Der Konzernumbau beim Nahrungsmittelkonzern ist in vollem Gange. Nach den jüngsten Zahlen kehrt das Vertrauen des Markts allmählich zurück. Mit einem Bonus-Cap-Zertifikat oder einem Call-Optionsschein können Anleger vom neuen Kurs profitieren.
Seit September vergangenen Jahres führt Philipp Navratil den größten Lebensmittelkonzern der Welt,
Nestlé. Nach teils recht volatilen Kursbewegungen zwischen Oktober und März hat sich die Lage zuletzt stabilisiert. Zum Wochenauftakt kratzte das Papier wieder am Jahreshoch von rund 84 Schweizer Franken. Gelingt der Ausbruch über diese Marke, eröffnet sich neues Aufwärtspotenzial bis 92 Franken. Charttechnisch sowie fundamental stehen die Chancen für eine solche Erholung durchaus gut.
Mit dem Ausbruch über die Widerstandsmarke von 81,10 Franken ging der Sprung über die seit Sommer 2023 gebildete Abwärtstrendlinie einher. Der auf Wochenbasis errechnete mittelfristige MACD-Indikator zeigt steigendes Aufwärtsmomentum, und der mittelfristige RSI-Indikator ist aufwärtsgerichtet. Signale, die durchaus positiv zu werten sind. Gleichwohl muss Navratil den Anlegern auch fundamentale Gründe für den Einstieg bei Nestlé liefern.
Im ersten Quartal präsentierte der Manager bereits überraschend gute Ergebnisse. So legte der Umsatz organisch trotz Wechselkursverlusten um 3,5 Prozent zu. Katalysator waren vor allem Preiserhöhungen sowie das Kaffeesegment und das Geschäft mit Süßwaren und Snacks. Der Nutrition-Bereich schwächelte hingegen. Auf Jahressicht peilt Nestlé einen Umsatzzuwachs zwischen drei und vier Prozent an. Navratils Umbaupläne zeigen also Wirkung. Gleichwohl sind sie längst noch nicht abgeschlossen.
Mehr Werbung, weniger Segmente
Künftig soll der Fokus auf den vier Geschäftsbereichen Kaffee, Süßwaren und Snacks, Nutrition und Tiernahrung liegen. Die Eissparte wurde an das Joint Venture Froneri übertragen, an dem Nestlé und die Private-Equity-Gesellschaft PAI Partners jeweils 50 Prozent halten. Für das Wasser- und Prämiengetränkegeschäft wird seit dem ersten Quartal dieses Jahres ein Käufer gesucht. Derweil läuft ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm. Dabei sollen bis 2027 rund drei Milliarden Franken eingespart werden. Zudem sollen über zwei Jahre rund 16.000 Stellen gestrichen werden. Um verloren gegangene Marktanteile zurückzugewinnen, sollen gleichzeitig die Marketing- und Werbeausgaben von 7,5 Prozent des Umsatzes im Jahr 2024 auf 8,6 Prozent erhöht werden. Zukäufe wie der Erwerb der verbliebenen 51 Prozent an der Smart-Food-Marke Yfood wird es in der nahen Zukunft kaum geben. „Ich frage mich nicht, was wir noch dazukaufen müssen. Was wir brauchen, sind Innovationen, um das Wachstum zu beschleunigen“, erklärte der Konzernchef im Februar gegenüber der „Financial Times“.
Der neue Kurs findet bei zahlreichen Analysten durchaus Anerkennung. Gestützt auf ein solides erstes Quartal schrieb kürzlich Jon Cox, Analyst bei Kepler Cheuvreux: „Wir erwarten in Q2 eine Beschleunigung der Volumen- und Mix-Entwicklung auf 1,8 Prozent nach 1,2 Prozent im ersten Quartal, da die negativen Auswirkungen des Rückrufs von Säuglingsnahrung nachlassen, das Unternehmen bei seinen Bemühungen zur Wachstumsbeschleunigung Fortschritte erzielt und der Druck durch die Neuausrichtung in China abnimmt.“ Wachstumspotenzial sieht der Analyst udem im Ausbau des Produktportfolios für Nutzer von GLP-1-Medikamenten und Anhänger von proteinhaltigeren Nahrungsmitteln. Rückenwind für das Zahlenwerk könnten die Schweizer zudem vom Wechselkurs erhalten. So hat der Franken in
den zurückliegenden Wochen gegenüber dem US-Dollar deutlich verloren. Von dieser Entwicklung dürfte Nestlé profitiert haben, denn zuletzt steuerte das US-Geschäft rund 35 Prozent zum Gesamtumsatz der Schweizer bei.
Zweistellige Gewinnchancen
Alternativ zum Direkteinstieg in die Aktie des Nahrungsmittelherstellers bieten sich, je nach Risikoneigung, ein Bonus-Cap-Zertifikat oder ein Call-Optionsschein an.
Das Bonus-Cap-Zertifikat eignet sich für etwas risikoaversere Investoren. Das Wertpapier hat bei 70 Franken eine Barriere und bei 125 Franken ein Cap-Level. Die 70-Franken-Marke wurde im vergangenen August für einen Handelstag verletzt. Zuvor wurde dieses Level zuletzt Ende 2016 unterschritten. Aus heutiger Sicht ist die kritische Marke nicht in Gefahr. Wird sie bis Laufzeitende des Bonus-Cap-Zertifikats nicht berührt oder unterschritten, erhalten Anleger den maximalen Rückzahlungsbetrag von 125 Euro. Das Produkt ist währungsgesichert. Daher erfolgt die Auszahlung des Cap eins zu eins in Euro. Wird die Barriere hingegen verletzt, ist die Chance auf den Bonus weg und es drohen Verluste. Um mögliche Verluste zu beschränken, sollten Anleger einen Stoppkurs setzen.
Dies ist vor allen auch für Hebelpapiere wie den ausgewählten Call-Optionsschein zu empfehlen. Dieses Papier eignet sich auch nur für risikofreudigere Anleger. Es ist mit einem Basispreis bei 85 Franken und damit leicht oberhalb des aktuellen Aktienkurses ausgestattet. Der Hebel, ausgedrückt im Omega, liegt derzeit bei 8,2. Steigt die Aktie bis Ende Oktober auf 92 Franken, dürfte der Call rechnerisch um knapp 70 Prozent zulegen. Gelingt es beispielsweise schon Mitte August, wären rund 85 Prozent Gewinn möglich.
Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen. Ein vermeintlich kleiner Kursrückgang bei der Aktie kann bereits zu zweistelligen Kursverlusten beim Optionsschein führen. Bei einem Kursrückgang auf 78 Franken bis Ende Juli könnte sich der Wert des Papiers fast halbieren. Um das Verlustrisiko zu begrenzen, erscheint ein Stoppkurs bei 0,38 Euro vernünftig.
Fazit
Der Nestlé-Aktie ist kürzlich der Ausbruch aus dem mittelfristigen Abwärtstrend gelungen. Auch die Zahlen zum ersten Quartal schüren Optimismus, dass der seit September amtierende Konzernchef die richtigen Maßnahmen ergreift, um den Nahrungsmittelriesen zurück auf Wachstumskurs zu bringen. Das Bonus-Cap-Zertifikat sowie der Call-Optionsschein sind attraktive Alternativen zum Direkteinstieg und bergen jeweils die Chance auf zweistellige Gewinne bis Laufzeitende.