Einige Analysten halten das Ziel für kaum erreichbar, zuletzt lag die Eigenkapitalrendite der Kernbank bei 5,7 Prozent. Zugleich habe das Renditeziel an Bedeutung verloren. "Heute schauen Finanzwelt und Öffentlichkeit mehr auf die Eigenkapitalquote als auf die Rendite", sagte Blessing.

Erst in den nächsten Jahren werde man wissen, welche Renditen in einem immer stärker regulierten Bankenmarkt nachhaltig zu erzielen seien, sagte Blessing. "Nach der Theorie reden wir über einen risikofreien Zins plus Risikoaufschlag." In der Vergangenheit sei man von einem risikofreien Zins von drei bis vier Prozent ausgegangen. Doch für zehnjährige Bundesanleihen lag die Rendite zuletzt bei weniger als 0,6 Prozent.

Blessing wollte sich nicht dazu äußern, wann die Commerzbank-Aktionäre nach einer jahrelangen Durststrecke wieder mit einer Gewinnausschüttung rechnen können. "Nur so viel: Es ist unser klares Ziel, in Zukunft wieder eine Dividende zu zahlen." Zuletzt hatte die Commerzbank für 2007 eine Dividende von einem Euro überwiesen. Ein Jahr später geriet die Bank in den Sog der Finanzkrise und wurde vom Bankenrettungsfonds SoFFin mit 18,2 Milliarden Euro Staatsgeld aufgefangen. Der Bund hält derzeit noch 17 Prozent an der Commerzbank.

Strafzinsen auf die Spareinlagen für Privatkunden und Mittelständler schloss Blessing erneut aus. "Negativzinsen für Privatkunden, Geschäftskunden und den breiten Mittelstand sind kein Thema", sagte der 51-Jährige. Von institutionellen Unternehmen und Großkunden verlangt Deutschlands zweitgrößte Bank hingegen bereits Negativzinsen. Deren Einlagen könne sie aus regulatorischen Gründen nur kurzfristig anlegen und nicht nutzen, um langfristige Kredite zu vergeben, begründete Blessing die Strafzinsen.

Eine Fusion mit der Deutschen Bank schloss der Commerzbank-Chef aus. "Für ein solches Szenario fehlt mir die Fantasie."

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STAATSANLEIHENKÄUFE DURCH EZB KEINE LÖSUNG

Blessing rechnet mit dem massiven Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die EZB fürchtet eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkender Nachfrage der Verbraucher und Investitionen der Firmen. EZB-Präsident Mario Draghi und andere Top-Notenbanker haben daher die Tür für den Ankauf von Staatsanleihen nach dem Vorbild der USA weit geöffnet. "Ich bezweifele aber, dass durch die quantitative Lockerung das Problem gelöst wird", sagte Blessing. "Dann hätte die EZB eine große Bilanz mit Staatsanleihen, und wir hätten immer noch keine Inflation."

Die Probleme müssten schrittweise gelöst werden, Durchwursteln sei angesagt, sagte Blessing. Er warnte vor unabsehbaren Konsequenzen falls die Währungsunion auseinanderbrechen sollte, nicht zuletzt für Deutschland. "Von 18 Ländern würden sich 17 sofort auf einen Schuldigen einigen. Glauben Sie, die anderen ließen noch deutsche Premiumautos zollfrei ins Land?". Es wäre naiv zu glauben, der gemeinsame Markt würde das Ende des Euro überleben, warnte Blessing.

Reuters