Das Industriemetall wird mehr denn je gebraucht, doch die Minen können nicht Schritt halten. Experten gehen von einem jahrelangen strukturellen Angebotsdefizit aus
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 21. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 44/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Der Aufwärtstrend ist ungebrochen. An den Metallbörsen in London und New York erreichte Kupfer historische Höchstwerte. Und die Aussichten für das Industriemetall sind vielversprechend. Der globale Markt steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die Internationale Energieagentur spricht vom „Zeitalter der Elektrizität“: Von 2026 bis 2030 soll der jährliche absolute Zuwachs der weltweiten Stromnachfrage im Schnitt 50 Prozent höher ausfallen als im vergangenen Jahrzehnt.
Heißt, immer mehr Strom muss erzeugt und vor allem auch transportiert und verteilt werden. Und dafür ist Kupfer ein Schlüsselrohstoff. Zuletzt wurde der Nachfrageboom auch noch durch den rasanten Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz beschleunigt. Ein modernes KI-Rechenzentrum benötigt durchschnittlich etwa 27 bis 39 Tonnen Kupfer pro Megawatt Rechenleistung. Ein Data Center, wie sie von Technologiefirmen wie Microsoft, Google, Amazon oder Meta betrieben werden, verschlingt beim Bau bis zu 50.000 Tonnen Kupfer. Eine Nachfrage, die nur sehr schwer zu decken sei, sagen Branchenkenner.
Geringe Ausbeute
Das Angebot wächst nicht im gleichen Tempo mit. Die zum Jahresanfang prognostizierte Erholung der Kupferminenproduktion lässt auf sich warten. Anstelle eines leichten Anstiegs der Primärförderung steht von Januar bis Juli ein leichtes Minus zu Buche. Die Gründe sind vielfältig. Arbeitskämpfe in großen Minen, wie zuletzt in Chile, gefährden die Produktion. Dazu kommen extreme Wetterbedingungen, die den Betrieb der Minen beeinträchtigen. So führte 2025 ein Ausfall in der zweitgrößten Kupfermine Grasberg in Indonesien zu erheblichen Marktverwerfungen und in Folge zu höheren Preisschwankungen. Der Schaden ist noch nicht gänzlich behoben.
Analysten von Benchmark Minerals rechnen bis Ende 2026 mit einem Produktionsausfall von annähernd 600.000 Tonnen Kupfer, was in etwa dem Jahresausstoß der drittgrößten Mine der Welt, Collahuasi in Chile, entsprechen würde. Zudem kämpfen alte Kupferminen mit weniger Erzgehalt im Gestein. Es muss immer mehr Gestein abgebaut und verarbeitet werden, um die gleiche Menge Kupfer zu gewinnen. Seit 1991 sind die Erzgehalte um 40 Prozent gesunken. Bis neue Minen an den Start gehen, dauert es im Schnitt 17 Jahre. Der höheren Nachfrage steht ein stagnierendes Angebot gegenüber.
Fazit
Über Hebelprodukte können Anleger überproportional am steigenden Preis verdienen. Je höher der Hebel, desto höher die Chance, wenn die Futures zulegen, aber auch das Verlustrisiko, wenn die Preise fallen. Stoppkurs setzen.