichtiger Rohstoffe. Betrachtet wurden unter anderem Kupfer, Öl und sogar Brot als ungewöhnlicher Vergleichsmaßstab. Die historischen realen Wachstumsraten dieser Güter liegen laut Analyse zwischen 0,26 Prozent pro Jahr bei Brot und 3,44 Prozent bei Öl. Würde man diese langfristigen Wachstumsraten auf Gold übertragen, würde sich daraus ein deutlich niedrigerer Wert ergeben. Das Modell kommt auf einen theoretisch abgeleiteten Goldpreis von lediglich rund 2.600 Dollar. Dieser Ansatz verdeutlicht, dass die jüngste Goldrally im historischen Vergleich außergewöhnlich stark ausgefallen war und sich nicht allein mit langfristigen Rohstofftrends erklären lässt.

Der zweite Analyseansatz betrachtet Gold aus der Perspektive spekulativer Übertreibungen. Dafür nutzt die Deutsche Bank einen statistischen Test, den sogenannten Backward Supremum Augmented Dickey-Fuller-Test (BSADF-Test). Dieses Verfahren wird in der Finanzökonomie eingesetzt, um mögliche Blasenbildungen zu erkennen und zeitlich einzuordnen. Nach dieser Methode hätte der Goldpreis theoretisch sogar noch stärker steigen können. Das Modell signalisiert einen möglichen Höchststand von rund 6.400 Dollar. Gleichzeitig ergibt die Analyse ein mögliches Tief von etwa 3.700 Dollar. Damit zeigt der Ansatz vor allem eines: Die aktuelle Goldpreisphase weist zwar Merkmale einer spekulativen Bewegung auf, die Schwankungsbreite möglicher Szenarien bleibt jedoch sehr groß.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Bewertungsmodell sieht Goldpreis nahe 4.700 Dollar

Der dritte Ansatz der Deutschen Bank basiert auf einem klassischen Bewertungsmodell. Dabei wird versucht, aus verschiedenen Einflussfaktoren einen fairen Wert für Gold abzuleiten. Berücksichtigt werden unter anderem die Entwicklung des Aktienmarktes, insbesondere des S&P 500, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sowie Wechselkurse. Nach diesem Modell ergibt sich für Gold ein fairer Wert von rund 4.700 Dollar zum Jahresende. Dieser Wert wurde allerdings angepasst, nachdem sich das Tempo der offiziellen Goldkäufe – also der Käufe durch Zentralbanken – verlangsamt hatte. Dennoch liegt die Modellbewertung weiterhin nahe am aktuellen Jahresendziel der Deutschen Bank von 4.600 Dollar.

Die unterschiedlichen Modelle liefern damit kein einheitliches Bild. Während der historische Rohstoffvergleich auf eine deutliche Überbewertung hindeutet, signalisiert das Bewertungsmodell auf Basis makroökonomischer Faktoren einen deutlich höheren fairen Wert. Der Blasentest zeigt wiederum, dass sowohl deutlich höhere als auch niedrigere Preise möglich wären.

Langfristige Goldrenditen sprechen für das Edelmetall

Trotz der Unsicherheiten verweist die Deutsche Bank auf die langfristige Rolle von Gold als Vermögensspeicher. Betrachtet man die Entwicklung seit 1957 bis 2023, hat Gold den US-Verbraucherpreisindex übertroffen. Die durchschnittliche reale Rendite – also nach Abzug der Inflation – lag in diesem Zeitraum bei rund 2,5 Prozent pro Jahr. Diese Betrachtung berücksichtigt allerdings noch nicht die jüngste starke Aufwärtsbewegung seit 2024. Die Deutsche Bank sieht daher weiterhin strukturelle Faktoren, die den Goldpreis unterstützen können. Dazu zählen vor allem die Nachfrage der Zentralbanken, geopolitische Unsicherheiten und die langfristigen Herausforderungen durch hohe Staatsverschuldung.

Fazit: Für Anleger bedeutet die Analyse der Deutschen Bank vor allem, dass die kurzfristige Prognose schwieriger geworden ist, die langfristigen Argumente für Gold bleiben jedoch bestehen. Die jüngste Kurskorrektur zeigt zugleich, dass selbst ein langfristig positiver Markt von erheblichen Schwankungen geprägt sein kann.

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