Am heutigen Donnerstag ist wegen eines morgigen Feiertags in den USA – schon vierfacher Verfallstag. Weil dabei auch Millionen Call-Optionen glattgestellt werden, könnte der „Hexensabbat“ diesmal tatsächlich ein gefährliches Ereignis werden.
Der „Hexensabbat“ ist eines der seltsamsten Ereignisse an der Börse. Und wer jetzt denkt „da verkaufen mir die von BÖRSE ONLINE auch wieder nur alten Wein in neuen Schläuchen“, dem sei gesagt: „This time it‘s different“.
Weil viermal im Jahr gleich an vier Terminmärkten gleichzeitig die Kontrakte auslaufen - darunter verschiedene Derivate wie Optionen und Futures auf Aktien und Indizes - spielen im Verlauf des Tages oft die Kurse verrückt. Sie bewegen sich „wie verhext“, daher kommt der Name „Hexensabbat“.
Der Kurstreiber hinter den „verhexten“ Chipaktien
Verhexte Kurse beobachten erfahrene Börsianer aber schon seit Ende März: Damals gingen plötzlich die Chipaktien steil – und haben bis heute nicht aufgehört. Micron gewann seitdem 250 Prozent, SK Hynix 230 Prozent, Intel 200 Prozent und Marvell Technology 260 Prozent.
Vor allem die Geschwindigkeit des Kursanstiegs hat viele überrascht. Doch es gibt eine Erklärung dafür: Eine wachsende Zahl von Anlegern ist gehebelt im Markt unterwegs. Das heißt, sie setzen mit Call-Optionen auf steigende Kurse und bewegen so am Markt ein Vielfaches ihres Einsatzes. Beginnt der Kurse einer Aktie dann wirklich zu steigen, sind die Stillhalter der Call-Optionen gezwungen, die Aktie ebenfalls zu kaufen, für den Fall, das Sie deren Wert am Ende wirklich auszahlen müssen. Zögen sie nicht nach, würden Sie Gefahr laufen, dass ihr Verlust aus dem Geschäft bei weiter steigenden Kursen immer größer wird.
Dieser Effekt trägt unter Börsianern den Namen „Gamma-Push“ oder „Gamma-Squeeze“, weil das Gamma in der Optionspreistheorie misst, wie stark sich der Preis einer Option verändert, wenn sich der Kurs der Basiswerts verändert.
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Warum der Hexensabbat den Gamma-Squeeze unterbricht
Warum ist das wichtig? Der letzte Hexensabbat war am 20. März, kurz bevor die Kurse der Chipaktien explodierten. Seitdem kauften vor allem Privatanleger Unmengen von Call-Optionen auf diese Werte und befeuerten so zusätzlich den Kursanstieg.
Je kurzfristiger die Restlaufzeit der Optionen, umso größer der Hebel und umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie heute, am 18. Juni 2026, zu Handelsschluss auslaufen. Dann wird abgerechnet – und der Squeeze ist erstmal zu Ende.
Das kann heute im Tagesverlauf – vor allem an den US-Börsen – noch für einige Kapriolen sorgen.
- Marktteilnehmer, die sich verpflichtet haben, echte Aktien zu liefern, und ihre Stillhalter-Position noch nicht in voller Höhe aufgebaut haben, müssen heute, quasi in letzter Sekunde, zukaufen – koste es, was es wolle. Das kann die Kurse sogar noch einmal treiben.
- Alle Stillhalter von Optionen, auch die, die einfach in Geld abgerechnet werden, haben ein Interesse daran, die Kurse im letzten Moment noch einmal zu drücken, indem sie Aktien auf den Markt werfen – und sei es durch Leerverkäufe.
Die noch spannendere Frage: was passiert am Montag?
Am Freitag wird dann in New York nicht gehandelt. Umso spannender ist die Eröffnung am Montag: Werden die Spekulanten dann ihre Gewinne in neue Call-Optionen stecken, und versuchen, das Rad neu zu drehen? Und wie schnell würden die Kurse darauf reagieren?
Oder zieht der ein oder andere angesichts der hohen Bewertungen und des wachsenden Risikos eines Rückschlags zurück? Dann ließe der Kaufdruck im Markt schlagartig nach – und womöglich würden die Kurse dann schon nach Süden drehen. Wenn dieser erste Kursrutsch signifikant ist, würde er wahrscheinlich eine größere Abverkaufswelle auslösen, weil viele im Markt wissen, dass die Party irgendwann endet – und im Zweifel lieber früher als später den „Verkaufen“-Knopf drücken.
Ob das passiert, weiß bisher niemand. Klar ist nur: Der heute auf Donnerstag vorgezogene „Hexensabbat“ wird diesmal ganz besonders spannend.
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Häufige Fragen zum Thema
Was ist der „Hexensabbat“ an der Börse?
Als Hexensabbat oder „großer Verfallstag“ wird der drittletzte Freitag in den Monaten März, Juni, September und Dezember bezeichnet. An diesen Tagen verfallen gleichzeitig verschiedene Derivate wie Optionen und Futures auf Aktien und Indizes. Dies führt oft zu extremen, unvorhersehbaren Kursschwankungen und hohen Handelsvolumina. Die Kurs everhalten sich „wie verhext“.
Wie verfallen Optionen an der Börse?
Optionen und Optionsscheine verfallen, weil sie eine feste Laufzeit haben. Am Ende dieser Laufzeit, dem Verfallstag, wird der Kontrakt abgerechnet und aus dem System genommen. Abhängig davon, wo der Kurs des Basiswer, etwa einer Aktie, im Vergleich zum vereinbarten Preis steht, gibt es zwei Szenarien:
1. Verfall ohne inneren Wert ("aus dem Geld"): hat sich der Kurs sich nicht wie gewünscht entwickelt, verfällt die Option wertlos. Der Käufer verliert seinen gesamten Einsatz, hat aber keine Nachschusspflicht wie bei Futures.
2. Ausübung ("im Geld"): Die Option hat einen Wert, da der aktuelle Aktienkurs höher notiert als der vereinbarte Basispreis.
An den meisten großen Terminbörsen werden solche Optionen am Verfallstag automatisch abgerechnet oder ausgeübt, um Verluste durch Vergesslichkeit zu verhindern.
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