Der KI-Boom ist keine Gewinn-Story, sondern eine Kreditblase – und die könnte Bitcoin auf eine Million Dollar treiben. So lautet die These von BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes.

Der enorme KI-Boom ruft immer mehr Kritiker auf den Plan: Auch BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes hält den Hype rund um KI-Rechenzentren für ein systemisches Risiko – und zieht in einem aktuellen Blogbeitrag sogar Parallelen zur Finanzkrise von 2008: „Die Geschichte der KI ist eine Kreditgeschichte wie 2008 und keine Gewinnerstory wie 2000."

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Hayes: „Die Geschichte der KI ist eine Kreditgeschichte wie 2008”

Zum Hintergrund: Bei der Dotcom-Blase 2000 wurden Unternehmen auf Basis reiner Wachstumsfantasien hochgetrieben. Die Finanzkrise 2008 hingegen war eine Kreditkrise: Zu viel Kapital floss auf Basis fragwürdiger Sicherheiten, bis das System kollabierte. Den KI-Boom ordnet Hayes in diese zweite Kategorie ein.

So wie zwischen 2006 und 2008 Hypothekenkredite trotz steigender Immobilienpreise weitervergeben wurden, finanzieren Banken und Kreditgeber heute den massiven Ausbau von KI-Rechenzentren und Energieinfrastruktur – auch dann, wenn die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Investitionen zunehmend fraglich wird, so Hayes Warnung.

Entscheidend sei dann nicht der laufende Boom, sondern der Moment, in dem das Wachstum nachlässt. Hayes erwartet, dass die Wachstumsraten der KI-Kapitalausgaben (CAPEX) ab Mitte bis Ende 2027 deutlich abflachen und dieser Effekt spätestens 2028 für breite Teile des Marktes sichtbar wird. Schwächere Schuldner würden dann unter massiven Druck geraten – während die Kreditvergabe noch weiterläuft. Das Ergebnis: eine Solvenzkrise unter hochverschuldeten Akteuren.

KI-Kredit-Boom: Was Zahlen und Experten dazu sagen

Hayes steht mit seiner Sorge nicht allein. Prominente Investoren wie Michael Burry und Jeremy Grantham warnen aktuell vor enormen Überbewertungen bei Tech-Giganten. Die Dimensionen des Schuldenaufbaus im KI-Sektor sind tatsächlich bemerkenswert: J.P. Morgan schätzt, dass die großen Hyperscaler – Amazon, Microsoft, Google und Meta – allein 2026 zusammen rund 697 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren werden. Finanziert wird das zunehmend mit Fremdkapital. Morgan Stanley und J.P. Morgan rechnen damit, dass der Sektor bis zu 1,5 Billionen US-Dollar an neuem Kredit aufnehmen muss, um den Aufbau zu stemmen. Allein 2025 flossen mindestens 200 Milliarden US-Dollar aus den Kreditmärkten in KI-Projekte – wobei Experten betonen, dass die tatsächliche Zahl wegen privater Deals deutlich höher liegen dürfte.

Laut Allianz Research wachsen die Kapitalausgaben der fünf größten US-Technologiekonzerne 2026 noch um rund 51 Prozent – sollen dann aber bis 2028 auf nur noch rund 5 Prozent Wachstum abflachen. Allianz selbst wertet das nicht als Warnsignal, sondern als „natürliche Verdauung einer außerordentlichen Ausgangsbasis" ohne Kurswechsel in der Überzeugung. Hayes hingegen sieht in genau dieser Abkühlung den Auslöser seiner Krisenthese – den Moment, an dem Kreditvergabe und reale Investitionsdynamik auseinanderlaufen.

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Was Hayes für Bitcoin erwartet

Aus dem Krisenszenario leitet Hayes Konsequenzen für Bitcoin ab. So erwartet er kurzfristig keine Rally. Eine Konsolidierung zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar hält er für wahrscheinlich, einen Rückgang auf 50.000 US-Dollar schließt er nicht aus. Wenn die KI-Kreditblase erste Risse zeigt, könnte Bitcoin sogar gemeinsam mit anderen Risikoanlagen verkauft werden – kein schneller Gewinner also.

Langfristig ist Hayes aber deutlich optimistischer: Wenn Kreditausfälle zunehmen und schwächere Schuldner kippen, erwartet er eine politische Notreaktion – größer als alles, was nach 2008 oder 2020 folgte. Washington und Peking würden, aus Gründen nationaler Sicherheit und systemischer Stabilität, massiv eingreifen und Geld in einem bisher ungesehenen Ausmaß drucken. Die daraus entstehende Liquiditätswelle würde knappe Vermögenswerte wie Bitcoin antreiben. Kursziel: eine Million US-Dollar oder mehr. Hayes nennt das einen „Crack-Up-Boom" – eine inflationsgetriebene Explosion der Vermögenspreise als direkte Folge exzessiver Geldschöpfung.

Bitcoin (ISIN: CRYPT0000BTC)

Warnung vor KI-Blase: Was Anleger wissen sollten

Hayes ist allerdings kein neutraler Beobachter. Nach eigenen Angaben hält er rund 90 Prozent seines Vermögens in Bitcoin – er profitiert direkt von bullischer Stimmung am Markt. Zudem lag er mit seinen Bitcoin-Prognosen in der Vergangenheit nicht immer richtig.

Gleichzeitig ist seine Kerndiagnose nicht von der Hand zu weisen. Die Zahlen belegen: Der Schuldenaufbau im KI-Sektor ist erheblich. Dass diese Kreditlast bei einer Abkühlung der Investitionsdynamik zu Verwerfungen führen kann, ist durchaus ein Problem, das eintreten kann, aber nicht muss.

Und selbst dann ist Hayes Kursziel für Bitcoin an eine Kette von Voraussetzungen geknüpft – globale Kreditkrise, staatliche Rettungsmaßnahmen in historischem Ausmaß, anschließende Liquiditätsflut –, von denen jede einzelne ungewiss ist. Anleger sollten also einen kühlen Kopf behalten.

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Häufige Fragen

Was ist eine Kreditblase und warum ist sie gefährlicher als eine normale Börsenblase?

Bei einer klassischen Börsenblase – wie der Dotcom-Blase 2000 – werden Aktien schlicht zu hoch bewertet. Platzt die Blase, verlieren Anleger Geld, aber die Schäden bleiben meist auf den Kapitalmarkt beschränkt. Eine Kreditblase ist weitreichender: Hier wurde der Boom auf Pump finanziert. Wenn die Investitionen nicht die erwarteten Erträge bringen, können Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr bedienen. Das zieht Banken, Kreditgeber und ganze Finanzketten mit in den Abgrund – wie 2008, als faule Hypothekenkredite das globale Bankensystem ins Wanken brachten.

Was bedeutet „Crack-Up-Boom" – und was hat das mit Bitcoin zu tun?

Der Begriff stammt vom Ökonomen Ludwig von Mises und beschreibt eine Situation, in der eine Krise durch massive Geldschöpfung bekämpft wird – mit dem Ergebnis, dass Vermögenspreise explodieren, nicht weil die Wirtschaft brummt, sondern weil das Geld an Wert verliert. Hayes erwartet genau das: Wenn KI-Kreditausfälle Regierungen zwingen, Billionen in die Märkte zu pumpen, würden knappe Güter wie Bitcoin davon profitieren – weil mehr Geld auf eine begrenzte Menge an Vermögenswerten trifft.

Warum sollte ich Hayes' Bitcoin-Prognose nicht einfach glauben?

Hayes ist kein neutraler Analyst. Er hält nach eigenen Angaben rund 90 Prozent seines Vermögens in Bitcoin – und hat ein offensichtliches Eigeninteresse an steigenden Kursen. Zudem hängt sein Szenario an einer langen Kette von Voraussetzungen: einer globalen KI-Kreditkrise, staatlichen Rettungsmaßnahmen in historischem Ausmaß und einer anschließenden Liquiditätsflut. Tritt auch nur eine dieser Bedingungen nicht ein, löst sich die Prognose auf. Seine Risikoanalyse zum KI-Sektor ist dennoch beachtenswert.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.