Das Unternehmen kann dadurch seine Abhängigkeit von Russland und Libyen reduzieren. "Mit der heimischen Produktion in Europa stärken wir die europäische Versorgungssicherheit", sagte Seele. In Libyen hatten Unruhen den Export immer wieder lahmgelegt. Vor dem Sturz des Diktators Muammar Gaddafi im Jahr 2011 hatte Wintershall 100.000 Barrel pro Tag in dem nordafrikanischen Land gefördert und war dort der zweitgrößte Ölproduzent. Im Frühjahr hatte das Management angekündigt, in den nächsten fünf Jahren mehr als vier Milliarden Euro in die Öl- und Gasproduktion zu investieren, überwiegend in Norwegen und Russland.

Nun hat Wintershall Anteile an den produzierenden Feldern Gjoa (5 Prozent) und Vega (24,5 Prozent) sowie am Entwicklungsprojekt Aasta Hansteen (24 Prozent) und dem Fund Asterix (19 Prozent) gekauft. Zudem erwirbt das Unternehmen Anteile an dem Pipeline-Projekt Polarled (13,2 Prozent) sowie an vier Explorationslizenzen in der Nähe von Aasta Hansteen. Beim Feld Vega solle Wintershall die Federführung übernehmen sofern die Behörden und Konsortialpartner zustimmen. Der Abschluss der Transaktion werde bis Ende 2014 erwartet. Zusätzlich vereinbarten Wintershall und Statoil, künftig bei der Erschließung des Explorationspotenzials im Voring-Becken zusammenzuarbeiten. Die erworbenen Anteile umfassen laut Wintershall Reserven und Ressourcen von rund 170 Millionen boe.

ANALYSTEN: GUTER DEAL FÜR STATOIL

Wintershall zahlt 1,25 Milliarden Dollar. Sollte das Aasta-Hansteen-Feld wie geplant entwickelt werden, komme eine zusätzliche Zahlung von bis zu 50 Millionen Dollar hinzu. Statoil erzielt durch den Verkauf nach eigenen Angaben einen Buchgewinn von 700 Millionen bis 900 Millionen Dollar. "Das ist ein sehr guter Deal zu einem sehr guten Preis", sagte Analyst John Olaisen von ABG Sundal Collier. Auch Analyst Kjetil Bakken von Carnegie sprach von einem ziemlich guten Geschäft für Statoil. Die Statoil-Aktie legte 0,2 Prozent zu, die BASF-Aktie notierte unverändert.

Wintershall baut sein Öl- und Gasfördergeschäft aus, das Gashandels- und Gasspeichergeschäft will das Unternehmen an den russischen Energieriesen Gazprom abgeben. Im Gegenzug dafür sollen die Deutschen größere Anteile an großen Gasfeldern in Sibirien bekommen. Vergangene Woche hatte Seele gesagt, der geplante Anteilstausch mit Gazprom werde wie zuletzt angekündigt im Herbst über die Bühne gehen. Die zunehmenden politischen Spannungen mit Russland wegen des Ukraine-Konflikts nährten zuletzt Zweifel, ob die Vereinbarung tatsächlich umgesetzt wird.

Reuters