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Daimler-Aktie: Autobauer startet E-Offensive - Warum das Papier jetzt wieder spannend wird

Daimler-Aktie: Autobauer startet E-Offensive - Warum das Papier jetzt wieder spannend wird

WKN: 710000 ISIN: DE0007100000 Daimler AG

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15.12.2017 - 18:38
16.09.2017 04:00:00

Bei Daimler-Aktionären waren im laufenden Jahr starke Nerven gefragt. Erst geriet der Konzern in den Sog der Dieselkrise, dann sorgten Berichte über mögliche Kartellabsprachen von Daimler, BMW und Co. für zusätzliche Verunsicherung bei Investoren. Mit einer konzernweiten Groß-Angriff bei E-Autos und einem Sparprogramm wollen die Schwaben jetzt wieder in die Offensive kommen. Was Daimler konkret plant, wie die Aussichten für die Aktie sind. Von Thomas Schmidtutz, Frankfurt



Der Stuttgarter Autobauer Daimler setzt angesichts der Dieselkrise und weltweit drohender Fahrverbote für Autos mit Verbrenner-Motoren künftig voll auf Elektromobilität. "Bis 2022 werden wir das gesamte Produktportfolio von Mercedes-Benz elektrifizieren", kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstag auf der Automesse IAA in Frankfurt. "Wir sind all-in", sagte auch der für das wichtige China-Geschäft zuständige Konzern-Vorstand Hubertus Troska am Dienstag gegenüber Journalisten.



Nach den Plänen wollen die Schwaben bis 2022 über 50 Mercedes-Benz-Modelle mit reinen E-Motoren oder Hybrid-Varianten, also einer Mischung aus Diesel- bzw. Benzin-Motor sowie Elektroantrieb, im Programm haben. Bislang hatte der Konzern bis 2022 rund zehn reine Elektromodelle in Aussicht gestellt.


Auch Volkswagen und BMW geben bei E-Autos Gas



Ähnlich wie Daimler weiten auch die anderen deutschen Wettbewerber ihre E-Auto-Anstrengungen massiv aus. So will Volkswagen bis 2025 mehr als 80 Modelle der Kernmarke VW sowie Audi, Seat, Skoda und Co. elektrifizieren, kündigte Konzern-Chef Matthias Müller in Frankfurt an. Daimlers Erzrivale BMW will sein E-Autoportfolio im selben Zeitraum von bislang neun auf 25 Modelle ebenfalls stark erweitern.

Mit der neu entdeckten Liebe zum Stromer reagieren die Dieselgate-gebeutelten Konzerne auf den jüngsten Vertrauensverlust bei potenziellen Käufern sowie drohende Diesel-Fahrverbote in vielen deutschen Großstädten. Für zusätzliche Nervosität in der Branche sorgen zudem Spekulationen über mögliche E-Autoquoten der EU-Kommission. Langfristig könnten zudem ganze Länder wie Großbritannien, Frankreich oder der weltweit wichtigste Automarkt China wegen drohender Verbote von Verbrennern komplett auszufallen.

Und als ob das nicht schon genug wäre, drängen komplett neue Unternehmen auf den Markt. Mit Argusaugen beobachtet die Branche etwa die Erfolge des E-Autopioniers Tesla. Das US-Unternehmen, das millionen-schwere Verluste schreibt, wird inzwischen höher bewertet als BMW, obwohl die Bayern Jahr für Jahr Milliardengewinne einfahren.

Teure Aufholjagd



Aber die Aufholjagd kostet erst mal ordentlich Geld. So will Volkswagen seine bislang geplanten Investitionen in neue Stromer bis zum Jahr 2030 auf über 20 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Bei Daimler stehen bislang zehn Milliarden Euro im Raum.

Weil E-Fahrzeuge wegen der bislang hohen Kosten für die Batterien aber noch vergleichsweise teuer sind und die Investitionen hoch, drohen den Konzernen nun erst mal sinkende Gewinne. Man müsse sich in den kommenden Jahren womöglich auf Margenrückgänge einstellen, hatte Daimler-Boss Dieter Zetsche auf einem Investorentag am Montag daher schon mal vorsorglich gewarnt. "Wir werden weiterhin zehn Prozent anstreben, aber wir müssen während des Übergangs auf einen Korridor von acht bis zehn Prozent vorbereitet sein", sagte auch Mercedes-Benz-Finanzchef Frank Lindenberg.

Um die möglichen Belastungen abzufedern, will Daimler nun ein neues Sparprogramm auflegen. Bis 2025 sollen so insgesamt über vier Milliarden Euro reingeholt werden. Neben den Fixkosten will der Konzern auch bei der Produktion besser werden. Zudem sollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung langfristig wieder sinken. Künftig werde etwa die Entwicklungszeit für ein neues Modell dank besserer Softwaresimulation und anderer Ideen von bislang knapp fünf auf knapp vier Jahr sinken, sagte Entwicklungsvorstand Ola Källenius gegenüber BÖRSE ONLINE.

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Bildquelle: Michaela Rehle/Reuters

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