Die erste Sitzung der US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh hat zweifellos überrascht. Viele Marktteilnehmer werteten die Aussagen als „falkenhafter“ als erwartet und belasteten dadurch die Stimmung an den Goldmärkten.

Die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen noch in diesem Jahr stieg daraufhin merklich an und liegt laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group aktuell beim 89 Prozent. Der Zusammenhang zwischen Goldpreis und Zinsniveau gilt zweifellos als ein wichtiger Einflussfaktor am Edelmetallmarkt. Steigen die Renditen von Anleihen oder Geldmarktanlagen, erhöhen sich die Opportunitätskosten (-> Zinsverzicht) einer Goldanlage. Anleger können ihr Kapital dann alternativ verzinst anlegen, während Gold keine Zinsen oder Dividenden ausschüttet. Dennoch mehren sich die Stimmen, die den jüngsten Rücksetzer eher als vorübergehende Verschnaufpause denn als Ende des langfristigen Aufwärtstrends interpretieren.

Genau dieser Mechanismus war nach der jüngsten Fed-Sitzung zu beobachten. Der Dollar legte zu, die Erwartungen an höhere Leitzinsen stiegen und der Goldpreis geriet unter Druck. Hinzu kam, dass sich die geopolitische Lage im Nahen Osten zuletzt etwas entspannte. Dadurch ging die Nachfrage nach klassischen Sicherheitsanlagen zurück. Für viele Anleger stellt sich nun die Frage, ob der mehrjährige Gold-Bullenmarkt damit beendet sein könnte? Gegen diese Sichtweise sprechen mehrere Punkte.

Schuldenproblematik bleibt bestehen

Zwar kann eine straffere Geldpolitik kurzfristig den Goldpreis drücken, an den grundlegenden strukturellen Problemen vieler Industriestaaten ändert sie jedoch wenig. Vor allem die Entwicklung der Staatsverschuldung rückt zunehmend in den Fokus. In den USA erreichen die Staatsschulden mit über 39 Billionen Dollar inzwischen historische Höchststände. Gleichzeitig weisen zahlreiche Länder hohe Haushaltsdefizite aus. Die Finanzierung dieser Defizite wird mit steigenden Zinsen sogar noch kostspieliger. Je höher die Zinslasten ausfallen, desto schwieriger wird es für Regierungen, ihre Haushalte langfristig zu stabilisieren.

Für Goldinvestoren ist genau dieser Aspekt von besonderer Bedeutung. Das Edelmetall wird seit Jahrhunderten als Wertspeicher genutzt und dient vielen Anlegern als Absicherung gegen Kaufkraftverluste von Papierwährungen. Solange die Schuldenberge weiter wachsen und die fiskalischen Herausforderungen ungelöst bleiben, dürfte diese Funktion erhalten bleiben.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regemäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Weniger Fokus auf die Fed, mehr Fokus auf die Staatsfinanzen

Ein weiterer Gedanke gewinnt derzeit an Bedeutung: Die Märkte könnten sich künftig wieder stärker auf die langfristigen Fundamentaldaten konzentrieren. In den vergangenen Jahren standen nahezu jede Rede und jede Prognose der Notenbanken im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Künftig könnte dagegen die Frage wichtiger werden, wie Staaten mit ihren wachsenden Schulden und Defiziten umgehen.

Sollte sich dieser Perspektivwechsel tatsächlich durchsetzen, dürfte dies Gold langfristig wieder unterstützen. Denn während die Geldpolitik je nach Konjunktur- und Inflationslage mehrfach ihre Richtung ändern kann, entwickeln sich hohe Staatsschulden meist über viele Jahre hinweg und lassen sich nur schwer abbauen.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Zentralbanken ihre Goldreserven in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut haben. Diese Käufe gelten als Zeichen dafür, dass Gold weiterhin eine wichtige Rolle im internationalen Währungssystem spielt. Die Nachfrage der Notenbanken hat sich damit zu einer zusätzlichen Stütze des Marktes entwickelt.

Fazit: Kurzfristig bleibt Gold anfällig für Schwankungen. Sollten die Inflationsdaten in den USA hoch bleiben und die Fed weitere Zinserhöhungen signalisieren, könnte dies den Preis zunächst weiter belasten. Auch ein stärkerer Dollar könnte dann zusätzlichen Druck erzeugen. Dennoch sollten Anleger die aktuelle Zinsdebatte daher eher als temporären Bremsklotz als das Ende des langfristigen Aufwärtstrends interpretieren. Die Geldpolitik kann den Goldpreis zwar zeitweise beeinflussen. Ob sie die strukturellen Herausforderungen der öffentlichen Haushalte dauerhaft lösen kann, darf stark bezweifelt werden. Genau darin sehen viele Anleger weiterhin einen der wichtigsten Gründe, Gold langfristig die Treue zu halten.

Lesen Sie auch:

Zieht der Goldpreis bald wieder deutlich an? Neue Kaufwelle zeichnet sich ab

Oder:

Goldpreis: Sind das schon Kaufkurse?