Steigende Zinsen gelten normalerweise als Belastung für Gold. Doch trotz deutlich höherer Anleiherenditen zeigt sich der Goldpreis erstaunlich widerstandsfähig. Die Commerzbank nennt dafür mehrere Gründe und bleibt langfristig optimistisch.
Die Ausgangslage erscheint auf den ersten Blick ungünstig. Die Finanzmärkte rechnen heute mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed (aktuell: 92,5 Prozent). Zugleich haben die Spannungen im Nahen Osten die Ölpreise und damit die Inflationserwartungen nach oben getrieben. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen erreichten dadurch Niveaus, wie sie seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr zu beobachten waren.
Für Gold ist das normalerweise problematisch. Das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Steigen die Renditen sicherer Staatsanleihen, erhöhen sich deshalb die Opportunitätskosten einer Goldanlage. Thu Lan Nguyen, Leiterin der Rohstoffanalyse bei der Commerzbank, hält es vor diesem Hintergrund für bemerkenswert, dass Gold bislang nicht stärker unter Druck geraten ist.
Eine mögliche Erklärung sieht die Expertin in einem wachsenden Konflikt zwischen der Fed und der US-Regierung. Während die Notenbank angesichts anhaltend hoher Inflation zunehmend unter Druck steht, die Geldpolitik weiter zu straffen, drängt US-Präsident Donald Trump auf niedrigere Zinsen. Damit könnte die Unabhängigkeit der Fed stärker in den Fokus der Finanzmärkte rücken.
Dollar und US-Staatsverschuldung stützen Gold
Nach Einschätzung der Commerzbank könnte diese Unsicherheit bereits Auswirkungen auf den Dollar haben. Normalerweise sollten steigende US-Renditen die amerikanische Währung attraktiver machen. Trotzdem blieb der Dollar unter Druck. Gleichzeitig sind die Kosten für eine Absicherung gegen eine Dollarabwertung gegenüber dem Euro zuletzt wieder deutlich gestiegen. Für Nguyen deutet dies darauf hin, dass Investoren ein höheres Risikopolster für die US-Währung verlangen.
Genau diese Entwicklung kann Gold zugutekommen. Zweifel an der Verlässlichkeit des Dollars als klassischer sicherer Hafen erhöhen die Attraktivität alternativer Wertaufbewahrungsmittel. Die Commerzbank sieht darin einen der strukturellen Faktoren, die den Goldpreis bereits zuvor unterstützt haben und weiterhin Bestand haben.
Hinzu kommt die hohe Staatsverschuldung. Nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Industrieländern werfen steigende Schulden und Finanzierungskosten zunehmend Fragen nach der langfristigen Sicherheit von Staatsanleihen auf. Gold besitzt hier aus Sicht der Commerzbank einen wichtigen Unterschied: Das Edelmetall ist institutionell unabhängig und mit keinem Ausfallrisiko eines Staates oder Unternehmens verbunden.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Konstellation. Höhere Zinsen belasten Gold zwar grundsätzlich, zugleich können die Ursachen und Folgen steigender Renditen – hohe Inflation, wachsende Staatsschulden und Zweifel an der Geldpolitik – die Nachfrage nach dem Edelmetall unterstützen.
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Commerzbank erwartet langfristig steigende Goldpreise
Kurzfristig rechnet die Commerzbank dennoch mit Gegenwind. Wegen der gestiegenen Zinsen hatte das Institut seine Goldpreisprognose bereits im Juli reduziert. Größeres Abwärtspotenzial sieht die Bank bis zum Jahresende jedoch nicht. Entscheidender ist der längerfristige Ausblick: Die strukturellen Gründe für die vorherige Goldrally seien nicht verschwunden.
Dies spiegelt sich in den Prognosen (Stand: 10. September 2026) wider. Für das vierte Quartal 2026 erwartet die Commerzbank einen Goldpreis von 4.500 Dollar. Danach soll es schrittweise aufwärtsgehen: auf 4.600 Dollar im ersten und 4.800 Dollar im zweiten Quartal 2027 sowie 4.900 Dollar im dritten Quartal. Für Ende 2027 stehen schließlich 5.000 Dollar in der Prognosetabelle.
Fazit: Die Commerzbank erwartet damit keine geradlinige Rally. Steigende Zinsen bleiben ein kurzfristiger Belastungsfaktor. Auf längere Sicht könnten jedoch Zweifel am Dollar, wachsende Staatsschulden und die besondere Rolle von Gold als Vermögenswert ohne Ausfallrisiko stärker wiegen.
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