Das US-Landwirtschaftsministerium hat seine Ernteprognose deutlich nach oben korrigiert. Das belastet den Rohstoff an den Future-Märkten.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 28. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 45/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Die monatlichen WASDE-Berichte des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA), die globale und lokale Erntemengen und die Nachfrage umfassen, sind der wichtigste Gradmesser für die globalen Agrarmärkte. Mit dem Oktober-­Bericht wirbelte das US-Landwirtschaftsministerium den Markt für Mais kräftig auf. Entgegen allen Erwartungen wurden die globalen Bestände des Agrarrohstoffs massiv nach oben korrigiert, was die Börsenpreise sofort unter Druck setzte. 

Kurse unter Druck

Noch im Bericht vom September ging die Behörde nach dem heißen Sommer mit wenig Regen von Ertragseinbußen aus und senkte die Prognose für die US-Maisernte — und jetzt die Kehrtwende. Die Experten hoben die US-Maiserzeugung um sechs Millionen Tonnen auf 407,3 Millionen (16,034 Milliarden Bushel) an. Damit steuern die USA auf die zweitgrößte Maisernte ihrer Geschichte zu. Erst vor einem Jahr (2025) fuhren die US-Landwirte die absolute Rekordernte von 431 Millionen Tonnen (beziehungs­weise rund 17,0 Milliarden Bushel) ein. Überraschend kräftig wurden die durchschnittlichen US-Flächenerträge auf 181,2 Bushel pro Acre (0,4 Hektar) nach oben korrigiert. Insbesondere im Bundesstaat Nebraska profitierten die Erzeuger von einer sehr guten Bewässerungsinfrastruktur und erzielten Spitzenerträge von durchschnittlich 11,8 Tonnen pro Hektar. Zu den Erntemengen kommen nun noch hohe Lagerbestände dazu. Aktuell liegen noch 47 Millionen Tonnen Mais in US-Silos zur Verwertung. 

So ein hohes Angebot könnte den Maispreis weiter belasten. Die heimischen Abnehmer wie die Futtermittelindustrie und die Ethanol-Produktion haben jedenfalls ein großes Interesse an einem sinkenden Maispreis. In den USA werden jährlich weit über 140 Millionen Tonnen Mais zu Bioethanol verarbeitet. Mit niedrigeren Preisen für Mais sinken auch die Kosten der Herstellung. Gleiches gilt für die Futtermittelindustrie. In der US-Viehwirtschaft entfallen je nach Tierart zwischen 50 und 70 Prozent der gesamten Produktionskosten direkt auf das Futter. 

Da Mais aufgrund seines hohen Energiegehalts und seiner leichten Verdaulichkeit die Basis fast jeder Futtermischung bildet, entscheidet der Maispreis direkt über Gewinn oder Verlust eines Betriebs. Von der erwarteten Ernte werden nach Prognosen der US-Regierung rund 152 Millionen Tonnen Mais verfüttert. Nur rund zehn bis 15 Prozent der US-Ernte geht in den Export. Doch mit dem aktuellen Preisniveau können die USA mit dem Angebot des Hauptkonkurrenten Brasilien nicht mithalten. Heißt: Exporte gehen nur über einen niedrigeren Preis. Unter dem Strich sollte das auf die Notierungen an den Mais-Future-Märkten drücken.

Fazit

Sehr risikobereite Anleger können mit den ausgewählten Hebelpapieren an sinkenden Maispreisen überproportional mitverdienen. Wer investiert, setzt individuelle Stoppkurse zur Verlustbegrenzung, sollte sich der Preis des Mais-Futures entgegen der Erwartung entwickeln.

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