Die wachsende finanzielle Schieflage Frankreichs macht dem Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman große Sorge. Er warnt, das Land könne für die Europäische Zentralbank „zu groß zum Retten“ geworden sein. Auch die Märkte werden zunehmend nervös.

Einer der prominentesten Ökonomen der Welt schlägt Alarm: Nobelpreisträger Paul Krugman warnt, Frankreich könne in eine Schuldenkrise geraten und für eine Rettung durch die Europäische Zentralbank(EZB) zu groß sein. Der französische Staat stehe auf einem „fiskalisch nicht tragfähigen Kurs“, schrieb Krugman in seinem Blog.

Krugman warnt nicht vor einem unmittelbar bevorstehenden Zahlungsausfall. Doch er sieht, dass steigende Zinsen die Belastungen aus dem Schuldendienst erhöhen, während anhaltend hohe Haushaltsdefizite den Schuldenstand in immer neue Höhen treiben. Weiter. Mittlerweile ist der französische Staat mit rund 120 Prozent seines BIP verschuldet und auch bei Investoren wächst die Furcht, dass sich diese Spirale beschleunigen könnte. Frankreichs zehnjährige Staatsanleiherendite ist mittlerweile auf den höchsten Stand seit 2002 gestiegen.

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Krugman erinnert an die Eurokrise

Krugman verweist auf das Muster der Staatsschuldenkrise von 2009 bis 2012, die damals von Griechenland ausging: Wenn Investoren die Anleihen eines Euro-Staates meiden, steigen die Finanzierungskosten weiter. Das nährt Zweifel an der Tragfähigkeit der Schulden, löst Kapitalabflüsse aus und kann die Renditen weiter hochtreiben. Die Vertrauenskrise verstärkt sich selbst.

Doch anders als Griechenland könne Frankreich zwar „too big to fail“, aber auch „too big to save“ sein; also zu groß, als dass die Eurozone mit Hilfe der EZB den Flächenbrand eindämmen könnte.

Das wäre für die Eurozone gefährlicher als die damaligen Krisen in Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien, weil Frankreich die zweitgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums ist.

EZB-Hilfe gibt es nicht bedingungslos

Der frühere EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte gegenüber dem US-Börsensender CNBC, Instrumente zur Stabilisierung der Märkte seien grundsätzlich vorhanden. Dazu zählt er den Europäischen Stabilitätsmechanismus und im Extremfall das 2022 beschlossene, bislang nicht eingesetzte Transmission Protection Instrument, kurz TPI.

Doch Trichet nennt auch eine entscheidende Bedingung: Frankreich müsse zunächst selbst glaubwürdig handeln. Die Regierung und das Parlament müssten einen Kompromiss zur Defizitsenkung finden, um die Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren wiederherzustellen. „Man muss sich zuerst selbst helfen“, sagte Trichet CNBC. Eine Notenbankintervention ohne sichtbaren Konsolidierungskurs wäre politisch kaum durchsetzbar; vor allem gegenüber fiskalisch straffer geführten Euro-Ländern.

Die Folgen für Anleger

Für Anleger ist vor allem der Abstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleiherenditen wichtig. Weitet sich dieser Risikoaufschlag deutlich aus, wäre das ein Signal für abnehmendes Vertrauen in Frankreichs Finanzpolitik. Betroffen wären nicht nur französische Banken und Staatsanleihen, sondern im Extremfall auch der Euro, der CAC 40 und europäische Finanzwerte insgesamt.

Noch steckt Frankreich nicht in einer akuten Schuldenkrise. Das Land verfügt über einen breit aufgestellten, liquiden Kapitalmarkt, eine große Volkswirtschaft und institutionelle Rückendeckung durch die Eurozone. Doch der Haushalt 2027 wird zum Belastungstest. Gelingt ein glaubwürdiger Kompromiss, kann sich die Lage beruhigen. Scheitert die Konsolidierung, könnten die Märkte Frankreich zu demn zwingen, was die Politik bislang nicht schafft: schnell und schmerzhaft zu sparen.

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