Gold und Silber stehen unter Druck. Trotzdem erwartet die Edelmetallbranche kräftige Gewinne - und erklärt auch warum.
Gold und Silber stehen wegen hoher Zinsen und steigender Anleiherenditen unter Druck. Die Edelmetallbranche bleibt trotzdem optimistisch. Das zeigte sich auf der diesjährigen Konferenz der London Bullion Market Association, kurz LBMA. Die LBMA ist ein international führender Branchenverband und setzt wichtige Standards für den weltweiten Großhandelsmarkt für Edelmetalle.
Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt BÖRSE ONLINE bei Google bevorzugen.
Goldpreis-Prognose: Edelmetallbranche bleibt optimistisch
Wie die Edelmetallplattform „Kitco News“ berichtet, rechnen die Teilnehmer der Konferenz in den kommenden zwölf Monaten mit deutlich höheren Preisen für Gold und Silber. Für Gold ergibt sich aus der Umfrage ein durchschnittliches Kursziel von 5.013,30 Dollar je Feinunze.
Ausgehend vom zum Zeitpunkt der Konferenz gemeldeten Preis von rund 4.163 Dollar entspräche dies einem Anstieg von etwa 20 Prozent. Aktuell liegt der Goldpreis bei rund 4.124 Dollar und damit sogar noch etwas niedriger.
Silber trauen die Befragten sogar eine deutlich stärkere Bewegung zu. Als Zielmarke wurden im Artikel 94,70 Dollar je Unze genannt. Das wäre ein Plus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem damaligen Kurs.
Tipp: Goldfolio ist Ihr Börsenbrief für die ganze Welt der Rohstoffe. Ob Gold, Silber, Kupfer oder aussichtsreiche Minenaktien – hier erhalten Sie fundierte Analysen, klare Empfehlungen und starke Strategien für Ihr Depot.
Zentralbanken bleiben ein wichtiger Preistreiber
Ein Hauptgrund für den Optimismus ist die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken. Diese betrachten Gold zunehmend nicht mehr nur als Schutz vor Inflation oder geopolitischen Krisen. Das Edelmetall soll auch dabei helfen, Währungsreserven breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom US-Dollar sowie von einzelnen Staatsanleihemärkten zu verringern.
Nach den auf der Konferenz vorgestellten Ergebnissen einer UBS-Umfrage nannten 65 Prozent der befragten Reserveverwalter die Diversifizierung als wichtigsten Grund für den Goldbesitz. Gold dürfte zudem zu den Anlageklassen gehören, deren Bestände die Zentralbanken in den kommenden zwölf Monaten weiter ausbauen wollen.
Hohe Renditen sind nicht automatisch schlecht für Gold
Steigende Zinsen und höhere Anleiherenditen gelten traditionell als Gegenwind für Gold, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft. Die Teilnehmer der LBMA-Konferenz sehen diesen Zusammenhang jedoch differenzierter.
Höhere Renditen können demnach auch ein Warnsignal für wachsende Haushaltsrisiken sein. Wenn Investoren für langfristige Staatsanleihen höhere Risikoaufschläge verlangen, deutet dies auf zunehmende Zweifel an der finanziellen Stabilität der Emittenten hin. Gleichzeitig verschärfen hohe Schulden die Sorge, dass Währungen langfristig an Kaufkraft verlieren könnten.
Von dieser Entwicklung profitiert die sogenannte „Debasement Trade“. Anleger investieren dabei in Sachwerte wie Gold, um sich gegen eine schleichende Entwertung von Papierwährungen abzusichern.
Silber profitiert von industrieller Nachfrage
Noch optimistischer fällt der Ausblick für Silber aus. Das Metall ist nicht nur ein Anlage- und Krisenwert, sondern wird auch in zahlreichen industriellen Anwendungen eingesetzt. Dazu gehören unter anderem Solarmodule, Elektrofahrzeuge, Rechenzentren und weitere Bereiche der Elektrifizierung.
Zwar versuchen Hersteller angesichts des hohen Silberpreises, den Materialeinsatz zu reduzieren. Eine vollständige Substitution ist in vielen Anwendungen jedoch schwierig. Gleichzeitig dürfte der Ausbau der Solarenergie, künstliche Intelligenz und Elektromobilität die strukturelle Nachfrage weiter erhöhen.
Auch die physische Nachfrage zeigte sich laut den Konferenzteilnehmern robust. Zeitweise hätten Händler wegen knapper Bestände Schwierigkeiten gehabt, die Nachfrage vollständig zu bedienen.
Fazit: Optimistische Prognose, aber hohe Risiken
Die Umfrage zeichnet ein ausgesprochen optimistisches Bild für die Edelmetalle und zeigt, dass die Branche trotz der aktuellen Belastungsfaktoren weiterhin von einer robusten langfristigen Nachfrage nach Gold und Silber ausgeht. Gold könnte demnach innerhalb eines Jahres die Marke von 5.000 Dollar erreichen. Silber wird sogar ein noch größerer prozentualer Anstieg zugetraut. Anleger sollten jedoch berücksichtigen, dass Edelmetalle starken Kursschwankungen ausgesetzt sind. Hohe Ölpreise, eine anhaltende Inflation, steigende Renditen und eine restriktive Geldpolitik können Gold und Silber jederzeit unter Druck setzen.
Wenn Sie sich für weitere Wirtschafts- und Börsennachrichten interessieren, könnte ein Probeabo von BÖRSE ONLINE das Richtige für Sie sein.
Häufige Fragen
Wie hoch könnte der Goldpreis laut LBMA-Umfrage steigen?
Die Delegierten erwarten für Gold in den kommenden zwölf Monaten einen durchschnittlichen Preis von 5.013,30 Dollar je Feinunze.
Welches Kursziel sehen die Experten für Silber?
Bei Silber wird ein Ziel von 94,70 Dollar je Unze genannt. Das entspräche gegenüber dem damaligen Kurs einem Anstieg von mehr als 50 Prozent.
Welche Risiken könnten Gold und Silber belasten?
Zu den wichtigsten Risiken zählen hohe Zinsen, steigende Anleiherenditen, eine anhaltende Inflation, hohe Ölpreise und eine restriktive Geldpolitik. Diese Faktoren können zu deutlichen Rücksetzern bei den Edelmetallpreisen führen.